Ex-Rapper und Gewerkschafter

Amazon Labor Union-Präsident Chris Smalls hat einen Sieg errungen

  • Von Anjana Shrivastava
  • Lesedauer: 2 Min.
Chris Smalls: Ex-Rapper und Gewerkschafter

Das Management von Amazon scheint in einer anderen Welt zu leben als seine Belegschaft. Man richtete die eigene Antigewerkschafts-Kampagne in Staten Island, New York, auf den unabhängigen Gewerkschafter Chris Smalls aus. Dieser war nach Einschätzung der Chefetage »weder intelligent noch redegewandt«.

Doch es war der Afroamerikaner, der sein Rappertum an den Nagel gehängt hatte, um für Frau und Kinder zu sorgen, der am vergangenen Freitag eine Flasche Sekt aufmachte, als sein Wahlsieg über Amazon im Lagerhaus JFK8 amtlich bestätigt wurde. 2654 Kollegen hatten für die Gewerkschaft gestimmt, nur 2131 gegen sie. 63 Prozent der Lager- und Call-Center Arbeiter bei Amazon sind Afroamerikaner, Latinos oder Indigene, doch nur 21 Prozent des Managements teilen diesen Hintergrund. 2020 wurde das ehemalige Mitglied der Transportarbeitergewerkschaft Teamsters nach fünf Jahren Mitarbeit bei Amazon gefeuert, als er einen Streik gegen die Arbeitsbedingungen während der Pandemie organisierte.

Überzeugt, dass Amazon nicht von den herkömmlichen US-Gewerkschaften bezwungen werden könne, gründete Smalls 2021 die Amazon Labor Union (ALU). Er finanzierte sie über die Spendenplattform GoFundMe. Seitdem ist der 33-Jährige als ALU-Präsident meistens vor dem Tor von JFK8 zu finden, wo er warmes Essen und Bücher an seine ehemaligen Kollegen verteilt – und dafür auch wegen Hausfriedensbruchs verhaftet wurde.

Am Ende zog Amazon in Sachen Redegewandtheit den Kürzeren. Die Firma will die Wahl nun anfechten. Ende April wird die ALU auch im zweiten Lagerhaus auf Staten Island eine Wahl abhalten. Die ALU hat mit vier Mitarbeitern angefangen – aktuell sind es 20 Hauptamtliche, unterstützt von 100 Mitgliedern eines Arbeiterkomitees. Ob er sich einer Großgewerkschaft anschließen wolle? Man müsse »unabhängig« bleiben, so Smalls.

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