Werbung

Mehr als 300 Leichen in Butscha

Aus dem Kiewer Vorort kommen immer mehr verstörende Details über den Massenmord

  • Birger Schütz
  • Lesedauer: 2 Min.

Die Zahl der in Butscha mutmaßlich von russischen Soldaten getöteten Zivilisten steigt. Nach dem Abzug von Moskaus Truppen aus dem Kiewer Vorort seien fast 340 Leichen geborgen worden, berichtet das ukrainische Medienportal »Nowoje Wremja« am Montagmorgen unter Berufung auf einen lokalen Bestattungsdienst. Tags zuvor lag die Zahl der Getöteten in der Stadt noch bei 280. Insgesamt wurden in den rückeroberten Orten um Kiew 410 Leichname gezählt, meldete die ukrainische Staatsanwaltschaft am Sonntag.

Ukrainische Medien rechnen mit dem Fund weiterer Toter: Dem Bestattungsdienst in Butscha seien mindestens 20 weitere Fundplätze von Leichen im Stadtgebiet bekannt, schreibt »Nowoje Wremja«. Viele Menschen seien provisorisch in Gemüsegärten und Hinterhöfen begraben worden. Es gebe keine endgültige Liste der Getöteten. Die Angaben sind nicht unabhängig überprüfbar.

Spaß und Verantwortung

Olga Hohmann versteht nicht, was Arbeit ist und versucht, es täglich herauszufinden. In ihrem ortlosen Office sitzend, erkundet sie ihre Biografie und amüsiert sich über die eigenen Neurosen. dasnd.de/hohmann

Augenzeugen berichten über die gezielte Tötung ukrainischer Zivilisten in Butscha. In einem Interview des russischsprachigen polnischen Staatssenders Belsat schildert ein Anwohner der Stadt die Erschießung von acht Ukrainern. Russische Soldaten hätten zuvor überprüft, welcher der Einwohner in der Zeit zwischen 2014 und 2018 auf Seiten der ukrainischen Armee im Donbass gekämpft habe. Die russischen Soldaten hätten auch nach Tattoos gesucht - offenbar auf der Suche nach Anzeichen für eine Nazi-Zugehörigkeit der Männer. Die Tötungen seien durch Kopf- und Herzschüsse erfolgt.

Eine weitere Hinrichtung in Butscha beschreibt ein am Sonntag veröffentlichter Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, der sich auf Schilderungen von Augenzeugen stützt. Demnach sollen russische Soldaten Anfang März fünf Ukrainer in Butscha festgenommen, in die Knie gezwungen und einem von ihnen in den Hinterkopf geschossen haben. Das Schicksal der anderen Männer ist unbekannt. In einem Bericht der britischen BBC berichten andere Einwohner, russische Soldaten hätten bei ihrem Rückzug aus Butscha willkürlich auf ukrainische Zivilisten geschossen, die ihnen zufällig in den Weg kamen.

»So wird der russische Staat ab jetzt wahrgenommen werden«, kommentierte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in einer Videoansprache das Blutbad in Butscha. »Eure Kultur und eure Menschlichkeit sind zusammen mit den Ukrainern und Ukrainerinnen gestorben.« Das russische Verteidigungsministerium wies die Berichte aus Butscha am Sonntag als »Inszenierung« und »Provokation« zurück.

Werde Mitglied der nd.Genossenschaft!
Seit dem 1. Januar 2022 wird das »nd« als unabhängige linke Zeitung herausgeben, welche der Belegschaft und den Leser*innen gehört. Sei dabei und unterstütze als Genossenschaftsmitglied Medienvielfalt und sichtbare linke Positionen. Jetzt die Beitrittserklärung ausfüllen.
Mehr Infos auf www.dasnd.de/genossenschaft

Linken, unabhängigen Journalismus stärken!

Mehr und mehr Menschen lesen digital und sehr gern kostenfrei. Wir stehen mit unserem freiwilligen Bezahlmodell dafür ein, dass uns auch diejenigen lesen können, deren Einkommen für ein Abonnement nicht ausreicht. Damit wir weiterhin Journalismus mit dem Anspruch machen können, marginalisierte Stimmen zu Wort kommen zu lassen, Themen zu recherchieren, die in den großen bürgerlichen Medien nicht vor- oder zu kurz kommen, und aktuelle Themen aus linker Perspektive zu beleuchten, brauchen wir eure Unterstützung.

Hilf mit bei einer solidarischen Finanzierung und unterstütze das »nd« mit einem Beitrag deiner Wahl.

Unterstützen über:
  • PayPal