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Unsichtbare Front

Jana Frielinghaus über den Zusammenhang zwischen Krieg und millionenfachem Hunger in Ostafrika

  • Von Jana Frielinghaus
  • Lesedauer: 2 Min.
Hungersnot in Ostafrika: Unsichtbare Front

Jean Ziegler stellte es schon vor über einem Jahrzehnt klar: »Ein Kind, das heute an Hunger stirbt, wird ermordet.« Die Aussage des Schweizer Soziologen bleibt auch in Zeiten des neuen Krieges in Europa richtig. Denn die Not der Menschen in Ostafrika ist schon seit Langem groß, weil die Getreidepreise bereits im vergangenen Herbst in die Höhe schossen. Ein Grund dafür: Spekulation mit Weizen und Co. ist immer noch legal. Ein weiterer: Der von den Industriestaaten verursachte Klimawandel lässt die fruchtbaren Ackerflächen vor allem im Globalen Süden schrumpfen. Konkret wurden die Länder Ostafrikas jüngst mit der schwersten Heuschreckenplage seit 70 Jahren alleingelassen. Nur schlaue Vorschläge zur biologischen Schädlingsbekämpfung gab es.

Die Zahl der Opfer des Krieges in der Ukraine und in Russland wird von der Zahl derer, die in Afrika an seinen Folgen sterben, weit in den Schatten gestellt werden. Absehbar wird von dieser unsichtbaren Front kaum jemand Notiz nehmen. Zu sehr werden die europäischen Gesellschaften mit der Unterbringung und Versorgung ukrainischer Geflüchteter beschäftigt sein. Zudem dürfte Getreide auch in unseren Breiten dieses Jahr knapp werden. Und bevor auch nur einer der Regierenden unserer Länder einen Gedanken oder gar mehr als das Nötigste an Geldern für vom Hungertod Bedrohte im Süden verschwendet, wird er daheim für ausreichend gefüllte Regale sorgen, um Unruhen direkt vor der Haustür zu vermeiden.

Dennoch bleibt es ein Skandal, dass noch nicht mal ein Bruchteil dessen an Geld bereitgestellt wurde, was die Uno zur Notversorgung der bereits jetzt Leidenden in Ostafrika braucht. Und es ist Ausweis dafür, dass die Mächtigen in den Industriestaaten noch immer nicht verstehen, dass Hunger im Süden wenig später auch Folgen für die eigene Region haben wird.

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