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Nahverkehr in der Pandemiefalle

Über die anhaltende Vertrauenskrise bei Bahnen und Bussen

  • Von Nicolas Šustr
  • Lesedauer: 2 Min.
Volle Züge sind seit Corona nicht nur unangenehm, sondern wecken Furcht vor Infektionen.
Volle Züge sind seit Corona nicht nur unangenehm, sondern wecken Furcht vor Infektionen.

Die ausfallenden Fahrten bei der Berliner S-Bahn und der Potsdamer Straßenbahn sind nicht einfach nur ein Ärgernis für die Kummer gewohnten Fahrgäste. Sie sind ein veritabler Rückschlag in dem Bemühen, in der Corona-Pandemie verloren gegangenes Vertrauen in den Öffentlichen Personennahverkehr wiederzugewinnen. Und damit ein echtes Hindernis für die Verkehrswende.

Denn wie eine Befragungsreihe der Verkehrsforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) zur Mobilität unter Corona-Bedingungen ergeben hat, meiden vor allem die sogenannten Wahlfreien Bahnen und Busse inzwischen oft konsequent. Ein großer Teil jener Menschen also, die früher mal mit dem Auto, mal mit dem Nahverkehr unterwegs waren, bewegt sich nur noch mit der eigenen Blechkiste fort. »Die Routinen der Autonutzung verfestigen sich auf einem Niveau, das deutlich höher liegt als vor der Pandemie«, heißt das dann im Forschersprech.

Noch vor der vierten Welle, als einige schon die Hoffnung hegten, das Gröbste der Pandemie sei nun überstanden, fühlten sich viele in allen Verkehrsmitteln unwohl, in denen sie mit anderen unterwegs waren. Die Furcht vor Ansteckung dürfte jetzt noch einmal gestiegen sein, besonders natürlich in wegen Ausfällen noch volleren Bahnen. Dass die Einhaltung der Maskenpflicht nach wie vor kaum kontrolliert wird, trägt ein Übriges dazu bei.

Die in den letzten Jahrzehnten auf Kostenoptimierung getrimmten Verkehrsunternehmen haben angesichts überhoher Krankenstände wohl kaum eine andere Möglichkeit, als den Betrieb einzuschränken, das ist klar. Aber der langfristige Schaden ist höher als manche glauben.

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