Werbung
  • Wissen
  • ndPodcast Dr. Schmidt erklärt die Welt

Wenn die falschen Pilze sprießen

Diagnose: Falscher Mehltau. Das feuchtwarme Wetter des Sommers 2021 hat vor allem Biowinzern zugesetzt

  • Von Christof Meueler / Steffen Schmidt
  • Lesedauer: 3 Min.
Falscher Mehltau (Peronospora) an einem Rebstock in Franken
Falscher Mehltau (Peronospora) an einem Rebstock in Franken

Die Weinernte war nicht gut. Das liegt nicht nur am vielen Regen, sondern auch am Falschen Mehltau, der auf den Reben lag. Weißt du, was das ist?

Wenn die falschen Pilze sprießen

Es gibt Echten und Falschen Mehltau. Beide sehen ähnlich aus, der echte ist aber ein Pilz. Und der geht nicht an den Wein. Der falsche ist ein Schädling, ein Mikroorganismus, der sich an die Pflanze ranmacht. Dann zapft er so viel an Nährstoffen ab, dass der ganze Rest nicht mehr gut funktioniert.

Der Falsche Mehltau sieht zwar so aus, als wäre er ein Pilz. Eigentlich gehört er aber eher in die Verwandtschaft der Algen.

Algen auf dem Land?

Algen gibt es an vielen Stellen, wo es feucht ist. Die stecken letztlich auch in den Flechten an Bäumen oder Felsen. Flechten sind eine Symbiose, eine Lebensgemeinschaft von Algen und Pilzen.

Waren die letzten beiden Jahrzehnte nicht auch ein Problem für den Weinbau, weil die Sonne so knallte?

Ja, da hatte man Schwierigkeiten, einen trockenen Wein zu produzieren, ohne ihn gleich zur Alkoholkeule zu machen.

Und wenn es regnet, ist es auch nicht recht. Wie die Natur es macht, ist es verkehrt.

Ja, das ist wahrscheinlich wie in dem alten Witz aus DDR-Zeiten: Was sind die vier Hauptfeinde des Sozialismus? - Frühling, Sommer, Herbst und Winter.

Natürlich ist der Einschnitt beim Weinbau in diesem Jahr ganz erheblich. Die konventionell wirtschaftenden Winzer können ja irgendwelche Fungizide sprühen, also pilzvernichtende Mittel. Die helfen offenbar auch beim Falschen Mehltau, auch wenn der eigentlich nicht so richtig pilzt. Aber die Biowinzer gucken in die Röhre. Die können nur Schwefel und Kupferverbindungen benutzen. Und die zeigen bei so massivem Befall wie in diesem Jahr nicht die nötige Wirkung.

Übrigens haben manche Winzer ein Frühwarnsystem: Rosen im Weinberg. Als ich das zum ersten Mal sah, dachte ich, das sei zur Deko, aber nein, wurde mir erklärt: Rosen werden offenbar noch leichter befallen als Reben. Wenn deren Blätter weiß gefleckt sind, wird es Zeit, was zu spritzen.

In älteren Texten heißt es oft, etwas würde sich »wie Mehltau über das Land« legen. Wie soll man sich das vorstellen?

Also, der Echte Mehltau befällt auch Mais und andere Getreidearten - Grundnahrungsmittel also und keine Luxusgüter wie Wein. Mit dem Bild soll gesagt werden, dass alles gelähmt ist. Warum sich da nicht eher ein Gleichnis aus dem medizinischen Bereich eingebürgert hat, weiß ich auch nicht.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Falschen Mehltau auf dem Wein und der Weizenkrise in Kanada?

Nein. In Nordamerika war dieses Jahr vor allem Trockenheit ein Problem. Die Dürre dort war definitiv kein Pilzwetter.

Da ist es wieder, das Klima.

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung