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Nachwachsende Tropenwälder

Eine Studie zeigt: Natürliche Regeneration kann effizienter sein als eine Aufforstung - wenn man sie denn zulässt

  • Norbert Suchanek, Rio de Janeiro
  • Lesedauer: 4 Min.
Neu entstehender Tropenwald an den Hängen des Turrialba-Vulkans in Costa Rica. Im Vordergrund noch Reste einstiger Viehweiden
Neu entstehender Tropenwald an den Hängen des Turrialba-Vulkans in Costa Rica. Im Vordergrund noch Reste einstiger Viehweiden

Tropische Regenwälder wachsen von alleine nach - wenn man sie lässt. Und dann geschieht das schneller als Wissenschaftler bisher angenommen hatten. Millionen Hektar aufgegebener landwirtschaftlicher Nutzflächen in Lateinamerika und Afrika könnten auch ohne teure Aufforstungen zu Kohlenstoff speichernden Sekundär- und Primärwäldern werden. Dies zeigt eine kürzlich im Fachjournal »Science« veröffentlichte Studie. »Tropenwälder verschwinden in alarmierendem Tempo durch Abholzung. Aber sie haben auch das Potenzial, auf brachliegenden Flächen natürlich nachzuwachsen«, schreiben die Forscher. Landaufgabe aufgrund von Verlust der Bodenfruchtbarkeit oder Migration habe zu einer raschen Zunahme des Nachwachsens von Wäldern in den Tropen geführt. Gegenwärtig bedeckten nachwachsende Regenwälder eine Fläche von 2,4 Millionen Quadratkilometern allein in Lateinamerika und der Karibik.

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Wissenschaftler der Universität Wageningen und des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig untersuchten die Waldentwicklung in 77 Regionen und 2200 Sekundärwaldflächen in Zentralamerika, Amazonien, der Atlantischen Regenwaldregion Ostbrasiliens sowie in Westafrika.

Lässt man eine natürliche Waldregeneration zu, erlangten diese sogenannten Sekundärwälder bereits nach 20 Jahren im Durchschnitt fast 80 Prozent der für Primärwälder charakteristischen Merkmale, stellten die Forscher fest. Dies gelte etwa für die Fruchtbarkeit und Kohlenstoffbindung des Bodens, die Baumvielfalt und die Waldstruktur. Es dauere allerdings weitere 100 Jahre, bis sich wieder eine ähnliche Artenvielfalt herstellt und soviel Biomasse gespeichert wird wie in den ursprünglichen Regenwäldern.

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass natürliche Regeneration eine kostengünstige, naturbasierte Lösung für den Klimaschutz, die Erhaltung der biologischen Vielfalt und die Wiederherstellung von Ökosystemen darstellt. »Angesichts der lokalen und globalen Bedeutung der Sekundärwälder und ihrer raschen Erholung nach 20 Jahren befürworten wir die (unterstützte) natürliche Regeneration als kostengünstige, naturbasierte Lösung, um die Ziele der nachhaltigen Entwicklung der Vereinten Nationen (SDGs), der UN-Dekade zur Wiederherstellung von Ökosystemen (2020-2030), des UN-Klimaabkommens und des Übereinkommens über die biologische Vielfalt zu erreichen«, betont Nadja Rüger, Wissenschaftlerin am iDiv und eine der Co-Autorinnen der Studie.

Soweit die gute Nachricht. Die schlechte betrifft Brasiliens Cerrado-Savanne. Seit den 1970er Jahren bis heute wurde mehr als die Hälfte dieses zentralbrasilianischen Ökosystems mit einer ursprünglichen Fläche von rund zwei Millionen Quadratkilometern abgeholzt, vor allem für den Soja- und Mais-Anbau und Rinderzucht auf künstlich angelegten Weiden. Daten der Arbeitsgruppe für die Sanierung degradierter Gebiete im Cerrado (GTPastagens) zufolge gibt es heute 23,7 Millionen Hektar degradierte Rinderweiden, wo sich der Cerrado wieder regenerieren könnte.

Doch eine Forschungsarbeit mehrerer Universitäten und Institute von São Paulo zeigt, dass eine natürliche Regenerierung des Cerrado so gut wie unmöglich ist. In einer 2017 im »Journal of Applied Ecology« veröffentlichten Studie untersuchten die Forscher 29 Gebiete, die zuvor als Rinderweide genutzt wurden und drei bis 25 Jahre brach lagen. Sie stellten fest, dass viele der für den Cerrado typischen Pflanzen- und Tierarten nicht zurückkehrten, unabhängig davon, wie lange die Flächen zuletzt beweidet wurden. »Unsere Studie zeigt, dass eine natürliche Regenerierung des Cerrado im Grunde unmöglich ist«, erklärte die Co-Autorin der Studie Giselda Durigan vom Institut für Waldforschung in São Paulo. Auch 25 Jahre nach dem Ende der Beweidung durch Rinder fehlten in den nachgewachsenen Savannen 37 Prozent der ursprünglichen Arten - vor allem die einheimischen Gras-, Stauden- und Straucharten, die für eine Vielzahl von Säugetieren und Vögeln Nahrung und Lebensraum bieten.

Als eine Hauptursache dafür, dass der Cerrado nicht natürlich nachwächst, identifizierten die Forscher die in der Rinderzucht eingesetzten, aus Afrika stammenden Grasarten. Deshalb brauche es beim Cerrado menschliches Zutun, um das ursprüngliche Ökosystem wiederherzustellen.

Zuerst müssten die exotischen Gräser aus den aufgegebenen Flächen entfernt werden, erläutert die Forscherin. Der zweite Schritt sei die Wiederansiedlung einheimischer Cerrado-Grasarten. Die dritte und schwierigste Maßnahme sei die Wiedereinführung von Feuer als Waldmanagement. Der Cerrado ist ein seit Jahrtausenden an regelmäßige Buschbrände angepasstes Ökosystem mit zahlreichen Pflanzenarten, die sich ohne Feuer nicht verjüngen oder ausbreiten können. Wenn der Cerrado nicht alle drei oder vier Jahre brenne, so Durigan, komme es zur unvermeidlichen Verholzung und dem Verlust von Artenvielfalt.

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