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Baumschulen für den Frieden

In Kongo wird mit Techniken der Aufforstung und Setzlingen den Konflikten um Ressourcen begegnet

  • Von Katja Neuendorf, SODI
  • Lesedauer: 3 Min.

In den Gebieten Fizi und Itombwe nahe des Tanganjikasees in Süd-Kivu (DR Kongo) leidet die Bevölkerung unter fortschreitender Umweltzerstörung. Auch durch die hohe Zahl von Binnenvertriebenen innerhalb Süd-Kivus und Schutzsuchenden aus dem benachbarten Burundi hat sich der Bedarf an natürlichen Ressourcen wie Holz für Zäune oder Öfen stark erhöht. Dies führte zur massiven Abholzung, was wiederum die Bodenerosion verstärkte. Die sinkende Qualität des Bodens mindert dessen Fruchtbarkeit und die Fähigkeit Wasser zu speichern. Ernteausfälle und Hunger sind die Folge. Die Not schürt neue Konflikte.

Um gute Lebensumstände zu schaffen und zum Frieden in der Region beizutragen, ist Umweltschutz eine der wichtigsten Voraussetzungen. Die lokale Hilfsorganisation UGEAFI hat zusammen mit SODI Umweltbewusstsein etabliert und untermauert dies mit konkreten Taten. Das Engagement begann mit dem Bau von zehn Baumschulen im vergangenen Jahr. Diese produzieren innerhalb der nächsten drei Jahre insgesamt 400 000 Setzlinge.

»Unsere sieben Baumarten besitzen verschiedene Eigenschaften, um das Ökosystem und die Biodiversität zu unterstützen«, erklärt Mujambere Kabuye Alexis, Agronom im Projekt. Er ist einer der Expert*innen, die die ausgewählten Gärtner*innen aus den Dörfern beim Aufbau der Baumschulen auf Gemeindeland unterstützt haben und ihnen Aufforstung beibringen. Als Projekt mit und für die Gemeinden haben alle Projektteilnehmer*innen die Möglichkeit, die Schulen zu besuchen und sich über Techniken der Aufforstung zu informieren. »Unsere Setzlinge sind bereits sieben bis 20 Zentimeter groß, sodass wir ihre Verteilung bis Ende 2021 angehen können«, erzählt Mujambere Kabuye Alexis.

Die Aufforstung der Region beginnt mit der Verteilung eines Großteils der Setzlinge an 4000 Haushalte mit eigenem Land. Das Anpflanzen auf den Feldern und steilen Hängen nahe der Häuser schützt vor Bodenerosion und Erdrutschen. »Die Menschen brauchen eigenes Land, damit sie ausreichend Dünger produzieren können, um die Setzlinge nachhaltig zu erhalten«, erklärt der Agronom.

Bei der Verteilung der Setzlinge werden auch die lokalen Kirchen, Schulen und Sportvereine eingebunden und erhalten eine Aufwandsentschädigung. Durch die gemeinsame Arbeit wird das Gemeinschaftsgefühl gestärkt. Die restlichen Setzlinge kommen 20 Schulen und Kirchen zugute. »In den Schulen und Kirchengemeinden klären wir die Menschen zusätzlich über Umweltschutz auf«, sagt Alexis.

UGEAFI organisiert begleitend zu der praktischen Aufforstung Umweltbildung für die Bevölkerung. Mit Plakaten informieren die Mitarbeiter*innen auf öffentlichen Plätzen der Dörfer, in Schulen und Kirchen anschaulich über die Folgen von Rodung und Buschbränden sowie über die Bedeutung der Wiederaufforstung. In ausgewählten Schulen werden zusätzlich Lehrer*innen in Umweltbildung geschult und Umweltclubs gegründet.

»Drei der zehn Umweltklubs bestehen bereits«, berichtet Mujambere Kabuye Alexis. Mittels der erhaltenen Setzlinge können die Klubs praktische Aktivitäten durchführen und Umweltschutz anschaulich gestalten, auch in ihren Gemeinden.

Von den rund 12 000 Menschen, die in dem Projekt für Umweltschutz als Basis ihrer Lebensgrundlage sensibilisiert werden sollen, sind bereits über 2400 Menschen erreicht worden. Hierzu zählen auch die Kleinbäuerinnen und -bauern, die weiteres Saatgut sowie Informationen zu Anbaumethoden durch das Projekt erhalten haben.

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