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Roboter an die Arbeit

Elektronisch gesteuerte Maschinen sind eine Stärke des Industriestandortes Europa

  • Von Hermannus Pfeiffer
  • Lesedauer: 4 Min.
Neben Industrieroboter spielen Serviceroboter, die teil- oder vollautomatische Dienstleistungen verrichten, eine immer wichtigere Rolle.
Neben Industrieroboter spielen Serviceroboter, die teil- oder vollautomatische Dienstleistungen verrichten, eine immer wichtigere Rolle.

Roboter erobern die Welt. Eine Vision, die ungezählte Science-Fiction-Romane seit dem 19. Jahrhundert erzählen. Die Wirklichkeit ist profaner. Weltweit sind gerade einmal drei Millionen Roboter im Einsatz und deren Zahl nimmt lediglich moderat zu.
Dies zeigt der neue »World Robotics Report«, der vor zwei Wochen in Frankfurt am Main von dem Internationalen Robotik Verband (IFR) in einer Videopressekonferenz vorgestellt wurde. Allerdings ist mit »Roboter« nicht der Sprachassistent auf dem Wohnzimmertisch oder der automatisierte Rasenmäher im Garten gemeint, sondern Maschinen, die zumindest teilweise autonom agieren und in Unternehmen eingesetzt werden.

Nachdem Roboterhersteller wie Yaskawa, Kuka und ABB lange von Absatzrekord zu Absatzrekord geeilt waren, gab es bereits vor Corona einen Durchhänger. Die Nachfrage hat sich nach dem Corona-Schock wieder erholt. »Doch die Hersteller können die Nachfrage nur schwer bedienen«, so der Robotik- Verband. Wie andere Maschinenbauer klagt die Branche über Rohstoff- und Chipmangel. Das klassische Einsatzfeld für Roboter findet sich in der Industrie. Hauptsächlich in Elektronikfabriken in Asien sowie im Automobil- und Maschinenbau in Europa bewegen Roboter Bauteile oder montieren Einzelteile am Fließband. Besonders teuer sind »Kollaborierende Roboter«, die Hand in Hand mit Personen zusammenarbeiten. Ein Beispiel: Ein Roboter hebt und positioniert ein schweres Werkstück, während eine Beschäftigte leichte Verbindungsstücke anschweißt.

Entsprechend sind die elektronisch gesteuerten Geräte vor allem in Ländern mit einer starken Industrie vertreten, allen voran in der Fabrik der Welt, in China. Von den 384.000 neuen Maschinen im vergangenen Jahr wurden allein 168.000 in der Volksrepublik installiert. Fast 100.000 wurden in Japan, Südkorea und Taiwan erstmals eingesetzt. In Europa (68.000) – und hier vor allem Deutschland – werden weit mehr Roboter eingesetzt als in den Vereinigten Staaten (39.000), das zwar in der Plattformökonomie im Internet stark ist, aber in klassischen Industriebranchen schwächelt.
Die relative Stärke Europas wird noch deutlicher, wenn die Zahl der Roboter auf jeweils 10.000 Beschäftigte umgerechnet wird. Von den Top-20-Ländern liegen dann 12 in Europa. China (246) schneidet bei diesem Vergleich nur mittelmäßig ab, weit hinter Deutschland (371) und Schweden (289), dessen Wirtschaft ebenfalls auf einem starken industriellen Kern basiert.

Milton Guerry, Präsident des 1987 gegründeten IFR, blickt trotz eines wechselhaften Corona-Jahres »inspiriert in die Zukunft«. Nach Jahren des Rückgangs bei Neuinstallierungen wird für 2021 ein Wachstum von 13 Prozent erwartet und im Jahr 2024 sollen bereits mehr als 500.000 neue Roboter ihre Arbeit verrichten.

Für seinen Optimismus nennt Guerry Gründe, die auch aus anderen Wirtschaftszweigen zu hören sind. Kurzfristig setzt die Branche auf den Nach-Corona-Aufschwung. In der mittel- und langfristigen Perspektive setzen sie auf einen weiteren Preisverfall der Geräte und auf neue technische Entwicklungen, etwa das maschinelle Lernen, das häufig unter dem Stichwort KI (»Künstliche Intelligenz«) läuft. Trends, auf die auch die deutschen Robotik-Spitzeninstitute, das Zentrum für Luft und Raumfahrt in Köln und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz in Kaiserslautern setzen. Für den US-Amerikaner Guerry steht aber ein anderer grundlegender Trend im Fokus, die De-Globalisierung. Nicht zuletzt durch die Corona-Erfahrungen beflügelt, werden Lokalisation und Regionalisierung in den Lieferketten zukünftig eine größere Rolle spielen.

Eine Entwicklung, die Ökonomen schon seit einigen Jahren beobachten. Firmen suchen die Nähe zu ihren Absatzmärkten, um passgenauer liefern zu können; Kunden kaufen regionaler, und viele Länder verlangen, dass Unternehmen weniger zu ihnen liefern, sondern vielmehr bei ihnen investieren und produzieren.

In Deutschland werden Roboter vor allem in der Automobilindustrie eingesetzt. Aber neben den traditionellen Industrierobotern spielen Serviceroboter eine immer wichtigere Rolle. Sie reinigen die Fußböden von Supermärkten, füllen die Regale in Warenlagern oder unterhalten Kunden an der Rezeption im Altersheim. In der Medizin kommen Roboter zunehmend in der individuellen Rehabilitation zum Einsatz, gewissermaßen als »menschlicher« Trainer und Übungsgerät in einem. Nach und nach verändern Roboter unsere Welt.

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