• Wissen
  • Dr. Schmidt erklärt die Welt

Schon Diesel dachte an Pflanzenöl

Dr. Schmidt erklärt die Welt

  • Wolfgang Hübner und Steffen Schmidt
  • Lesedauer: 3 Min.
Schon Diesel dachte an Pflanzenöl

In vielen Supermärkten sind Sonnenblumen- und Rapsöl ausverkauft. Die Leute legen offensichtlich Vorräte an. Wie lange kann man dieses Öl lagern?

Wenn man es kühl und ohne Licht lagert, eine ganze Weile. Im Kühlschrank hat es allerdings nichts verloren. Denn dann gibt es oftmals Flockenbildung.

Russland und die Ukraine sind nicht nur globale Lieferanten für Getreide, sondern auch für Sonnenblumenkerne.

Ja, vor allem die Ukraine ist da für die EU ein wichtiger Lieferant, aber aus Frankreich und aus südosteuropäischen Ländern kommt auch einiges.

Niemand weiß, wie es mit dem Krieg und den Folgen weitergeht. Könnte der Anbau von Sonnenblumen in Deutschland und Mitteleuropa massiv ausgebaut werden?

Im Sommer sieht man auch bei uns größere Sonnenblumenfelder. Und die sind nicht für die Blumenläden gedacht. Mit dem Klimawandel könnten wenigstens dafür die Bedingungen bei uns besser werden. Sonnenblumenöl war immer eins der billigeren Öle, billiger als Raps- oder Olivenöl.

Das Dumme ist, dass es neben dem Krieg noch andere Gründe gibt, warum das Angebot knapper wird. Letztes Jahr ist die Rapsernte in Kanada - auch ein großer Lieferant - ziemlich schlecht ausgefallen, wegen einer Dürre. Zur Teuerung hat indirekt auch Corona beigetragen. Mit den ersten Lockerungen der Schutzmaßnahmen sind viele Leute eher Auto gefahren, um Bus und Bahn zu meiden, und dadurch ist der Bedarf an Diesel mit Bio-Anteil gestiegen.

Tatsächlich scheinen Leute das Öl für ihr Auto zu kaufen - sie kippen es in den Tank, weil es derzeit billiger ist als Diesel.

Das ist theoretisch möglich, aber tückisch. Je neuer das Auto, desto empfindlicher die Technik. Witzigerweise hat der olle Diesel seinen Motor tatsächlich auch mit Blick auf Pflanzenöl entwickelt. Aber damals war die Technik viel schlichter, hatte längst nicht den heutigen Wirkungsgrad.

Greenpeace verlangt jetzt ein Verbot von Biosprit, weil der Bioanteil die Ölengpässe ausgleichen könnte.

Das ist die alte Debatte: Soll man Ackerflächen für die Industrie blockieren? In der Tat keine gute Idee. Der Biosprit ist ohnehin Augenwischerei: Wir haben das Gefühl, es würde irgendetwas besser, machen aber eigentlich so weiter wie bisher. Die Menge, die die Deutschen derzeit in Autos verbrennen, lässt sich ohnehin nicht nachhaltig auf dem Acker produzieren.

Zweite Forderung von Greenpeace: den Fleischverbrauch zu reduzieren. Weniger Tierzucht bedeutet weniger Getreide als Futtermittel. Ist eine solche Umstellung nicht langwierig?

Wenn man die immensen Umweltkosten der Massentierhaltung auf die Preise umlegt, wäre das zügig erledigt. Aber das kann man wohl nur international lösen. Wenn es so läuft wie im Kapitalismus üblich, dann wird es Leute geben, die sich das leisten können, andere werden unter Mangelernährung leiden.

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal