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Windkraft und Meeresschutz

HEISSE ZEITEN: Der Ausbau von Offshore-Anlagen für Erneuerbare Energien muss naturverträglich erfolgen, wenn er nicht neue Probleme verursachen soll

  • Von Olaf Bandt
  • Lesedauer: 3 Min.

Erneuerbare Energien sind der Schlüssel, wenn wir der Klimakrise langfristig etwas entgegensetzen wollen. Der Ausbau der Windkraft vor unseren Küsten ist dabei ein wichtiger Faktor, allerdings bringt er aus Naturschutzsicht neue Probleme mit sich. Doch seit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Klimaschutzgesetz ist ein Wettrennen der Ausbauziele für Offshore-Windenergie im Gang. Im Sommer 2020 hatte die Bundesregierung bereits ein Ausbauziel für die Nord- und Ostsee von 40 Gigawatt bis 2040 beschlossen, inzwischen wird bereits von 70 Gigawatt gemunkelt. Ein zweiter Entwurf der Meeresraumordnung prüft den Ausbau im Nordsee-Schutzgebiet »Doggerbank«. Handelt es sich dabei um einen naturverträglichen Ausbau der Windenergie?

Wer auf dem Meer massiv Windenergie ausbaut, nimmt langfristige und unumkehrbare Schäden in Kauf. Gesunde Meere sind jedoch entscheidend dafür, dass die Ökosysteme der Nord- und Ostsee ihren Teil dazu beitragen können, die Klimakrise zu bremsen. Denn 90 Prozent des CO2 wird weltweit in den Meeren gebunden. Nicht nur das Sediment speichert CO2, sondern auch die Meerestiere und Pflanzen.

Saubere, gesunde und artenreiche Meere sind für den Klimaschutz unverzichtbar, gleichzeitig ist saubere und regenerative Energie zur Begrenzung des Klimawandels notwendig. Bei dem Ausbau der Offshore-Windenergie müssen beide Ziele abgewogen werden. Der Ausbau der Offshore-Windenergie und der Meeres- und Küstennaturschutz mit den dazugehörigen Kabelanbindungen durch das Wattenmeer müssen in Einklang sein, wenn die europäischen Naturschutzziele wie Natura 2000, die EU-Vogelschutzrichtlinie und die Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie erreicht und das UNESCO-Naturerbe Wattenmeer langfristig geschützt werden sollen. Nur so lässt sich die biologische Vielfalt der Küstenregionen erhalten.

Der Ausbau der Windenergie vor den deutschen Küsten muss naturverträglich erfolgen. Beim BUND halten wir einen Ausbau der Offshore-Windenergie auf 15 Gigawatt in den kommenden zehn Jahren für vertretbar, damit der Meeresschutz bei der Energiewende ausreichend berücksichtigt wird. Insbesondere das Nordsee-Wattenmeer verträgt keine weiteren Störungen. Die deutschen Meere sind nach Bewertungen der Bundesregierung in keinem guten Zustand. Und so stellt selbst diese selbst fest, dass die Belastung in den Meeres- und Küstenökosystemen verringert werden muss. Die Offshore-Windenergie darf daher einmalige Meeresschutzgebiete und Küsten-Nationalparks wie den Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer nicht noch weiter belasten.

In Offshore-Windparks dürfen fast keine anderen Nutzungen stattfinden. Durch einen flächendeckenden Ausbau werden Schifffahrt, Fischerei, militärische Übungsgebiete und Rohstoffgewinnung in die Meeresschutzgebiete gedrängt - denn dort sind diese Nutzungen erschreckenderweise erlaubt. See- und Zugvögel sowie Schweinswale verlieren dadurch ihren Lebensraum und ihre Nahrungsgebiete. Auch wenn Offshore-Windparks nur bis an die Grenzen der Schutzgebiete errichtet werden, wirken sie dennoch in sie hinein, die Schutzgebiete werden dadurch de facto verkleinert. Die jahrelangen Ausbautätigkeiten und Kabelverlegungsarbeiten können Tiere dauerhaft stören und vertreiben. Zudem verändern Offshore-Windanlagen unter anderem die Wassertemperatur und den Salzgehalt im Meer.

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Die Lösung des Problems liegt an Land: Energieeinsparung und dezentrale Bürger*innenenergie können einen geringeren Ausbau der Windenergie ausgleichen. Regional erzeugter Strom aus Wind und Sonne ist dreimal günstiger als Offshore-Strom. Statt einer teuren Monopolisierung der Energiewende durch Offshore-Windenergie und eines überdimensionierten Netzausbaus sollte eine dezentrale, erneuerbare Energieproduktion gestärkt werden - mit mehr Investitionen in Windparks an Land, in Solaranlagen auf Dächern und in Batteriespeicher, die von und mit den Bürger*innen realisiert werden. So unterstützt dezentraler Klimaschutz den Schutz von Meer und Küste.

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