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Trabert motiviert nicht

Mit ihrem Kandidaten bricht die Linke nicht mit der paternalistischen Natur des Bundespräsidentenamtes

  • Von Simon Poelchau
  • Lesedauer: 2 Min.
Linke-Bundespräsidenten Kandidat Gerhard Trabert zwischen den Partei- und Fraktionsvorsitzenden.
Linke-Bundespräsidenten Kandidat Gerhard Trabert zwischen den Partei- und Fraktionsvorsitzenden.

Die Aufregung über Gerhard Traberts Äußerungen auf dem Linke-Jahresauftakt wird sich wohl bald wieder legen. Trotzdem sollte sich die Partei nicht erst wegen seines NS-Vergleichs mit der heutigen Situation von Ausgegrenzten fragen, ob er der richtige Bundespräsidentenkandidat ist.

Trabert kämpft als Obdachlosenarzt und Flüchtlingshelfer für die Rechte Marginalisierter. Ihm gebührt dafür viel Respekt. Die Wahl, ihn als Kandidaten aufzustellen, kann insofern so interpretiert werden, dass sich Klassen- und Identitätspolitik nicht widersprechen, sondern einander ergänzen. Doch motiviert er nicht. Dies liegt daran, dass Trabert zwar für die richtigen Sachen kämpft, aber aus einer privilegierten Position heraus.

Er ist ein alter, weißer, männlicher Professor und diesbezüglich näher an Frank-Walter Steinmeier als an jenen, die er vertritt. Damit wird das Paternalistische, das mit dem Bundespräsidentenamt einhergeht, nicht aufgehoben. Die Kandidatur hat nichts Empowerndes.

Anders wäre es, wenn die Partei einen Hartz-IV-Bezieher, eine Geflüchtete oder Trans-Person aufgestellt hätte. Diese könnten anhand der eigenen Lebensgeschichte erzählen, was falsch läuft in der Gesellschaft. Und eine solche Kandidatur wäre ein Bruch mit den falschen Prinzipien der bürgerlichen Politik.

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