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Teilen macht satt

Mitte November startete die diesjährige nd-Soliaktion - große Hilfe mit kleinen Beiträgen

  • Von Olaf Koppe
  • Lesedauer: 4 Min.
Kongolesische Bäuerinnen und Bauern bei der Aufteilung des Saatguts.
Kongolesische Bäuerinnen und Bauern bei der Aufteilung des Saatguts.

Seit 13. November sind die Leserinnen und Leser von »nd« wieder aufgerufen, sich an der jährlichen Solidaritätsaktion »Teilen macht satt« zu beteiligen, die mit 2865,20 Euro an Spenden innerhalb einer Woche wieder überaus erfolgreich gestartet ist. Wie in den vergangenen Jahren wurde die Aktion mit den langjährigen Partnern von »nd«, den Nichtregierungsorganisationen Inkota, Weltfriedensdienst und SODI International konzipiert und vorbereitet. In diesem Jahr sind es ausschließlich Hilfsprojekte auf dem afrikanischen Kontinent, die mit den Spendengeldern finanziert werden.

Afrika ist mit 30,2 Millionen Quadratkilometern und einer Bevölkerung von etwas mehr als 1,1 Milliarden Menschen der zweitgrößte Erdteil. »Teilen macht satt« unterstützt den Kampf um eines der gravierendsten Probleme des Kontinents: die Ernährungssicherheit. In diesem Jahr geht es, wie man den bisherigen Veröffentlichungen zur Soliaktion bereits entnehmen konnte, um Projekte, die Voraussetzungen dafür schaffen sollen, dass dieser Kampf auch erfolgreich geführt werden kann.

Claudia Klein-Hitpaß von Inkota weist darauf hin, wie wichtig Landrechte für ein gutes Leben sind. So gilt das Landrecht in Mosambik als fortschrittlich und pro-bäuerlich. Traditionelle Rechte von ländlichen Gemeinden werden geschützt und ihre Landrechte sind gesetzlich anerkannt. Allerdings wissen viele Bäuerinnen und Bauern nicht, wie sie ihr Land sichern können. Inkota-Partner ANAM aus Mosambik hilft den Menschen, Gemeinden und Genossenschaften, das Land kartieren und eintragen zu lassen. »So schützen wir die Lebensgrundlagen der Bäuerinnen und Bauern vor Landverlust, denn ihr Land ist auch für Investoren interessant«, sagt Calisto Ribeiro, Geschäftsführer von ANAM. Die Region in Nampula, im Norden des Landes, ist unter anderem durch Landgrabbing großer Konzerne bedroht, die riesige Forstplantagen anlegen wollen. Doch das Sichern der Landrechte allein macht die Menschen nicht satt. Vielen Familien fehlt es an Kenntnissen und Mitteln, ihr Land produktiv zu nutzen und die Ernte zu verbessern. ANAM berät und hilft, Produktionsgenossenschaften zu gründen. Die kleinbäuerlichen Familien werden mit Schulungen und Saatgut unterstützt.

Unser Kooperationspartner Weltfriedensdienst unterstützt ein Hilfsprojekt, das im südlichen Afrika angesiedelt ist. Koordinator Maximilian Knoblauch ist überzeugt, dass geteiltes Wissen den Wandel zu mehr Ernährungssicherheit anstoßen kann. Und dass man vor allem den jungen Menschen im südlichen Afrika eine Stimme geben muss - das ist das Ziel von STEPS, einer südafrikanischen Partnerorganisation des Weltfriedensdienstes. »Mit unserer Hilfe entstehen Filme, die junge Menschen stärken und ihre Lebensgrundlagen schützen sollen«, sagt Marianne Gysae-Edkins von STEPS. »Wir arbeiten mit Filmemacher*innen, Rundfunkanstalten und Menschenrechtsorganisationen in einem regionalen Partnernetzwerk zusammen.« Dokumentarfilme mit und für junge Menschen entstehen in Bots-wana, Lesotho, Malawi, Sambia, Simbabwe, Südafrika und Uganda.

Doch das Engagement von STEPS geht weit über die bloße Produktion der Filme hinaus. »Bei den Vorführungen in den Dörfern, Townships und Schulen und den anschließenden Diskussionen kommen die jungen Menschen mit lokalen Autoritäten, Entscheidungsträgern, Erwachsenen und anderen Jugendlichen über die oft brisanten Themen ins Gespräch«, sagt Marianne Gysae-Edkins. Sie bringen das Publikum dazu, Einstellungen und Handlungen zu hinterfragen, das Bewusstsein zu schärfen und selbst aktiv zu werden. Die Filme bilden so den Ausgangspunkt für sozialen Wandel.

Katja Neuendorf von SODI International betont, dass schon mit einer kleinen Spende viel erreicht werden kann. Ihre Organisation bringt in diesem Jahr unter dem Motto »Frieden teilen« ein Hilfsprojekt in der Demokratischen Republik Kongo in die Aktion ein.

»Die Menschen leben in extremer Armut, da Hass und Gewalt die Versorgung sowie die Infrastruktur zunichte machen«, erzählt Naum Butoto, Direktor von UGEAFI, der Partnerorganisation von SODI in der Region. Die Menschen in Süd-Kivu, nordwestlich des Tanganjikasees, sind von Nahrungsmangel und Hunger betroffen. Laut Welthungerindex 2021 tragen in acht der zehn am stärksten von Hunger betroffenen Länder Konflikte maßgeblich zur Verschärfung bei, die DR Kongo ist eines dieser Länder. Aufgrund von Konflikten in der DR Kongo und im Nachbarland Burundi fliehen viele Menschen in die Projektregion. Fortschreitende Umweltzerstörung durch Brennholzbeschaffung, verbunden mit ungenügenden Einkommensquellen und mangelndem Zugang zu Trinkwasser führen zu weiteren Konflikten bis hin zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Geflüchteten und den Aufnahmegemeinden.

SODI und UGEAFI wollen ein friedliches Miteinander ermöglichen. 31 655 Menschen aus vier Gemeinden profitieren direkt von Trainings zur Konfliktbewältigung, Friedenskomitees, aber auch von Saatgutverteilungen, landwirtschaftlichen Schulungen und der Gründung von kleinbäuerlichen Gruppen.

Wolfgang Hübner, Mitglied der nd-Redaktionsleitung, und Martin Ling, Nord-Süd-Redakteur im »nd« und redaktioneller Koordinator der Aktion, stimmten in ihrem Auftakt-Statement am 13. November Katja Neuendorf ausdrücklich zu: Mit Summen von 48 bis 228 Euro kann Bauernfamilien in Mosambik, Jugendlichen in Südafrika und vom Krieg betroffenen Menschen in der DR Kongo lebenswichtige Unterstützung zuteil werden. Ihrer Bitte an die Leserinnen und Leser um Solidarität für die diesjährige Kampagne »Teilen macht satt«, über deren Verlauf »nd« in den nächsten Wochen regelmäßig berichten wird und die auch im Internet unter www.dasnd.de/soliaktion verfolgt werden kann, schließe ich mich ausdrücklich an.

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