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Mobilisierung allein reicht nicht

Moritz Wichmann über den Zustand der US-Gewerkschaften

  • Moritz Wichmann
  • Lesedauer: 2 Min.

Die Basis-Gewerkschaftskampagne, die sich dieser Tage in geradezu rasender Geschwindigkeit beim Kaffeekonzern Starbucks ausbreitet, macht Mut. Sie gibt Hoffnung, weil es sonst wenig gute Neuigkeiten gibt aus der und für die Gewerkschaftsbewegung in den USA. Doch angesichts der frohen Kunde muss man auch auf eine weitere Neuigkeit verweisen. Vor ein paar Tagen gab das US-Arbeitsministerium die jährlichen Zahlen zu Mitgliedschaften in Gewerkschaften bekannt. Der Anteil gewerkschaftlich organisierter Beschäftigter fiel 2021 auf das Allzeittief von 10,3 Prozent.

Wohlfühlnachrichten wie etwa die von den Organisierungsbemühungen bei Amazon oder jetzt eben bei Starbucks, selbst die über eine kleine Streikwelle im Herbst 2021 dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen: Die US-Gewerkschaften sind weiter auf dem absteigenden Ast, haben die Trendwende nicht geschafft, vielleicht noch nicht. Ein stärkerer Fokus auf Organisierungskampagnen würde helfen, dies zu ändern.

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Doch der Mitgliederschwund ist überwiegend nicht dadurch begründet, dass Beschäftigte sich auf dem »freien Marktplatz der Ideen« gegen Gewerkschaften entscheiden, wie Konservative es gerne behaupten. Denn 68 Prozent der US-Amerikaner sehen Gewerkschaften positiv – das sind so viele wie seit 1965 nicht mehr. Viele Menschen hätten gerne eine gewerkschaftliche Vertretung, doch eine jahrzehntelang gültige und wirkende Anti-Gewerkschaftsgesetzgebung hat Arbeitgebern einen so starken Vorteil auf dem »Spielfeld« geschaffen, dass dies praktisch unmöglich ist.

Es braucht eine neue gewerkschaftsfreundliche Gesetzgebung. Die steht in Form des PRO Act schon bereit und hat Unterstützung von vielen Demokraten-Abgeordneten in Washington. Doch noch sind es nicht genug.

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