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Tanzsaal statt Schwimmhalle

Hubertusbad in Berlin-Lichtenberg soll bald wieder öffnen - nach 30 Jahren Leerstand saniert, wird es zu einer Eventlocation

  • Von Tomas Morgenstern
  • Lesedauer: 3 Min.
Wo ursprünglich Frauen schwammen, befindet sich nun eine »Eventfläche« mit Parkett.
Wo ursprünglich Frauen schwammen, befindet sich nun eine »Eventfläche« mit Parkett.

Not macht erfinderisch. Aber wenn die BIM Berliner Immobilienmanagement GmbH die Lichtenberger zum Tag des offenen Denkmals einlädt, um mit ihr gemeinsam die »Wiedereröffnung des teilsanierten Stadtbades Lichtenberg« zu feiern, dann hat das schon etwas von einem Etikettenschwindel. Denn was die Besucher am Sonntag in dem maroden Gebäude zu sehen bekommen, sind zum einen die bisherigen Ergebnisse einer ersten, seit zwei Jahren laufenden Bauphase. Und es entsteht dabei eben kein saniertes Schwimmbad, sondern eine erste »Eventfläche«, die aber erst Anfang 2022 tatsächlich eröffnet werden soll. Mit Wasser jedenfalls soll das an der Hubertusstraße 47 gelegene »Hubertusbad« künftig gar nichts mehr zu tun haben.

Man sei, wie Marlen Zielke vom BIM-Marketing am Donnerstag bei einer Führung durch das 1928 eröffnete Stadtbad Lichtenberg erklärte, ein wenig durch Corona ausgebremst worden. Die geplante Eröffnung des Hubertusbades gehe faktisch zum Tag des offenen Denkmals in die erste Runde. Phase eins der Sanierung, für die fünf Millionen Euro eingeplant sind, gilt der »kleinen« Frauenschwimmhalle.

Gewiss haben die Bauleute die gröbsten, nach Jahren des Leerstands eingetretenen Schäden behoben, dabei aber gemäß den Denkmalschutzauflagen so viel wie möglich vom Originalzustand erhalten, wie sich an den geschundenen Wänden, Geländern, an Inschriften, alten DDR-Imbissautomaten und den zahllosen Umkleidekabinen zeigt. Die einstige Schwimmhalle selbst wird aber künftig als »Eventfläche« für 200 Gäste zu buchen sein. Das 20-Meter-Becken ist verschlossen und trägt einen Parkettboden.

In einer zweiten Bauphase soll dann auch die größere, noch original erhaltene »Männerschwimmhalle« einen Tanzboden für bis zu 400 Gäste erhalten. Bis 2026 sollen der Ausbau und die Fassadenerneuerung abgeschlossen sein. Die Gesamtkosten schätzt Zielke auf 28 Millionen Euro. Für einige der zahlreichen leerstehenden Räumlichkeiten in den oberen Geschossen haben sich bereits der Bezirk Lichtenberg und auch die BIM als künftige Nutzer zu erkennen gegeben.

Im Prinzip sind die Zukunftsaussichten für das einstige Hubertusbad den Menschen im Bezirk Lichtenberg schon recht lange bekannt: Eine Schwimmhalle für die Anwohner, für das Schul- und Rentner-Schwimmen, wird es dort nicht mehr geben. Und das, obwohl der Bedarf in dem wachsenden Bezirk riesig wäre. Doch der Kampf verschiedener Bürgerinitiativen und auch des Fördervereins Hupe e.V. für eine Wiederherstellung des Volksbades als Schwimmhalle für jedermann blieb erfolglos. Das denkmalgeschützte, aber hoffnungslos verfallene Bad wird als Gebäude erhalten, aber einer neuen Nutzung zugeführt. »Das Hubertusbad soll ein vielfältig genutzter Ort für das umliegende Quartier sowie für ganz Berlin sein«, erläutert BIM-Geschäftsführerin Birgit Möhring. Geplant sei die Nutzung für Kunst- und Kulturveranstaltungen, Soziales und Verwaltung. Die BIM als Eigentümervertreterin vermiete sowohl kurzzeitig oder befristet Teilflächen als auch dauerhafte Arbeitsräume.

Seit der Übernahme 2001 durch den Liegenschaftsfonds, der später mit der BIM fusioniert ist, befindet sich das Hubertusbad im Eigentum des Landes. 2016 veranlasste die BIM eine Machbarkeitsstudie zur Nutzung. Die Ideensuche für eine temporäre Nutzung und schrittweise Wiederöffnung des Bades sei gemeinsam mit dem Bezirksamt erfolgt, betont die BIM. Hunderte Ideen von Bürgern seien 2017 beim »Fest der Ideen« und ab 2019 in einem Beteiligungsverfahren eingegangen. Eine Wiederbelebung des Schwimmbetriebes habe sich aber als nicht umsetzbar erwiesen. »Die Kosten für eine Sanierung als Schwimmbad sind immens, die Kosten für einen täglichen Betrieb sehr hoch. Es gab tatsächlich keine Investoren, die für das Bad interessiert haben«, erklärte Marlen Zielke. Für weitere Ideen sei man offen.

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