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Zu wenig energieeffiziente Häuser

EU-Kommission will mit energetischer Gebäudesanierung Klimaschutzpläne einhalten

  • Von Sandra Kirchner
  • Lesedauer: 4 Min.
Energetische Sanierung kommt in Europa nicht schnell genug voran.
Energetische Sanierung kommt in Europa nicht schnell genug voran.

Gerade mal ein Prozent aller Gebäude in der Europäischen Union werden pro Jahr energetisch saniert. Das ist viel zu wenig, denn damit wird der Gebäudebestand Europas nicht bis Mitte des Jahrhunderts klimaneutral. Die gesamte EU will dieses Ziel aber bis zum Jahr 2050 erreichen. Auch das Heizen oder Kühlen von Gebäuden darf dann keine Treibhausgase mehr verursachen. Expert*innen mahnen deshalb immer wieder, dass die Sanierungsrate deutlich schneller erhöht werden muss.

Damit künftig mehr Gebäude energiesaniert werden, hat die Europäische Kommission am Dienstag einen Vorschlag zur Neufassung der Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden vorgelegt. Die geplante Reform ist Teil einer Reihe von Vorschlägen der Kommission, mit denen die EU ihren Treibhausgasausstoß bis 2030 um 55 Prozent senken will. Einen ersten Teil des sogenannten Fit-for-55-Pakets legte die EU-Kommission bereits im Juli dieses Jahres vor.

In den Ländern der Europäischen Union entfallen derzeit rund 40 Prozent des Energieverbrauchs und 36 Prozent der Treibhausgasemissionen auf den Gebäudebereich. Klar ist: Ohne politische Vorgaben wird die Sanierung nicht im großen Stil vorankommen und der Treibhausgasausstoß von Gebäuden nicht schnell genug sinken. Klimaneutralität bis zur Mitte des Jahrhunderts wäre dann nicht erreichbar.

Herzstück der überarbeiteten EU-Richtlinie sind neue Mindeststandards für die Gesamtenergieeffizienz. Sowohl bestehende als auch neue Gebäude sollen dann in unterschiedliche Effizienzklassen eingeordnet werden, die - wie es in der EU üblich ist - mit Buchstaben gekennzeichnet sind. Vor allem für die unteren Effizienzklassen soll es dann Fristen geben, bis wann die Gebäude energetisch modernisiert werden sollen. »Die Idee ist, bei den allerschlechtesten Gebäuden anzusetzen, also dort, wo mit einer Sanierung schnell ein hohes Maß an Energie und am allermeisten CO2 eingespart werden kann«, sagt Henning Ellermann, Experte für Gebäude bei der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz (Deneff) gegenüber »nd.DerTag«. In diesen Fällen sei die Sanierung besonders wirtschaftlich - und helfe auch Menschen, denen hohe Energierechnungen Sorgen bereiten.

Die Sanierung von Gebäuden mit geringer Effizienz - in denen also bislang keine energiesparenden Maßnahmen wie das Dämmen der Fassade oder der Austausch von Fenstern vorgenommen wurden - kann ohne zusätzliche Kosten für Mieter*innen, also warmmietenneutral, erfolgen.

Demgegenüber brauchen Gebäude, die schon erste Effizienzmaßnahmen hinter sich haben, zusätzliche Fördermittel, um ihren Energiebedarf weiter zu senken, wie Patrick Biegon vom Verbraucherzentrale-Bundesverband gegenüber »nd.DerTag« erläutert. »Wenn die Kommission die Gebäudesanierung im großen Maßstab voranbringen will, dann muss sie auch die Fördermittel deutlich aufstocken«, meint der Verbraucherschützer. Gleichzeitig müssten die Informations- und Beratungsangebote für Hausbesitzer*innen deutlich ausgebaut werden, damit die Nachfrage nach Renovierungen steigt.

Auch für Neubauten schreibt die geplante EU-Richtlinie Effizienzstandards vor. Wer 2030 in der EU ein Haus baut, muss dafür sorgen, dass das Gebäude keine klimaschädlichen Emissionen verursacht. Gebäude in öffentlicher Hand müssen diese Vorgabe schon früher erfüllen.

Offen lässt die EU-Richtlinie dagegen, was die Eigentümer nach 2030 tun müssen. »Es ist noch unklar, wie es danach weitergeht. Dabei wären möglichst frühzeitige Leitplanken sinnvoll, um allen Marktteilnehmern Klarheit zu bieten, was in den nächsten 20 Jahren passieren wird«, sagt Effizienzexperte Ellermann. Hier müsse in den weiteren Verhandlungen schnell nachgebessert werden. Die neuen Vorgaben müssen vom EU-Parlament und den Mitgliedstaaten bestätigt werden - bei Streitfragen müssen die EU-Organe verhandeln.

Die EU-Kommission will die Mitgliedstaaten künftig dazu verpflichten, bis 2025 Aktionspläne für den Gebäudesektor vorzulegen. Im Fünf-Jahres-Rhythmus sollen diese Pläne dann aktualisiert werden.

Die EU nimmt sich mit dem jetzt vorgelegten Paket auch vor, grenzüberschreitende Bahnreisen zu fördern. Zudem soll ein sozialer Klimafonds geschaffen werden, um die Klimapolitik gerechter zu gestalten. Wenn die Energiepreise steigen, wie es derzeit der Fall ist, sollen einkommensschwache Haushalte unterstützt werden. Etwa 34 Millionen Europäer*innen sind schon heute von Energiearmut betroffen und können etwa ihre Wohnung nicht angemessen heizen. Vor allem in süd- und ostmitteleuropäischen Ländern ist das der Fall. Diese Schieflage soll der Fonds ausgleichen.

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