Die falsche Botschaft

Kurt Stenger über den Ruf nach noch mehr Privilegien für Geimpfte

  • Kurt Stenger
  • Lesedauer: 2 Min.

Impfen ist aus Sicht vieler Regierungspolitiker derzeit die erste Bürgerpflicht. Richtung 80 Prozent müsse man kommen, sagt jetzt auch die Kanzlerin, wobei im Nebel bleibt, ob sie dies in Relation zur Gesamtbevölkerung oder zu den Erwachsenen meint. Und solche Zielgrößen sind ohnehin falsch, denn sie unterliegen dem Irrglauben, dass sich gegen Sars-CoV-2 mit Vakzinen Herdenimmunität erreichen lässt, mit der die Pandemie abgehakt wäre. Dies setzt nämlich eine »sterile Immunität« voraus, was bedeutet, dass Geimpfte das Virus nicht weitergeben können, und auch, dass sie nicht erkranken können. Diesen Gefallen tut uns Corona nicht, schon gar nicht die Delta-Variante. Impfen hilft vor allem beim Schutz der Risikogruppen, es ist aber auch nicht mehr als ein wichtiger Baustein in der Pandemiebekämpfung.

Daher ist es fahrlässig, wenn Kassenärztechef Andreas Gassen fordert, dass vollständig Geimpfte von allen Maßnahmen befreit werden sollten, selbst vom Maskentragen. Mal abgesehen davon, dass das dann aber auch für Genesene und Getestete gelten müsste – es würde vor allem die falsche Botschaft aussenden, dass mit dem Doppel-Piks alles erledigt ist. Doch Leichtsinn ist mit Blick auf den Herbst die vermutlich größte Gefahr.

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