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Die Maske noch nicht wegwerfen

Die steigenden Inzidenzen werden sich auch in den Grundschulen widerspiegeln - der Stufenplan gilt weiter

  • Von Claudia Krieg
  • Lesedauer: 4 Min.
Mit oder ohne Maske nach den Herbstferien in den Unterricht? Die Lage kann sich an Berliner Grundschulen schnell wieder ändern.
Mit oder ohne Maske nach den Herbstferien in den Unterricht? Die Lage kann sich an Berliner Grundschulen schnell wieder ändern.

Der Herbst ist da. Wurden die Masken soeben noch aus dem Ferienrucksack ausgepackt, müssen sie gemäß dem Wegfall der Maskenpflicht an Berliner Grundschulen aber nicht zurück in den Schulranzen der Hauptstadtkinder, die am Montag in die Schulgebäude und Klassenräume zurückgekehrt sind. In diesen weht ab nun wieder Heizungs- statt Zugluft, die 7- bis 12-Jährigen sitzen ohne Mund-Nasen-Schutz in voller Klassenstärke zusammen.

Angesichts der steigenden Zahlen bei den Covid-19-Infektionen fühlen sich Eltern, Schüler*innen und Pädagog*innen zu Recht an die Situation vor einem Jahr erinnert, wenngleich sie bei Weitem nicht so dramatisch wirkt, denn innerhalb der vergangenen neun Monate haben zwei Drittel der über 12-jährigen Berliner*innen eine Immunisierung erhalten, die sie vor einem schweren Erkrankungsverlauf im Falle einer Ansteckung mit dem Coronavirus schützen soll. Auch dass die Schüler*innen nach wie vor zweimal wöchentlich auf eine Corona-Infektion getestet werden, bleibt eine erhaltenswerte Maßnahme, die zumindest verhindern soll, dass sich das Virus unter Umständen unbemerkt in Klassen und Schulen ausbreitet.

Aus Sicht von Norman Heise, dem Vorsitzenden des Landeselternausschuss (LEA), stellt sich die Lage als absolut gangbarer »Mittelweg« dar. Natürlich beobachte man die steigenden Zahlen mit Besorgnis, sagt Heise am Montag zu »nd«. Aber es gäbe nach wie vor einen Stufenplan, anhand dessen von Woche zu Woche geprüft werde, ob die geltenden Maßnahmen angemessen seien, gibt der Elternvertreter zu bedenken.

Der Stufenplan der Senatsbildungsverwaltung habe es bislang vermocht, die Polarisierung zwischen denjenigen Eltern, denen die Maßnahmen als nicht ausreichend, und denjenigen, die sie als zu stark einschränkend empfunden haben, zu vermitteln, meint Heise. Demnach wird die Einordnung der einzelnen Schulen in eine der Stufen - grün für den Regelbetrieb, gelb für den Wechselunterricht und rot für die De-facto-Schulschließung - jeden Donnerstag durch das Gesundheitsamt und die Schulaufsicht der Bezirke vorgenommen.

»Wir haben insgesamt in Berlin 800 Schulen, an jeder einzelnen davon muss individuell geschaut werden, wie die Lage ist«, spricht sich Heise dafür aus, keine pauschalen Maßnahmen zu ergreifen. »An der einen Schule ist schon eine Infektion besorgniserregend, an der anderen ist das erst bei drei der Fall«, so der LEA-Vorsitzende. Sicherlich sei eine Rückkehr zur Maskenpflicht denkbar, aber Heise rät davon ab, diese allgemeingültig zu handhaben. »Es müssen nicht alle Maske tragen«, findet er und nennt für die unterschiedlichen Bedingungen in Schulen beispielhaft die Bezirke Steglitz-Zehlendorf und Neukölln - die einen mit eher mehr, die anderen mit eher weniger Platz in den Klassenräumen.

Tom Erdmann, der für die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) die Pädagog*innen der Hauptstadt vertritt, wünscht sich dagegen eine Klärung auf höherer Ebene. Im besten Fall müsse in der Frage der Maßnahmen in den kommenden Wochen der Ethikrat entsprechende Empfehlungen aussprechen, findet Erdmann. Die Angelegenheit stellt sich in seinen Augen im Gegenteil nicht als individuell zu klärende dar. Seiner Ansicht nach muss hier der Bund ran.

»Ist es moralisch vertretbar, eine Durchseuchung unter den Kindern in Kauf zu nehmen?«, fragt Erdmann. Diese Debatte wurde und werde nicht geführt, findet der Gewerkschafter und spricht sich für einen »Umbruch« aus. Die Rückkehr zur Maskenpflicht, die an den Berliner Grundschulen eine Woche vor Beginn der Herbstferien fallen gelassen wurde, stellt für ihn eine Möglichkeit dar, den steigenden Inzidenzen in der Altersgruppe der unter 12-Jährigen zu begegnen. Natürlich müsse darauf zurückgegriffen werden, wenn die Infektionszahlen in den Schulen steigen. Es stehe natürlich längst nicht mehr infrage, wie sehr die Mund-Nasen-Bedeckung bestimmte Lernfortschritte behindern könne, erklärt der GEW-Vertreter, »aber wenn eine Klasse in Quarantäne gehen muss, entstehen andere Lernhindernisse«.

»Wenn ich selbst mit Grundschulkindern spreche, zeigen die sich in der Maskenfrage in der Regel völlig entspannt«, meint Erdmann. Erdmann hatte im Sommer den Stufenplan als mehr oder weniger chaotisch kritisiert. Die Einstufungen hätten keine Orientierung gegeben, Stufe grün zöge zwar ein »einzelfallbezogenes Infektionsgeschehen« in Betracht, aber es werde nicht festgelegt, was genau ein Einzelfall sei.

Die Inzidenz in Berlin lag am Montag laut Robert Koch-Institut bei 114,9. Vor einer Woche waren es noch 86,2 Fälle pro 100 000 Einwohner*innen. Bei den 5- bis 9-Jährigen lag die 7-Tage-Inzidenz zuletzt bei 186,5.

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