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Die Erderwärmung führt zusammen

Bei der UN-Generaldebatte versprechen die Präsidenten der USA und Chinas, mehr gegen den Klimawandel zu unternehmen

  • Von Alexander Isele
  • Lesedauer: 3 Min.
Xi Jinping bei der UN-Generaldebatte
Xi Jinping bei der UN-Generaldebatte

Mit Bekenntnissen zu internationaler Zusammenarbeit und der Bekämpfung des Klimawandels hat die diesjährige Generaldebatte der UN-Vollversammlung in New York am Dienstag begonnen. Im Mittelpunkt standen die Reden der Präsidenten der USA und China, Joe Biden und Xi Jinping. Letzterer überraschte mit der Ankündigung, dass China im Kampf gegen die Erderwärmung keine Kohlekraftwerke mehr im Ausland bauen will. »China wird seine Unterstützung für andere Entwicklungsländer bei der Entwicklung von grünen Energien und Energien mit einem geringen CO2-Ausstoß verstärken und keine neuen Kohlekraftwerke im Ausland bauen«, so Xi in einer aufgezeichneten Rede, die per Video abgespielt wurde. Chinas Staatschef versprach darin auch, die Bemühungen der Volksrepublik, des weltweit größten Emittenten, zu beschleunigen, um bis 2060 kohlenstoffneutral zu werden.

Weltweit ist China bei weitem der größte Geldgeber für Kohleprojekte in Entwicklungsländern wie Indonesien, Vietnam und Bangladesch. Die Ankündigung Xis folgt auf ähnliche Schritte von Südkorea und Japan, den einzigen anderen Ländern, die in der jüngsten Vergangenheit ebenfalls erhebliche Mittel für Kohleprojekte bereitgestellt haben.

Die Klimabewegung 350.org bezeichnete Xis Ankündigung in einem Statement als »gewaltig« und sagte, sie könne ein »echter Wendepunkt« sein, je nachdem, wann sie in Kraft trete. Helen Mountford, Vizepräsidentin für Klima und Wirtschaft am World Resources Institute, sprach in einem Statement von einem »historischen Wendepunkt weg vom schmutzigsten fossilen Brennstoff der Welt«. Sie erinnerte allerdings daran, dass private Investoren ähnliche Verpflichtungen eingehen müssten. Und sie wies auch darauf hin, dass China selbst immer noch auf Kohle setzt und dessen Kohleindustrie, genau wie die der USA, großen politischen Einfluss hat. Tatsächlich sind von Xis Ankündigung Investitionen in Kohlekraftwerke innerhalb der Volksrepublik nicht betroffen. Im vergangenen Jahr sind dort Kohlekraftwerke mit einer Gesamtkapazität von 38,4 Gigawatt ans Netz gegangen. Laut einem Bericht der Expertengruppe Carbon Tracker vom Juni plant das Land zudem 368 neue Kraftwerke mit einer Kapazität von 187 Gigawatt.

Sechs Wochen vor der UN-Klimakonferenz im November in Glasgow versprach auch US-Präsident Joe Biden mehr Anstreungen seines Landes beim Thema Klimawandel. In seiner Rede vor der UN-Vollversammlung kündigte Biden deutlich mehr Anstrengungen bei der Finanzierung von Klimahilfen für ärmere Staaten an. Sein Land werde den Beitrag verdoppeln, so Biden. Das werde die USA zu einem Vorreiter bei den internationalen Ausgaben für den Klimaschutz machen. Laut Experten handelt es sich um rund 11,4 Milliarden Dollar (9,72 Milliarden Euro) jährlich, Biden nannte keine Zahl.

Biden hat bei seiner ersten Rede vor der UN-Vollversammlung auch eine neue Ära der Diplomatie ausgerufen und sich zur internationalen Zusammenarbeit bekannt. »Während wir diese Zeit des unerbittlichen Krieges beenden, eröffnen wir eine neue Ära der unerbittlichen Diplomatie«, sagte Biden mit Blick auf das Ende des Militäreinsatzes in Afghanistan. Biden stellte auch klar, dass die USA keinen Konflikt mit China suchten, sondern harten Wettbewerb. »Wir streben keinen neuen Kalten Krieg an.« Er betonte, sein Land wolle weiter eine Führungsrolle einnehmen, aber gemeinsam mit Partnern. Nie zuvor sei internationale Zusammenarbeit so wichtig gewesen wie heute.

UN-Generalsekretär António Guterres zeigte sich ermutigt von den wichtigen klimapolitischen Ankündigungen der USA und Chinas, warnte jedoch, dass noch viel mehr getan werden müsse, um die Erderwärmung zu bekämpfen. Erst vergangene Woche hatte Guterres gewarnt, die Welt befinde sich auf einem Weg zu einer Erwärmung um 2,7 Grad Celsius, wie eine neue Studie von UN-Wissenschaftlern ergab. Diese Zahl würde die Temperaturziele des Pariser Klimaabkommens sprengen, das eine Erwärmung von deutlich unter zwei Grad und vorzugsweise eine Begrenzung auf 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau vorsieht.

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