Systemrelevant für die LGBTIQ-Community

Eine LGBTIQ*-freundliche Politik muss dafür sorgen, dass queere Schutzräume trotz Pandemie erhalten bleiben

  • Von Birthe Berghöfer
  • Lesedauer: 2 Min.
IDAHOBIT: Systemrelevant für die LGBTIQ-Community

Im Netz sind sie Hass und Bedrohungen ausgesetzt, auf der Straße werden sie beleidigt und nicht selten auch körperlich angegriffen und selbst in der Familie erfahren sie Diskriminierung und Ausgrenzung: Queere Menschen erleben in Deutschland tagtäglich und fast überall Homo-, Bi-, Inter- und Transfeindlichkeit. Umso wichtiger ist es, dass es Räume und Gemeinschaften gibt, die Schutz bieten. Doch Clubs, Bars und Beratungsangebote sind seit über einem Jahr geschlossen. Die Pandemie hat sich besonders für die queere Community als doppelte Bedrohung herausgestellt: für die Gesundheit, aber eben auch für ihre Schutz- und Lebensräume.

»Lockdown-Knockout«, nennt das die Deutsche Aidshilfe (DAH). In einer Mitteilung zum diesjährigen Internationalen Tag gegen Homo-, Bi- Inter- und Transfeindlichkeit am 17. Mai fordert sie deswegen die Politik auf, Einrichtungen queerer Infrastruktur zu schützen und zu erhalten. Sie »sind viel mehr als nur gastronomische Orte. Als Schutzräume sind sie systemrelevant für die Communitys«, so DAH-Vorstand Ulf Kristal.

Doch während der verschiedenen Lockdowns wurden vor allem die Interessen der traditionellen Kleinfamilie berücksichtigt: Mama, Papa und die Kinder durften Ostern und Weihnachten zusammen verbringen; queere Menschen dagegen konnten ihre Freund*innen aus anderen Haushalten nicht sehen. Viele berichteten von Einsamkeit und einem Abbruch wichtiger sozialer Kontakte.

Diese Ignoranz gegenüber der Lebensrealitäten von LGBTIQ* muss ein Ende nehmen. Zumal die Orte der queeren Community aufgrund fehlender Einnahmen auch nach der Pandemie noch bedroht sein werden. »Hier drohen Lebensorte und Sicherheitsnetze dauerhaft wegzubrechen«, warnt Kristal. Zu befürchten sei eine dauerhafte Zusatzbelastung sexueller und geschlechtlicher Minderheiten: »Long Covid in einem ganz anderen Sinne«.

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Gut also, dass etwa Doris Achelwilm, queerpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, einen »Rettungsschirm für die Landschaft queerer Einrichtungen und Bedarfe« fordert. Aber auch abseits der Sicherung queerer Orte ist noch viel zu tun: Noch immer werden transgeschlechtliche Menschen durch die im Transsexuellengesetz vorgeschriebenen Psychotherapien gedemütigt, homosexuelle Männer dürfen kein Blut spenden und lesbische Mütter werden durch das Familien- und Abstammungsrecht benachteiligt. Die Abschaffung all dieser Formen von Diskriminierung gegenüber homo- und bisexuellen, trans- und intergeschlechtlichen Menschen ist überfällig.

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