Auf den Punkt

Luisa Neubauer rettet nicht nur das Klima, sondern auch so manche Talkshow

  • Von Birthe Berghöfer
  • Lesedauer: 3 Min.
Luisa Neubauer: Auf den Punkt

Wenn die Klimaaktivistin Luisa Neubauer in den Talkshows von Markus Lanz, Anne Will oder Maybrit Illner auftritt, dann kann man sich danach auf eine Sache verlassen: Dass die Mitorganisatorin der Fridays for Future-Demonstrationen unter dem Hashtag Neubauer beleidigt und als Lügnerin dargestellt, aber auch gefeiert und gelobt wird. So auch nach der neuesten Lanz-Folge vom 21. Juli.

»Überhebliche Nervensäge«, »Quacksalberin« und »verwöhntes Kind« ist am Tag darauf auf Twitter zu lesen. Wer durch eine Menge Hasskommentare scrollt, findet aber auch gehaltvollere Kommentare, wie die des Aktivisten René Engel: »Dass #Neubauer nach der #Lanz Sendung trendet, ist ein verlässlicher Indikator dafür, dass dort die Heuchelei der konservativen Klimapolitik so schonungslos aufgedeckt wurde, dass es eben wehtut. Schade für Union und FDP, dass dieser Frau niemand das Wasser reichen kann.«

In der Tat erklärte Neubauer in der Sendung, dass die Bundesregierung Teil des Projekts Klimakrise sei. »Man tut nicht das, was getan werden müsste, um die Klimakrise langfristig abzuschwächen.« Vielmehr verhalte man sich im Kern so, als könnte uns der Klimawandel nichts anhaben, so Neubauer weiter. Und auch das bei der Union so beliebte Argument, Klimaschutz sei eben nicht immer mit dem Erhalt unseres Wohlstands vereinbar, entlarvt Neubauer als Denkfehler: »Was wir nun gesehen haben, ist, dass Wohlstand, der über Jahrzehnte angereicht wurde, Infrastruktur die teilweise jahrhundertealt ist und Kriege überlebt hat, innerhalb weniger Stunden komplett zerstört wurde«, erklärt sie mit Blick auf die Hochwasserkatastrophe im Westen Deutschlands. Klar ist: Die Klimakrise wird um einiges teurer werden, als es der seit Langem dringend notwendige Klimaschutz.

Und in der Tat bekommt man den Eindruck, dass dieser Frau niemand das Wasser reichen kann. Denn die 25-Jährige tritt nicht nur prominent für die Umwelt ein, sondern vor allem eloquent. Mit klaren Worten, präzisen Formulierungen und unaufgeregtem Auftreten zeigt Luisa Neubauer eine Professionalität, von der sich so manch ein*e Politiker*in etwas abschneiden sollte - und bringt damit endlich frischen Wind in das dick verstaubte TV-Format Talkshow. Es sind auch Auftritte, die sie zum Vorbild für jüngere Generationen machen dürften.

Wie eine Studie der TU Chemnitz untersucht hat, waren beim ersten weltweiten Klimastreik im März 2019 fast 70 Prozent der 1,6 Millionen Protestierenden weiblich. Diese Mädchen, Teenagerinnen und jungen Frauen erleben mit Neubauer, dass ihr Wissen wichtig ist und ihre Meinung gehört wird. Selbstbewusst aufzutreten und auch mal einem alten, männlichen Polit-Gast zu widersprechen, ist eben nicht nur anderen alten Männern vorbehalten!

Das zeigt die Klimaaktivistin, wenn sie Armin Laschet bei Anne Will sagt, dass er »rassistische, antisemitische, identitäre und wissenschaftsleugnerische Inhalte, verkörpert durch Hans-Georg Maaßen«, legitimiere. Mit anderen Worten: dass der Kanzlerkandidat im Umgang mit seinem rechten Parteikollegen versagt. Oder wenn Neubauer Friedrich Merz bei Lanz darauf hinweist, dass er »mandatspolitisch gesprochen überhaupt nichts« sei. Ist nun mal ein Fakt.

Fakt ist auch: Es braucht mehr solcher kompetenten, klugen und selbstbewussten Frauen in der Öffentlichkeit. Im Fernsehen, in der Politik, aber auch in Unternehmensvorständen. Nicht nur die zahlreichen klimapolitischen, sondern auch feministische und antirassistische Bewegungen zeigen, dass es diese Frauen bereits gibt. Und zwar in einer Diversität, die dem TV-Format Talkshow weiteren frischen Wind verschaffen dürfte.

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