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Einzelhandels-Beschäftigte sind kampfwillig

Tarifverhandlungen in Berlin und Brandenburg stecken fest, das Angebot der Arbeitgeber sei nicht verhandelbar

  • Von Jörg Meyer
  • Lesedauer: 3 Min.
Mitarbeiter des Einzelhandels aus Berlin und Brandenburg Ende August während des dritten Warnstreiks in Folge am Neptunbrunnen in Mitte
Mitarbeiter des Einzelhandels aus Berlin und Brandenburg Ende August während des dritten Warnstreiks in Folge am Neptunbrunnen in Mitte

Beschäftigte des Berliner Einzelhandels legten am Donnerstag ganztägig die Arbeit nieder und trafen sich zur Streikkundgebung auf dem Breitscheidtplatz. Betroffen waren nach Angaben der Gewerkschaft Verdi Filialen von Edeka, Rewe, Kaufland, Galeria Kaufhof, Thalia, Ikea, H&M und Primark. In Lübbenau wurde das zentrale Auslieferungslager von Kaufland bestreikt, auch ein Rewe-Lager war Ziel des Arbeitskampfes. Seit Monaten läuft die Tarifrunde 2021 im Einzelhandel. In einigen Bundesländern konnten bereits Abschlüsse erzielt werden.

Verdi fordert für die rund 141.000 Beschäftigten im Berliner und 78.000 im Brandenburger Einzelhandel eine Erhöhung der Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungen um 4,5 Prozent plus 45 Euro mehr jeden Monat, außerdem einen Branchenmindestlohn von 12,50 Euro. Zudem will Verdi die Allgemeinverbindlichkeit der Tarifverträge durchsetzen. Streit gibt es über die Forderung nach einer kurzen Laufzeit von neun Monaten, damit kommende Tarifrunden in der Region synchron mit denen in anderen Bundesländern laufen würden. Das dürfte den Arbeitgebern ein Dorn im Auge sein, weil sich die Beschäftigten im Handel in der Vergangenheit immer wieder streikfähig und kampfwillig gezeigt hatten.

Im Angebot der Arbeitgeber vom 30. Juli sind nach Verdi-Angaben fürs laufende Jahr nur zwei Prozent mehr Lohn plus eine Einmalzahlung von 150 Euro und für 2022 weitere zwei Prozent Erhöhung vorgesehen. Allerdings nur für Unternehmen, die nicht pandemiebedingt schließen mussten. Ein großer Teil der Beschäftigten würde danach in diesem Jahr leer ausgehen. Lediglich bei der Laufzeit hätten die Arbeitgeber in der dritten Verhandlungsrunde Mitte September nachgebessert und eine Verkürzung von 36 auf 24 Monate angeboten. Für die Gewerkschaft ist das Angebot nicht verhandelbar.

»Die Stimmung schwankt von Fassungslosigkeit zu Wut«, sagte Conny Weißbach, Verhandlungsführerin und Vorsitzende des Verdi-Landesfachbereichs Handel am Rande der Kundgebung am Donnerstag. Hintergrund sei, dass der Einzelhandel im Jahr 2020 fünf Prozent mehr Umsatz gemacht habe, im Lebensmittelhandel waren es sogar acht Prozent. Währenddessen mussten die Belegschaften Überschichten schieben und waren permanent einem hohen Ansteckungsrisiko ausgesetzt. Dafür wollen sie jetzt Wertschätzung und ihren Teil am Gewinn sehen, lautet die Argumentation der Gewerkschaft.

Auf die Frage nach einem neuen Angebot sagt Günter Päts, stellvertretender Geschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg: »Es war in der Vergangenheit immer so, dass Abschlüsse aus anderen Bundesländern als Basis für die weiteren Verhandlungen genommen wurden.« Im Tarifabschluss in Hessen war die Differenzierung kein Thema mehr. »Das werden wir unter Berücksichtigung der Situation in Berlin und Brandenburg in die Verhandlungen einbeziehen«, so Päts. Der nächste Verhandlungstermin in Berlin und Brandenburg ist für den 19. Oktober angesetzt. Weitere Streiks sind laut Verdi nicht ausgeschlossen.

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