Werbung

Polizei nennt Silvesternacht in Berlin »vergleichsweise ruhig«

Zwölf zum Teil schwer Verletzte bei Unfall mit illegalem Feuerwerk in Friedrichshagen

  • Lesedauer: 3 Min.
In der ZDF-Silvestershow erfuhr der geneigte Zuschauer zwischen Auftritten nicht mehr ganz taufrischer Stars, dass bei der Regierenden Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD, rechts) Silvester mit Raclette und Schokobrunnen begangen wird.
In der ZDF-Silvestershow erfuhr der geneigte Zuschauer zwischen Auftritten nicht mehr ganz taufrischer Stars, dass bei der Regierenden Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD, rechts) Silvester mit Raclette und Schokobrunnen begangen wird.

Die große Silvesterfeier ist auch im zweiten Jahr der Corona-Pandemie ausgefallen - doch Polizei und Feuerwehr hatten in Berlin mehr zu tun als vor einem Jahr. Trotz Verkaufsverbots für Feuerwerk knallten in vielen Kiezen Böller, Raketen stiegen in den Himmel auf.

Am Brandenburger Tor, wo das ZDF ohne Publikum die Fernsehshow »Willkommen 2022« sendete, drängten sich mehrere Tausend Menschen, so dass die Polizei einschritt. Die Gegend Unter den Linden war keine der insgesamt 56 Verbotszonen. Es seien aber zunehmend keine Abstände eingehalten worden, erklärte ein Polizeisprecher. In der Show hatte auch die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) einen kurzen Auftritt, bei dem man erfuhr, dass es bei ihr zu Hause Raclette geben und später ein Schokobrunnen zum Einsatz kommen sollte.

Bei einer privaten Silvesterparty auf einem Firmengelände in Friedrichshagen wurden zwölf Menschen bei der Explosion von illegalem Feuerwerk verletzt. Der jüngste Verletzte ist laut Feuerwehr ein elfjähriger Junge. Elf Verletzte wurden ins Krankenhaus gebracht. Der Staatsschutz ermittelt nun.

Dennoch zogen Polizei, Feuerwehr und Berlins neue Innensenatorin Iris Spranger (SPD) eine positive Bilanz. Sie blicke auf einen »vergleichsweise ruhigen, aber dennoch fordernden Silvestereinsatz zurück«, hieß es von der Polizei am Samstag. Der deutlich überwiegende Anteil der Feiernden habe sich verantwortungsbewusst verhalten. Jedoch seien bis 3 Uhr 15 Polizistinnen und Polizisten verletzt worden, zwei davon hätten ihren Dienst vorzeitig beendet. Auch die Feuerwehr verzeichnete doppelt so viele Angriffe auf Einsatzkräfte und Fahrzeuge wie im ersten Pandemiejahr: Sie zählte zehn solcher Übergriffe, davon acht mit Pyrotechnik.

Innensenatorin Spranger sagte: »Es ist traurige Realität, dass es in der Silvesternacht regelmäßig zu Gewalt gegen Polizeidienst- und Rettungskräfte kommt. Das gefährdet nicht nur die Einsatzkräfte, sondern auch Menschen, die dringend Hilfe brauchen.« Überwiegend sei aber friedlich in Berlin gefeiert worden, erklärte die SPD-Politikerin. Die Einsatzkonzepte von Polizei und Feuerwehr hätten Wirkung gezeigt. Die Pyroverbotszonen in den Bereichen Alexanderplatz, Steinmetzkiez und vor der Haftanstalt Moabit hätten für Ruhe gesorgt an Orten, an denen es in den Vorjahren zu Böllerverletzungen und Schlägereien gekommen sei.

An 53 Stellen galt ein Versammlungs- und Feuerwerksverbot, dazu gehörten etwa der Potsdamer Platz, das Kottbusser Tor und der Breitscheidplatz. Diese Verbote durchzusetzen war ein Schwerpunkt des Einsatzes, bei dem laut Polizei 1600 zusätzliche Polizistinnen und Polizisten die etwa 900 Streifenbeamten unterstützten. Unter anderem in Moabit und an der Potsdamer Straße hatte die Polizei den Durchgangsverkehr gesperrt, um die Verbote durchzusetzen.

Die Polizei gab an, 263 Männer und 15 Frauen in der Nacht festgenommen zu haben. Deutlich weniger als die 700 vorübergehenden Festnahmen im Vorjahr. 339 Ermittlungsverfahren wurden laut Polizei eingeleitet, etwa wegen Verstößen gegen das Waffengesetz und wegen Abbrennens von Pyrotechnik. Zudem seien 92 Schreckschusswaffen sichergestellt worden.

Die Feuerwehr registrierte 164 Einsätze mehr als im Vorjahr. Zwischen 19 Uhr abends und 6 Uhr morgens rückte sie zu 1026 Einsätzen aus. Die Feuerwehrleute bekämpften in der Nacht zum Samstag 219 Brände (2020/21: 211), wie Landesbranddirektor Karsten Homrighausen am Samstag bilanzierte. Hinzu kamen 755 Rettungsdiensteinsätze (556).

Bis zum Neujahrsmorgen wurden im Unfallkrankenhaus Berlin 15 Menschen behandelt, wie eine Sprecherin mitteilte, fünf mehr als im Vorjahr. In fünf Fällen musste operiert werden. dpa/nd

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung