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Monokulturen bringen’s nicht

Indien: Aufforstung nutzt weder der Artenvielfalt noch der Umwelt oder der lokalen Bevölkerung, wenn nur eine Sorte Baum angepflanzt wird

  • Von Norbert Suchanek
  • Lesedauer: 3 Min.
Monokulturen schaffen kaum Räume für Biodiversität.
Monokulturen schaffen kaum Räume für Biodiversität.

Umweltschutz- und Menschenrechtsorganisationen wie das World Rainforest Movement und die Global Forest Coalition ziehen seit Jahrzehnten gegen großflächige Aufforstungen mit Monokulturen zu Felde, weil diese oft zu Landvertreibung und Umweltschäden wie Artenverlust führten. Eine neue Studie eines zwölfköpfigen internationalen Wissenschaftlerteams, erschienen kurz vor dem Internationalen Tag gegen Baumplantagen am 21. September, gibt ihnen nun Rückenwind.

Die am 13. September in »Nature Sustainability« veröffentlichte Forschungsarbeit »Limited effects of tree planting on forest canopy cover and rural livelihoods in Northern India« untersuchte die Folgen staatlich durchgeführter Aufforstungen im Kangra-Distrikt von Himachal Pradesh in Nordindien. Anhand von Satellitendaten maßen die zwölf Wissenschaftler von Forschungsinstituten aus den USA, Schweden und Indien zum einen die Kronendachbedeckung in der Region vor den Aufforstungsmaßnahmen und danach. Zum anderen befragten sie die Bevölkerung vor Ort.

»Wir haben eine Kombination aus Fernerkundung, Haushaltserhebungen und umfangreichen Bodenuntersuchungen angewandt, um über 400 Baumplantagen, die zwischen 1980 und 2017 gepflanzt wurden, zu kartieren und die Veränderungen der Landbedeckung und die Auswirkungen der Plantagen auf die Lebensgrundlage von 2400 Haushalten in der Region zu bewerten«, erläutert Studien-Co-Autor Forrest Fleischman.

Die Untersuchung ergab, dass groß angelegte Baumpflanzungen die Waldbedeckung weder erhöhten noch zum Lebensunterhalt der lokalen Bevölkerung in der untersuchten Region signifikant beitrugen. Stattdessen veränderte die Aufforstung lediglich die Baumzusammensetzung - weg von breitblättrigen Baumarten, die von der lokalen Bevölkerung traditionell für Viehfutter und als Brennholz genutzt werden, hin zu weniger nützlichen Nadelbaumsorten. Die in Himachal Pradesh gepflanzten Nadelbaumarten, hauptsächlich Pinus roxburghii, seien zwar einfach zu züchten, böten aber geringere Biodiversität und Lebensgrundlage für Tierwelt und lokale Bevölkerung als gemischte Laubbaumbestände.

»Nach Jahrzehnten kostspieliger Investitionen (von Seiten der indischen Regierung) fanden wir keine Beweise dafür, dass Baumpflanzungsprojekte in Nordindien erhebliche Vorteile für die CO2-Minderung oder die Unterstützung des Lebensunterhalts erbracht haben«, schreiben die Forscher in ihrer Studie. »Unsere Analyse zeigt, dass das Pflanzen von Bäumen in dieser Art eine ineffektive Strategie zur CO2-Minderung ist.«

Bäume zu pflanzen mag wie eine einfache Maßnahme erscheinen, um die Speicherung von Kohlenstoff zu erhöhen. In der Praxis könne Aufforstung jedoch mit bestehenden Landnutzungen in Konflikt geraten, insbesondere in dicht besiedelten Agrarlandschaften. »Im Großen und Ganzen wirft unsere Studie ernsthafte Fragen zu Indiens Baumpflanz- und Wiederaufforstungsprogrammen auf. Kangra ist natürlich einer von Hunderten von Distrikten in Indien, aber es gibt Gründe, dies als Best-Case-Szenario für das Pflanzen von Bäumen zu betrachten«, schreiben die Autoren der Studie. Landenteignung durch Baumpflanzprojekte, wovon aus anderen Teilen Indiens berichtet wurde, habe es in der Untersuchungsregion nicht gegeben. Weshalb die Forscher hier am ehesten erfolgreiche Aufforstungsprojekte erwartet hatten.

»Politische Entscheidungsträger und Befürworter von Holzplantagen sollten nicht davon ausgehen, dass Baumpflanzprogramme ihre Kohlenstoffbindungs- und Lebensgrundlagenziele effektiv erreichen«, so das Studienfazit. Weitere Forschungen seien notwendig.

Das heiße nicht, dass Bäume generell kein Hort für Biodiversität seien. Existierende Bestände müssten vielmehr erhalten werden. Der kürzlich von der Dachorganisation botanischer Gärten Botanic Gardens Conservation International vorgelegte »Bericht zum Zustand der Bäume der Welt« zeigt, dass von den bisher 58.497 weltweit bekannten Baumarten 17.510 - rund 30 Prozent - akut vom Aussterben bedroht sind. »In den letzten 300 Jahren ist die Waldfläche weltweit um etwa 40 Prozent zurückgegangen«, so der Bericht. Die meisten Baumarten seien durch Verlust von Lebensräumen und die Landwirtschaft bedroht. 29 Prozent der Holzgewächse seien durch die Flächenumwandlung für den Nutzpflanzenanbau bedroht. Durch Rodung zur Nutzholzgewinnung könnten 27 Prozent der Baumarten für immer verschwinden.

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