Ursache: Alkohol und Selbstüberschätzung

mit der hitzewelle kommen die badeunfälle

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Ursache: Alkohol und Selbstüberschätzung

Mit der nächsten Hitzewelle steigen erfahrungsgemäß auch die Gefahren von Badeunfällen. Aus dem ultimativen Kick mit einem kühnen Kopfsprung in den See wird manchmal schnell ein bitteres Ende im Rollstuhl, wie dieser Tage der Verband der Unfallchirurgen warnte. Vor allem Alkohol und Selbstüberschätzung erhöhen die Risiken eines Badeunfalls. Nach Angaben der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) in Berlin sind im vorigen Jahr 378 Menschen ertrunken. Die Lebensretter warnen: Viele Kinder haben keine Möglichkeit schwimmen zu lernen - nicht nur wegen Corona.

Wie viele Badeunfälle enden mit Querschnittslähmungen?

Nach Schätzungen von Experten erleiden in Deutschland jährlich etwa tausend bis 1500 Menschen Querschnittlähmungen nach Unfällen. Schätzungsweise etwa 80 bis hundert Fälle sind nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie ausschließlich auf Badeunfälle zurückzuführen. Das sind vier bis acht Prozent. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung geht sogar von insgesamt rund 2000 Querschnittsgelähmten pro Jahr aus. Nach Angaben der DLRG ereignen sich im Monat August die meisten Badeunfälle durch Ertrinken oder mit Querschnittlähmungen etwa durch einen leichtfertigen Kopfsprung in flache Gewässer oder kühne Saltos in den Pool.

Wer ist am stärksten betroffen?

Fast alle Unfallopfer sind junge Männer, meist sind sie den Unfallexperten zufolge zwischen 16 und 25 Jahre alt. Sie springen vielfach aus Imponiergehabe und grenzenloser Selbstüberschätzung, wegen einer Mutprobe oder eben auch aus Leichtsinn von einer Brücke in den Fluss oder von einem Ast kopfüber in einen Badesee oder in einen Gartenteich, wo die Gefahren gar nicht so vermutet werden. Sehr oft ist dabei Alkohol im Spiel. »Alkohol erhöht die Risikobereitschaft und führt schnell zu übermütigem und leichtsinnigem Verhalten«, sagt Christopher Spering, Unfallchirurg an der Universitätsmedizin Göttingen.

Was sind meist die Folgen?

Besonders tragisch ist die sogenannte Tetraplegie. Dabei können Patienten wegen einer Fraktur der Halswirbel und einer daraus resultierenden Rückenmarksverletzung beide Arme und Beine gar nicht mehr oder allenfalls noch eingeschränkt bewegen. Im schlimmsten Fall kann der Betroffene dann nicht einmal mehr selbst atmen.

Gibt es Spezialkliniken für solche Fälle von Wirbelverletzungen?

Bundesweit gibt es mehr als zwei Dutzend auf Wirbelverletzungen spezialisierte Zentren, das größte davon in Hamburg mit rund 130 Behandlungsplätzen. Die Betroffenen werden in den Zentren umfassend versorgt, von der Akutphase über die weiterführende Rehabilitation bis zur lebenslangen Nachsorge. Eine 2017 veröffentlichte Studie bezifferte einmal allein die Kosten für die medizinische Erstversorgung einer schweren sogenannten Hochquerschnittlähmung durch einen Sprung oder Sturz ins Wasser pro Patient auf sage und schreibe mindestens 200 000 Euro.

Welche Regeln sollten beim Badeausflug unbedingt beachtet werden?

Die Unfallexperten raten: Nie in unbekannte Gewässer springen. Es sollte geprüft werden, wie tief das Wasser hier ist. Dabei ist zu beachten, dass die Sichttiefe durch trübes Wasser beeinträchtigt sein kann. Zudem schwanken Wasserstände bei Hitze. Auf Kopfsprünge sollte besser ganz verzichtet werden. Keiner sollte sich auf sogenannte Mutproben einlassen. Zudem sollte beim Baden auf Alkohol strikt verzichtet werden. Auch die Deutsche Stiftung Querschnittlähmung will mit ihrer Präventionskampagne »no risk - no fun?« für die Gefahren sensibilisieren. AFP/nd

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