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Die rechte AfD spielt für Kids so gut wie keine Rolle

Kinder und Jugendliche in Berlin und Brandenburg wählen ganz anders als Erwachsene

  • Von Claudia Krieg
  • Lesedauer: 3 Min.
Zusammen halten, zusammen wählen - auch wenn die Stimme noch nicht zählt. Wähler*innen bei der U18-Wahlparty in Marzahn-Hellersdorf.
Zusammen halten, zusammen wählen - auch wenn die Stimme noch nicht zählt. Wähler*innen bei der U18-Wahlparty in Marzahn-Hellersdorf.

»Whoop, whoop – eure Stimmen werden gerade gezählt«, so steht es ganz oben auf der Homepage von u18.org, und die Ergebnisse werden mit großer Spannung erwartet. Bis 12 Uhr an diesem Montag läuft noch die Stimmenabgabe, dann wird ausgezählt, wie Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 17 Jahren in Berlin, Brandenburg und bundesweit ihre Stimmen vergeben würden – wenn sie sich an den Wahlen beteiligen könnten.
Schon zwei Wochen vor den Superwahlen in Berlin haben sie daher in Schulen und Jugendfreizeiteinrichtungen mit der U18-Wahl begonnen. Wahlentscheidend sind sie für das Votum am 26. September nicht, aber es sind die zukünftigen Wähler*innen, die sich mit Ernsthaftigkeit und großem Interesse der Frage widmen, wer ihre Anliegen politisch vertritt. Und es werden immer mehr: Mehr als doppelt so viele junge Menschen haben sich im Vergleich zu den U18-Wahlen bei der letzten Bundestagswahl vor vier Jahren beteiligt.

Bisher sind 256 783 Stimmen ausgezählt. »Das ist ein Rekord«, sagt Frauke Groner vom Kinder- und Jugendbeteiligungsbüro Marzahn-Hellersdorf (Kijube) am Montag zu »nd«. In Marzahn-Hellersdorf wurden bis Montag 5000 Stimmen für die U18-Bundestagswahl und etwa 2000 für das Abgeordnetenhaus ausgezählt. Warum die U18-Wahl als Projekt so groß geworden ist? Das habe viele Ursachen, meint Groner. Bewegungen wie Fridays for Future, Black Lives Matter und andere Initiativen hätten ein Bewusstsein über die fehlenden Mitbestimmungsmöglichkeiten junger Menschen ausgelöst.

»Kinder und Jugendliche wählen themenbezogen«, erklärt die Kijube-Mitarbeiterin. Tier- und Umweltschutz sei für die meisten eine sehr wichtige Sache, weshalb beispielsweise die Tierschutzpartei, die bei den Erwachsenen kaum eine größere Rolle spielt, bei den Kids durchaus eine politische Kraft wäre. »Grundsätzlich liegen bei den bundesweiten U18-Wahlen die Grünen vorn«, erklärt Groner. Das ist in Berlin nicht anders, hier fuhr die Ökopartei bei den Wahlen zum Abgeordnetenhaus über 25 Prozent der Stimmen ein. Dahinter liegt die SPD mit über 21 Prozent, dann kommen bereits die sonstigen Parteien mit über 17 Prozent. CDU und Linkspartei liegen relativ nah beieinander mit jeweils etwa 12 Prozent. Die rechte AfD taucht in dem Ergebnis von u18.org gar nicht auf.

Das ist in Brandenburg anders. Hier erhielt sie 13,51 Prozent der U18-Stimmen, teilte der Landesjugendring mit. Auch hier nehmen immer mehr junge Menschen an den Wahlen teil – so gab es 44 Wahllokale und 1410 Stimmen mehr als noch vor vier Jahren. Genau 10 882 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren haben hier anlässlich der Bundestagswahl 2021 bis zu diesem Wochenende ihre Stimme abgegeben. In brandenburgweit 136 Wahllokalen wurde dabei wie folgt abgestimmt: Die SPD erhielt 18,04, die CDU 14,94 Prozent, gefolgt von der AfD. Die Grünen und die Tierschutzpartei sind mit 10,92 Prozent sowie 10,91 nahezu gleichauf, knapp gefolgt von der FDP (10,29 Prozent). Die Linke bildet bei den jungen Menschen das Schlusslicht mit 8,14 Prozent.

Auch in Marzahn-Hellersdorf erhalten die Sozialist*innen von den jungen Menschen nicht allzu viele Stimmen. »Viele der Jugendlichen sind links inspiriert, aber nicht so links wie ihre Eltern oder Großeltern, die hier traditionell Die Linke wählen«, erklärt Frauke Groner. Daher erscheine vielen jungen Menschen die SPD »frischer«; sie erhielt hier dementsprechend die meisten Stimmen (20 Prozent vor 9 Prozent Linkspartei). Die rechte AfD, die möglicherweise bei den Wahlen die stärkste Kraft im Bezirk werden könnte, bekam von den Kids nur 7 Prozent.

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