Polizisten prügeln auf LGBTI-Demonstrierende in Madrid ein

Proteste in ganz Spanien nach gewaltsamen Tod eines 24-Jährigen

  • Lesedauer: 2 Min.

Madrid. Die spanische Polizei ist wegen des Einsatzes von Schlagstöcken gegen Teilnehmer einer Demonstration gegen Gewalt gegen LGBT-Community in die Kritik geraten. Auf Videobildern ist zu sehen, wie Einsatzpolizisten am Montagabend ohne ersichtlichen Anlass auf Demonstranten in der spanischen Hauptstadt einprügelten.

Im staatlichen TV-Sender RTVE wurde am Dienstag kritisiert, Teile der Polizei seien auf dem rechten Auge blind. Gegen linke Demonstranten werde schnell der Knüppel geschwungen. In der Tat können rechte Gruppen in der Öffentlichkeit den Hitlergruß zeigen, verbotene Lieder singen und Fahnen verfassungsfeindlicher Gruppen mitführen, ohne dass die Polizei einschreitet.

Die Chefin der linken Partei Más Madrid, Mónica García, prangerte auf Twitter die unverhältnismäßige Härte des Polizeieinsatzes an. Die Abgeordnete der Partei, die im Regionalparlament genauso viele Sitze wie die in Spanien regierenden Sozialisten hat, forderte eine Erklärung der Polizeiführung und der konservativen Regionalregierung.

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Die Polizei begründete ihr Vorgehen damit, sie sei von einigen Teilnehmern der Demo mit Gegenständen beworfen worden und es habe einige Zerstörungen im öffentlichen Raum gegeben. Zu sehen war das auf Videobildern nicht. Die Regionalregierung kündigte eine Untersuchung an.

In zahlreichen spanischen Städten hatten am Montag Tausende Menschen gegen den Tod eines jungen Mannes in der Stadt A Coruña im Nordwesten des Landes demonstriert. Der 24-jährige Samuel Luiz war am frühen Samstagmorgen nach einem Discobesuch von mehreren Personen angegriffen und nach Zeugenangaben unter queerfeindlichen Beleidigungen so schwer verletzt worden, dass er kurz darauf in einem Krankenhaus starb.

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Am Dienstag teilte die spanische Polizei mit, im Zusammenhang mit dem Fall seien in A Coruña drei junge Männer im Alter zwischen 20 und 25 Jahren festgenommen worden. Sie würden verdächtigt, an der tödlichen Attacke teilgenommen zu haben. Weitere Festnahmen seien nicht ausgeschlossen, hieß es. dpa/nd

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