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Atomanlage reif für den Abriss

In Gorleben sollte radioaktiver Schrott für die Endlagerung verpackt werden. Die Anlage ist ein Relikt aus der Vergangenheit

  • Von Reimar Paul
  • Lesedauer: 4 Min.
Der ehemalige niedersächsische Umweltminister Wolfgang Jüttner (CDU) - rechts im Bild - schaute sich im März 1999 in Gorleben die Pilotkonditionierungsanlage an.
Der ehemalige niedersächsische Umweltminister Wolfgang Jüttner (CDU) - rechts im Bild - schaute sich im März 1999 in Gorleben die Pilotkonditionierungsanlage an.

Die nukleare Pilotkonditionierungsanlage (PKA) in Gorleben führte ein Schattendasein. Wer von den Atomanlagen dort redete, verwies meist auf das Erkundungsbergwerk für ein Endlager. Oder auf die beiden Zwischenlager für radioaktive Abfälle – in einem werden 113 Castorbehälter mit hoch radioaktivem Atomschrott geparkt, im anderen lagern Tausende Fässer und Container mit schwach und mittelaktivem Müll. Nun rufen Atomkraftgegner die »versteckte« Fabrik in Erinnerung und fordern ihren zügigen Abriss.
Begleitet von Protesten erfolgte im Frühjahr 1990 der erste Spatenstich für die PKA.

Mehrere Hundert Menschen hatten zuvor das Baugelände besetzt und Hütten errichtet, sie wurden aber von der Polizei abgeräumt. Weitere Demonstrationen und Klagen konnten den Bau nicht stoppen. Der verschlang umgerechnet rund 400 Millionen Euro.
Die PKA besteht im Kern aus sogenannten »heißen Zellen«, in denen hinter dicken Betonwänden und Bleiglasfenstern stark strahlende Abfälle mit Robotern bearbeitet werden können. In der Anlage sollten probeweise abgebrannte Brennstäbe aus den großen und schweren Castoren in kleinere Behälter verpackt, also für eine Endlagerung »konditioniert« werden. Die PKA als Versuchs- und Erprobungsanlage zur Herstellung »endlagerfähiger Gebinde« – so beschrieb der damalige Betreiber, die Gesellschaft für Nuklearservice, den Nutzungszweck.

Zwischenzeitlich hat sich dieser Arbeitsauftrag erledigt. Er hätte nur Sinn gemacht, wenn in Gorleben gleichzeitig das zentrale Endlager für Atommüll eingerichtet worden wäre. Davon nahm die Politik aber Abstand. 2017 wurde das Suchverfahren neu gestartet. Im September 2020 schied der Salzstock Gorleben aus dem Verfahren aus.

Für die PKA bedurfte es also einer neuen Daseinsberechtigung. Politik und Betreiber erklärten die Fabrik deshalb zur Service- und Reparaturstation für defekte Castorbehälter. Die Atomgegner brachte das auf die Palme: »Wenn die Behälter unsicher sind, dürfen sie gar nicht benutzt werden«, erboste sich schon vor Jahren die Bürgerinitiative (BI) Umweltschutz Lüchow-Dannenberg. Selbst wenn man die Notwendigkeit einer Reparatureinrichtung unterstelle, müssten aus denselben Erwägungen auch an anderen Zwischenlagern für hoch radioaktiven Müll vergleichbare Anlagen gebaut werden.

Gleichzeitig machte die BI auf das ihres Erachtens erhebliche Gefahrenpotenzial der – technisch im Übrigen veralteten – Anlage aufmerksam: Über den 60 Meter hohen Schornstein und eine Pipeline zur Elbe könnten größere Mengen Radioaktivität in die Umwelt gelangen.

Offiziell aufgegeben wurde das Reparaturkonzept bis heute nicht. »Die PKA dient derzeit noch für eine mögliche Reparatur der Behälter aus Gorleben, die mit hoch radioaktiven Abfällen aus der Wiederaufarbeitung oder mit bestrahlten Brennelementen beladen sind«, bestätigt der Sprecher der bundeseigenen Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ), Tristan Zielinski, auf Anfrage. Tatsächlich lief die Anlage bis heute immer nur auf »Stand-by« und nahm nie den »heißen« Betrieb auf.

Dass die Tage der PKA gezählt sind, machte Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies indes schon vor mehr als zwei Jahren klar. Die Fabrik sei ein »Relikt aus alten Zeiten«, sagte der SPD-Politiker im September 2019 bei einem Besuch in Gorleben. Der ganze Prozess werde keine Jahrzehnte dauern, »der Weg ist bereits beschritten und wird darin münden, dass die PKA zurückgebaut wird«. Wann das sein wird, konnte der Minister damals aber nicht sagen.

Der Abriss soll voraussichtlich 2026 beginnen, erklärte jetzt die BGZ gegenüber »nd«: »Eine seriöse Prognose des Abbruchzeitraums ist erst abschließend möglich, nachdem die genehmigungsrechtlichen Voraussetzungen und alle Nebenbestimmungen für den Rückbau vorliegen.«

Atomkraftgegner drängen darauf, dass es schneller losgeht. Die Kosten für den Unterhalt der Konditionierungsanlage beliefen sich jährlich auf 6,3 Millionen Euro, bemängelt BI-Sprecher Wolfgang Ehmke. Das kritisiert auch der Bund der Steuerzahler. Die PKA sei technisch veraltet und im Grunde überflüssig, sagte Jan Vermöhlen vom Steuerzahlerbund in Hannover dem NDR. Daher sei es nicht nachvollziehbar, warum sie voraussichtlich noch bis 2026 stehen bleiben solle.

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