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  • Vierte Corona-Welle

Sportverbände fürchten den nächsten Lockdown

Trotz hoher Inzidenz fordert der DOSB eine Garantie für Bewegung im Freien, während Profiklubs ihre Fans nicht wieder ausschließen wollen

  • Von Jens Marx
  • Lesedauer: 4 Min.
Selbst wenn der nächste Lockdown kommen sollte, will der DOSB, dass Sport im Freien weiter möglich bleibt.
Selbst wenn der nächste Lockdown kommen sollte, will der DOSB, dass Sport im Freien weiter möglich bleibt.

An diesem Donnerstag werden Spitzenfunktionäre vom Fußball über Eishockey, Handball und Basketball bis zu den Breitensportverantwortlichen wieder gebannt auf die Ministerpräsidentenkonferenz schauen. An Appellen von praktisch allen Seiten mangelt es vor dem nächsten Corona-Gipfel nicht. »Der Fehler des Vorjahres, als die weitgehende Schließung von Spiel- und Sportstätten und die Kontaktbeschränkungen alle Menschen zur Bewegungslosigkeit verurteilten, darf sich nicht wiederholen«, sagte am Dienstag der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, Alfons Hörmann.

Trotz der schwierigen Infektionslage dürfe es für Geimpfte und Genesene keinerlei Einschränkungen bei der Sportausübung geben, forderte der DOSB. Er reklamierte auch eine »Outdoor-Sport-Garantie für alle«. Heißt nach Vorstellung des DOSB: Für Sport im Außenbereich darf höchstens 3G gelten – sprich: genesen, geimpft oder getestet. Für Sport im Innenbereich hält der Verband 2G – geimpft oder genesen – für sinnvoll.

»Außenbereiche sind immer unkritischer als Innenbereiche«, sagte unlängst der Lübecker Virologe Jan Rupp. »Wenn man das gut kontrolliert, ist das Stadion kein Problem, weil man draußen ist und Abstand halten kann.« Die Probleme könnten aber vor und nach einem Spiel kommen. »Manche treffen sich auch davor und stehen am Stadion eng beieinander, nachher gehen sie vielleicht zusammen in die Kneipe«, mutmaßte Rupp.

Impfpflicht für Profis als Einheitssignal

Die Corona-Kennzahlen entwickeln sich derzeit dramatisch. Zu Wochenbeginn stieg die Inzidenz erstmals auf über 300. Die Impfdebatte ist derweil auch im Sport, und speziell im Fußball, kräftig befeuert worden. Bayern Münchens Joshua Kimmich hatte Bedenken wegen angeblicher Langzeitfolgen durch Vakzine geäußert und fand sich wenig später als Kontaktperson des infizierten Nationalmannschaftskollegen Niklas Süle in Quarantäne wieder.

Mit 2G-Maßnahmen soll auch der Wille zum Impfen gestärkt werden. Für Fans gilt das Prinzip bereits jetzt häufig. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder brachte am Dienstag auch eine Impfpflicht für den Profifußball ins Spiel. Würde dies diskutiert, wäre das ein »Signal auch der Einheit von Fans und Spielern«, sagte der CSU-Politiker. Wie lange Fans Verständnis dafür haben, nur mit 2G-Regel ins Stadion zu kommen, ihre Idole aber nur einen negativen Coronatest benötigen, ist tatsächlich offen. Mit dieser Argumentation lässt sich die Einschränkung des Arbeitsrechts aber kaum begründen.

Der Chef der Deutschen Fußball-Liga, Christian Seifert, versprach derweil, die Bundesliga und ihre Klubs würden sich für eine höhere Impfquote einsetzen. Neben der Vorbildwirkung gibt es aber noch einen weiteren Aspekt in der Debatte Spielerimpfungen, den Gernot Tripcke als Geschäftsführer der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) jüngst ansprach: »Ungeimpfte sind für uns, abgesehen von der Gesundheit, ein Risiko für den Spielbetrieb.« Und der soll tunlichst weitergehen, möglichst mit Zuschauern. Wenn Großveranstaltungen durchgeführt würden, dann nur mit maximaler Sicherheit, die zurzeit zur Verfügung stehe, betonte RKI-Chef Wieler Ende vergangener Woche. Am besten wäre es aber, »wenn wir Großveranstaltungen absagen würden«, sagte er besonders mit Blick auf Menschenmengen in Innenräumen.

Es ist noch Geld im Notfalltopf

Für den Sport steht einiges auf dem Spiel. »Wenn es wieder einen Lockdown gäbe, wäre das wahrscheinlich das Einfachste«, sagte DEL-Boss Tripcke: »Nur kommt es dann wirtschaftlich zur Katastrophe.« Im staatlichen Hilfstopf seien von den vorgesehenen 400 Millionen Euro noch 165 Millionen vorhanden. Die müsse man aber nur anzapfen, wenn es wirklich zu einem erneuten Stopp des Spielbetriebs käme, sagte der Boss der Handball-Bundesliga, Frank Bohmann. dpa/nd

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