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Am Ende nichts gelernt

Daniel Lücking zur Lage in Afghanistan

  • Von Daniel Lücking
  • Lesedauer: 2 Min.

Der selbst ernannte Weltpolizist zieht aus Afghanistan ab. 3000 US-Soldaten sichern die Evakuierung der verbliebenen US-Bürger, die selbstverständlich keine Evakuierung sein soll. Auch handele es sich nicht etwa um einen vollständigen Rückzug. Die Afghanen müssten nun »selbst kämpfen, um ihren Staat kämpfen« äußerte US-Präsident Joe Biden bei der Verteidigung des US-Abzugs am vergangenen Dienstag im Weißen Haus in Washington. Ein letztes Aufbäumen und der Anspruch auf die Deutungshoheit. Zynischer geht es nicht.

Die Afghan*innen sollen ein Staatskonstrukt verteidigen, das ihnen die westlichen Staaten mit reichlich finanzieller Unterstützung schmackhaft gemacht haben, welches aber nicht im Land und aus den Bedürfnissen der Bürger*innen selbst entstanden ist. Mehr noch: Weil kein Ziel im Vordergrund stand, sondern primär möglichst wenig Geld ausgegeben werden sollte, gab man sich zwei Jahrzehnte an viel zu vielen Stellen im Land mit Lösungen zufrieden, die ganz objektiv nicht funktionieren.

Eine unterfinanzierte Polizei wurde geduldet und der Korruption damit Tür und Tor geöffnet. Helikopter wurden an das afghanische Militär geliefert, die aber nach dem Abzug nicht mehr gewartet werden können, weil die US-Firma aus Sicherheitsgründen gleich mit abgezogen wird. Stets wurden diejenigen finanziert, die versprachen, den Militäreinsatz zu stützen. Nun steht der Westen vor dem, was er selbst geschaffen hat. In den 1980er-Jahren mit der Aufrüstung der Kämpfer gegen die Sowjets. In den Jahren nach dem 11. September 2001 mit der oberflächlichen und nicht nachhaltigen Alimentierung des gesamten Landes.

Hätte es je eines Beweises bedurft, dass die US-Interventionspolitik und mit ihr die Nato-Strategie nicht aufgehen können: Jetzt ist dieser sichtbar und wird mit afghanischen Leben bezahlt. Gewonnen hat diesen Krieg niemand. Daraus gelernt hat aber wohl auch niemand.

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