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  • WM-Qualifikation in Afrika

Nach Katar geht’s durch die Mitte

Die WM-Playoffs in Afrika boten Spannung und Überraschendes - aber auch folgenschwere Randale

  • Von David Bieber
  • Lesedauer: 4 Min.
Kapitän Thomas Partey (M.) schoss Ghana im Duell mit Nigeria um Frank Onyeka (l.) zur WM. Danach stürmten wütende nigerianische Fans das Spielfeld in Abuja.
Kapitän Thomas Partey (M.) schoss Ghana im Duell mit Nigeria um Frank Onyeka (l.) zur WM. Danach stürmten wütende nigerianische Fans das Spielfeld in Abuja.

Die Zeitungen im Senegal titelten vor dem entscheidenden WM-Qualifikationsrückspiel gegen Ägypten provokativ: »Katar oder Dakar?« Nach einem dramatischen Spiel am Dienstagabend steht nun fest: Der amtierende Afrikameister Senegal muss nicht daheim bleiben, sondern fährt stattdessen im Spätherbst zur Fußball-Weltmeisterschaft nach Katar. Er siegte 4:1 nach Elfmeterschießen gegen die Ägypter, die am vergangenen Freitag in Kairo das Qualifikationshinspiel noch mit 1:0 gewonnen hatten.

Schon früh im sicherlich am hochkarätigsten besetzten Spiel aller fünf afrikanischen Playoff-Duelle konnte der Senegal durch einen Treffer von Stürmer Dia Boulaye in der vierten Minute der ersten Hälfte den Vorteil der Ägypter wettmachen. In einer insgesamt zähen Partie ging es dann in die Verlängerung, in der die Senegalesen klar tonangebend waren - allerdings ohne zählbaren Erfolg. Somit kam es zum Elfmeterschießen. Zur tragischen Figur bei den Ägyptern wurde Superstar Mohamed Salah, der den ersten Elfmeter über das Tor schoss. Allein war er damit aber nicht: Die jeweils ersten zwei Schützen beider Teams trafen nicht.

Diese beiden Teams hatten sich bereits im Finale der Afrikameisterschaft im Februar gegenübergestanden. Auch damals ging es in einer taktisch geprägten und umkämpften Partie ins Elfmeterschießen. Und auch damals hieß der letzte Schütze auf senegalesischer Seite Sadio Mane, Salahs Sturmpartner beim FC Liverpool. Und wie beim Afrika-Cup zimmerte der bekannteste Spieler des Senegals den Ball auch am Dienstagabend in die Tormitte. So sorgte er abermals für einen historischen Moment für sein Land. Die »Teranga-Löwen«, wie die Spieler aus Westafrika oft genannt werden, erleben in Katar zwar erst ihre dritte WM-Endrunde, dafür aber die zweite in Folge.

Sieben Wochen nach dem Gewinn des Afrika-Cups steht Senegal erneut Kopf. Im Stade du Senegal in Diamniadio, erst vor gut einem Monat eröffnet, waren alle 50 000 Plätze besetzt, die Stimmung kochte. »Das hat sicherlich noch einmal das ein oder andere Prozent aus den Spielern herausgekitzelt«, meint der senegalesische Journalist und Fußballexperte Coumba Ndoffène Diouf. Die Freudenfeiern gingen bis tief in die Nacht - samt Bengalos und Autokorsos.

Im Vorfeld und während der Partie war es allerdings zu unschönen Szenen gekommen. So wurde Ägyptens Mannschaftsbus mit Steinen beworfen, mehrere Scheiben gingen dabei zu Bruch. Die ägyptische Nationalhymne wurde zudem von einem Pfeifkonzert begleitet. Und als es endlich losging, wurden die Ägypter immer wieder mit Laserpointern geblendet und mit Bechern beworfen. Ihr Verband hat daher noch am selben Abend bei Afrikas Fußballkonföderation Einspruch gegen die Wertung des Spiels eingelegt. Der Weltverband kündigte zumindest eine Untersuchung an.

Neben dem Senegal qualifizierte sich am Dienstagabend auch Ghana zum vierten Mal für eine WM-Endrunde. Die Mannschaft des in Deutschland geborenen Trainers Otto Addo schaltete dank der Auswärtstorregel etwas überraschend, aber nicht unverdient die Nigerianer aus. Das war nach dem schwachen Auftritt beim Afrika-Cup, als Ghana bereits in der Vorrunde gescheitert war, so nicht zu erwarten gewesen.

Auch diese Partie wurde von schlechten Nachrichten im Umfeld überschattet. In Nigerias Hauptstadt Abuja gab es Tumulte. Nach dem Aus der Gastgeber hatten wütende Fans das Spielfeld gestürmt, Gegenstände geworfen und Sitzbänke zerstört. Die Sicherheitskräfte setzten Tränengas ein. Dazu sorgte ein tragischer Vorfall für Bestürzung: Der Arzt Joseph Kabungo starb im Stadion. Er sei als Antidoping-Beauftragter im Einsatz gewesen, bestätigte sein Verband aus Sambia am Mittwoch. Die Todesursache war zu dem Zeitpunkt noch unklar. Bislang gibt es keine Informationen darüber, ob er infolge der Ausschreitungen oder aus natürlichen Gründen ums Leben kam.

Die drei anderen vakanten Tickets für Katar lösten Marokko, Tunesien sowie Kamerun. Marokko bezwang in Rabat die völlig überforderten Kongolesen mit 4:1. Nach dem 1:1 Remis im Hinspiel sorgten die Gastgeber diesmal für klare Verhältnisse. Tunesien traf auf Mali, und nach dem wenig spektakulären 1:0-Hinspielerfolg reichte den Nordafrikanern beim Wiedersehen ein 0:0.

Als drittes Team aus dem Maghreb wären gern die Algerier nach Katar gereist. Daraus wurde aber nichts, da sie zu Hause den nicht müde werdenden Kamerunern mit 1:2 unterlagen. Der Siegtreffer fiel erst in der Nachspielzeit der Verlängerung. Mit dem zwischenzeitlichen 1:0 für Kamerun hatte Eric Maxim Choupo-Moting vom FC Bayern München die Hinspielniederlage egalisiert. Dank der Auswärtstorregel reist er im November mit seinen Kollegen zur Weltmeisterschaft.

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