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Die absolute Allgemeinheit

Was der Lasch-o-mat uns über den Wahlkampf lehrt

  • Von Fabian Hillebrand
  • Lesedauer: 3 Min.

Was sagt Armin Laschet eigentlich zur sympathischsten Zeitung Deutschlands, dem »nd«? Und wie findet er es, das diese sich momentan doch in einer vertrackten finanziellen Lage befindet? Wenn wir ihn fragen würden, wäre kaum eine Antwort zu erwarten. Für solche Fälle wurde der Lasch-o-mat erfunden.

Die Website benutzt einen Zufallsgenerator, um aus Hohlphrasen, mit denen Laschet in der Vergangenheit seine Interviews befüllt, neue Aussagen zu erzeugen. Sätze also, die Laschet so nie gesagt hat, aber gut gesagt haben könnte.

Das Tool verlangt ein Wunschthema, um dann ein Zitat auszuspucken. Beispiel gefällig: »Wir müssen die Krise des ›nd‹ als Chance sehen und nicht als Bedrohung. Wir werden sehr bald ein Konzept dazu beschließen. Es wird kein ›Weiter so‹ geben, weil eine neue Zeit vor uns liegt.«

Der Lasch-o-mat hat vergangene Woche Beschwingtheit in den sozialen Medien ausgelöst. Von Hundewelpen (»die Politik muss Lösungen finden, aber ohne China und Russland geht es nicht«) bis zu Männern in Cargohosen (»ein wichtiges Thema, aber das Problem lässt sich nicht von heute auf morgen lösen, schon gar nicht nur aus Deutschland«) - zu allem wollten Menschen die Meinung von Armin Laschet wissen, um sie dann mit anderen zu teilen.

Die Website, die das möglich macht, wurde von einem Unternehmen aus Mainz aufgesetzt, das sich auf Online-Marketing versteht. Die Idee, durch das Mischen beliebiger einzelner Satzfetzen neue Bedeutungen zu kreieren, ist dabei keineswegs neu. Sie findet sich in Form von papiernen Generatoren auf jeder zweiten bürgerlichen Toilette. Was ist also das Faszinierende am Lasch-o-mat?

Vielleicht legt er bloß, was Armin Laschet immer war: ein öffentlich um absolute Allgemeinheit bemühter Politiker. Einer, der sich scheut, zu lange in eine klare und fundierte Position zu investieren, weil er weiß, dass Bindung Risiko birgt.

Auf der anderen Seite zeigt der Erfolg des Lasch-o-mats ein vermeintliches Bedürfnis genau danach: Klarheit. Das zeigt sich im Wunsch nach der Zeit, in der wahlweise Politiker, Sänger oder Fußballspieler noch echte »Typen« waren, die mit echten und »kernigen« Aussagen durch die Welt gepoltert sind. Nur »vermeintlich« ist der Wunsch nach Kantigkeit aber deshalb, weil gleichzeitig jedes Poltern, jeder falsche Schritt in diesem Wahlkampf betraft wurde. Zwar wirken Fehler in der Kommunikationsstrategie der Grünen grob unprofessionell - man erzählt sich, entscheidendes Personal des Wahlkampfteams sei zu Beginn der Vorwürfe gegen Annalena Baerbock schlicht im Urlaub gewesen. Angesichts der Verheerungen der Klimakatastrophe scheint sich die öffentliche Debatte aber an Dingen aufzuhängen, die getrost als Nebenschauplätze bezeichnet werden können.

Sagt die Popularität des Lasch-o-mats also etwas über das Wesen des aktuellen Wahlkampfes aus, gar über die Verfasstheit der Gegenwart, über die aufgeregte Betriebsamkeit unserer Zeit, die meist am Wichtigen vorbeihetzt? Vielleicht. Vielleicht ist er auch schlicht lustig. Wüssten Sie, ob Laschet diese verbale Stanze über den Wahlkampf wirklich so gesagt hat:

»Deutschland steht vor einem Epochenwechsel und wir sollten zurückkommen zur Sachdebatte. Ich finde nicht, dass man den Gegner persönlich attackieren sollte, sondern in der Sache hart streiten sollte. Das ist mein Stil und den will ich beibehalten.«

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