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Täve wieder dabei!

Beim GutsMuths-Rennsteiglauf am 2./3. Oktober ist Gustav-Adolf »Täve« Schur erneut Ehrenkapitän der nd-Mannschaft

  • Von Michael Müller
  • Lesedauer: 4 Min.

»Hab ich euch doch gesagt: Wenn ihr mich wieder mal ruft, bin ich da.« So Gustav-Adolf Schur an das nd-Rennsteiglaufteam, dessen Ehrenkapitän er bereits zum vierten Mal sein wird. »Täve« also wieder, zweifacher Straßen-Radweltmeister sowie zweifacher Friedensfahrtsieger, bis heute die Sportlegende der DDR. Vor gut einem halben Jahr ist er 90 geworden.

»Klasse, dass ihr da weiterhin mit einer Mannschaft dabei seid. Denn das, wofür der Rennsteiglauf steht, wird immer aktueller«, meint er mit Nachdruck und lenkt das sportliche Gespräch gleich mal flott in eine weite politische Kurve. »Laufen und Gehen machen den Blick frei auf Natur und Umwelt. Man spürt, was man an ihnen hat und an ihnen verlieren kann.« Ihm werde das immer klarer, wenn er die globale Gegenwart betrachte. Klar, äußerlich gehe es beim Rennsteiglauf »um Spaß am Sport, um Erfolgserlebnis, ums Fitsein«. Es schwinge aber zunehmend auch etwas vom Geist der Fridays-for-Future-Bewegung mit, die er sehr begrüße. »Sich bodenständig in der Natur zu bewegen, macht Lust, sie auch zu schützen und zu bewahren.«

Das mag für manche lediglich nach Altersweisheit klingen. Doch die kennen Täve nicht. Möglicherweise kommen sie aus der allerjüngsten Generation oder stammen nicht aus der DDR. Er war immer so. Ohne diesen klaren Blick auf die Lage, ohne diese spurtschnelle analytische Auffassungsgabe wäre dieser Schur in seiner Jugend nämlich nie dieser geniale Straßenrenner geworden. Trotz allen Trainierens, trotz aller Förderung nicht. 1989, 25 Jahre nach dem Ende seiner Laufbahn, hat man ihn dann zum populärsten und besten Sportler der DDR aller Zeiten gewählt.

Das ruft bei bestimmten Leuten beständigen Neid, ja Hass hervor. Schur habe sich als »politisches Aushängeschild« der DDR hergegeben, tragen sie ihm nach. Deshalb diskreditierten sie ihn später ausgiebig, als er zur PDS-Fraktion im Bundestag gehörte. Etwa mit Zwischenrufen wie »Schon wieder diese DDR-Propaganda« oder »Dopingstaat soll die Klappe halten«. Deshalb boykottieren sie bis heute seine Aufnahme in die »Hall of Fame« des deutschen Sports. »Der da drin, bedeute diese Ex-DDR letztlich doch noch als Staat zu legitimieren«, heißt es bis heute kaum verhohlen aus Kreisen des Bundesinnenministeriums.

Doch Täve, der Mann mit den schnellen Beinen und dem klugen Kopf, hat sich davon nie unterkriegen lassen. Stattdessen meist treffend und kess reagiert. Wenn es passte, auch diplomatisch bis schlitzohrig. Übrigens bereits in der DDR, wo er viele Jahre als Mitglied in der Volkskammer saß.

So war er 1977 auch einmal beim Rennsteiglauf-Supermarathon gestartet. Er hatte erleben wollen, »wie sich dieses Abenteuer anfühlt, warum es diese Zugkraft entwickelt«. Wohl wissend, dass die DDR-Sportführung diese Basisinitiative Rennsteiglauf zunehmend skeptisch betrachtete. Einerseits hat ihm das aus Berlin einen Rüffel eingebracht. Andererseits mag seine Prominenz denen Mut gemacht haben, die nun den Lauf immer besser zum Laufen brachten. Und zwar mit zunehmender regionaler Unterstützung. Von den örtlichen Sportvereinen und Freiwilligen Feuerwehren bis zur Verkehrspolizei, zu Forstämtern und Schulen.

Übrigens sei er nach diesem Lauf »so kaputt wie nie gewesen«, erinnert sich Täve heute noch mit Grausen, »völlig dehydriert, nicht fähig, die Treppe runterzugehen.« Ganz so schlimm scheint es aber dann doch nicht gewesen zu sein. Nachmittags setzte er sich ins Auto und fuhr nach Prag. Er war zur feierlichen abendlichen Friedensfahrt-Siegerehrung eingeladen. »Und da stand ich eben fest im Wort.«

Fest im Sattel sitzt Täve heute noch. »In der Woche mit dicken Reifen, sonntags 50 Kilometer mit dem Rennrad.« Sicher hält auch das ihn fit, um zu Hause weiterhin gelegentlich die Leiter acht Meter hochzuklettern, um die Dachrinnen zu säubern.

Auf eine Bundestags-Wahlempfehlung angesprochen, zögert er keinen Moment: »Wählt am besten die Partei, die sich seit ihrer Gründung vor gut 30 Jahren immer strikt für Frieden einsetzt. Mit Kriegstreiberei und Krieg in der Welt, droht letztlich alles nichts zu werden.« Um wahlfit zu sein, reiche es übrigens nicht, nur vor der Glotze zu sitzen, fügt er hinzu, »deshalb hab ich ›nd‹ und ›Junge Welt‹ abonniert.«

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