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Das Ende der Eukalyptusplantagen

Bäuerinnen und Bauern in Mosambik erhalten ihr Land zurück

  • Von Christine Wiid, Inkota
  • Lesedauer: 3 Min.
Die Organisation ANAM half in Mosambik einer Gemeinde erfolgreich beim Kampf gegen einen Großinvestor.
Die Organisation ANAM half in Mosambik einer Gemeinde erfolgreich beim Kampf gegen einen Großinvestor.

Vielleicht erinnern sich manche Leser*innen noch an die nd-Solidaritätsaktion im Winter 2012/2013. Damals berichtete Inkota von der Arbeit des Projektpartners ANAM (Ländlicher Verband für gegenseitige Hilfe) in der nördlichen Provinz Nampula in Mosambik, der eine Gemeinde bei ihrem Kampf gegen einen Investor unterstützt hat. Der norwegisch-mosambikanische Konzern Lurio Green Resources wollte in Nampula auf rund 126 000 Hektar Eukalyptus anbauen. Daraus sollte Zellstoff produziert werden.

Die mosambikanische Regierung hatte das Großprojekt bereits im Jahr 2009 genehmigt. Für die betroffenen Gemeinden waren das keine guten Nachrichten: In kürzester Zeit hatten sie ihr Land an den Konzern verloren. Den Menschen wurde mit vielen falschen Versprechungen ihr Land abgelockt: Schulen und Brunnen sollten im Gegenzug gebaut werden, neue Arbeitsplätze auf den Plantagen entstehen.

ANAM unterstützte die Menschen, klärte sie über ihre Rechte auf und erreichte, dass die Flächenvergabe noch einmal nachverhandelt wurde. Alle Familien, die Land verloren hatten, erhielten Ausgleichsflächen und Entschädigungen. Die Gemeindemitglieder haben sich mit Unterstützung von ANAM in Komitees organisiert, die mit dem Konzern Lurio Green Resources in Verhandlungen gingen.

Nun, rund neun Jahre später, ist das Großprojekt geplatzt: Dem Unternehmen wurde die Genehmigung und der damit verbundene Landtitel von den Behörden wieder entzogen. Denn der Konzern war nicht in der Lage, das Vorhaben entsprechend den genehmigten Plänen umzusetzen. Auch die Bäuerinnen und Bauern waren unzufrieden: Sie hatten ihr Land verloren, aber kaum Arbeitsplätze gewonnen. Zurück bleiben einige Eukalyptuspflanzungen, Ruinen und viele unerfüllte Versprechen. Jetzt kann das Land den Menschen zurückgegeben werden.

ANAM hat sich gemeinsam mit anderen Organisationen viele Jahre für die Gemeinden eingesetzt und dies nun erreicht. »Das ist ein Erfolg für die Menschen«, sagt Clausto Caetano, ANAM-Experte für Landfragen. »Ein Teil des Landes lag schon lange brach. Eukalyptus wurde nicht mehr angebaut, und der Bau der Zellstofffabrik wurde nie vollendet.« Auch die Umweltschäden waren enorm: Eukalyptus verbraucht große Mengen Wasser, und einheimische Mischwälder wurden zerstört.

Nun organisiert ANAM die Rückgabe der Flächen an die Gemeinden und hilft ihnen, sich für das Land einen eigenen Titel zu sichern. Damit sind sie vor einem erneuten Landverlust geschützt. Im Distrikt Ribaue sollen einige Tausend Hektar Land zurückgegeben werden. »Dieser Prozess ist mit viel Hoffnung verbunden, aber auch mit Unsicherheit«, erklärt Calisto Ribeiro, Geschäftsführer von ANAM. »Neben der Sorge vor Landverlust waren auch Erwartungen der Bevölkerung mit dem Projekt verbunden. Diese wurden bitter enttäuscht.« Zudem stehen die Gemeinden vor der Frage, wie mit den Eukalyptuswäldern umzugehen ist. Zwar geht das Land zurück an die Gemeinden, aber was passiert mit den Pflanzungen? Müssen die Gemeinden gar Zahlungen für die Plantagen und Gebäude leisten?

Diese und andere Fragen handelt ANAM nun auch mit den Regierungsstellen in den Distrikten aus. Geplant ist überdies, dass die Gemeinden und Gemeindekomitees so geschult werden, dass sie die restlichen Baumbestände selbst managen können, um so vielleicht doch noch ein Einkommen aus den Plantagen zu erzielen. Und auf den zurückgegebenen Flächen kann nun endlich auch wieder Landwirtschaft betrieben werden. Auch hierbei werden die Familien mit Schulungen und Saatgut für den Gemüseanbau unterstützt.

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