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Nur satt und sauber reicht nicht

Der Personalmangel in Kindertagesstätten verschärft sich deutlich

  • Von Lisa Ecke
  • Lesedauer: 4 Min.
Eigentlich sollte die Qualität in der Kindertagesbetreuung mit dem im Jahr 2019 in Kraft getretenen »Gute-Kita-Gesetz« verbessert werden, doch es wird schlimmer.
Eigentlich sollte die Qualität in der Kindertagesbetreuung mit dem im Jahr 2019 in Kraft getretenen »Gute-Kita-Gesetz« verbessert werden, doch es wird schlimmer.

In Kindertagesstätten herrscht schon seit Langem ein Mangel an ausgebildeten Fachkräften. Unter anderem fehlende Wertschätzung und schlechte Bezahlung tragen zu dem Missstand bei. Und es wird stetig mehr Personal benötigt. Etwa um die Herausforderungen in der Coronakrise meistern zu können oder um für die aktuell wegen des Ukraine-Krieges geflohenen Kinder Kitaplätze zu schaffen. Doch im Gegenteil hat sich das Problem der personellen Unterdeckung in Kitas im Vergleich zu den letzten Jahren noch weiter verschärft. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Mittwoch veröffentlichte Studie des Deutschen Kitaleitungskongresses (DKLK).

An der Studie haben fast 5000 Kitaleitungen teilgenommen - so viele wie noch nie bei der seit 2015 jährlich durchgeführten Befragung. »Die hohe Beteiligung an der DKLK-Studie lässt vermuten, dass eine große Zahl von Kitaleitungen einen sehr starken Druck empfindet«, so Axel Korda von Fleet Education Events, das die Befragung unter anderem mit dem Verband Bildung und Erziehung (VBE) durchgeführt hat.

So geben 57 Prozent der Kitaleitungen an, in den letzten zwölf Monaten in mehr als 20 Prozent der Zeit in Personalunterdeckung gearbeitet zu haben. Sie hatten also weniger Personal als es die Vorgaben zur Aufsichtspflicht verlangen. In der DKLK-Studie von 2021 gaben dies lediglich 40 Prozent an. 16 Prozent der Kitaleitungen teilten diesmal sogar mit, in über 60 Prozent der Zeit in aufsichtspflichtrelevanter Personalunterdeckung zu arbeiten - mehr als doppelt so viele wie 2021. Unter diesen Umständen ist es für die pädagogischen Fachkräfte kaum möglich, die Kinder zu fördern, sie gut bei ihrer Entwicklung und beim Erlernen sozialer Kompetenzen zu unterstützen.

Besonders bei den Kitagruppen der Unter-Dreijährigen hat sich die Situation demnach massiv verschärft. Bei ihnen empfiehlt die Wissenschaft, dass auf eine Fachkraft drei Kinder kommen. Dieses Verhältnis wird jedoch in 74 Prozent unterdeckt. Verglichen zum Jahr 2020 eine Verschlechterung von 44 Prozent. »Das ist mit Blick auf die enorme Bedeutung des frühkindlichen Bildungsbereichs für die gesamte Bildungsbiografie von Kindern eine Katastrophe«, kommentiert Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des VBE die Studienergebnisse.

Fast alle Kitaleitungen stimmen der Aussage zu, dass der Personalmangel und die damit verbundene hohe Belastung für die pädagogischen Fachkräfte zu mehr Krankschreibungen führt. Ein Kreislauf aus noch mehr Arbeitsbelastungen entsteht. Vier von fünf Kitaleitungen fühlen sich durch ihre Tätigkeit psychisch belastet, mehr als die Hälfte fühlt sich körperlich belastet.

Neben der akuten Arbeitsbelastung spielt auch fehlende Wertschätzung eine wichtige Rolle. Drei von vier Befragten sind der Meinung, dass sich das Vorurteil »Wir spielen, basteln und betreuen die Kinder nur« hartnäckig in den Köpfen der Gesellschaft halte. Besonders viele Befragte nehmen jedoch eine fehlende Wertschätzung in der Politik wahr. Während sich von der Kommunalpolitik noch etwas über 40 Prozent der Kitaleitungen wertgeschätzt fühlen, so fühlen sich von der Landespolitik nur rund 21 Prozent wertgeschätzt und von der Bundespolitik sogar nur 18 Prozent.

Dass ihre Arbeit nicht wertgeschätzt wird, merke sie daran, dass die Politik »die Problematik von oben versucht zu lösen, statt die Basis (die Kitas) zu fragen«, wird eine Leitungsperson einer Kita in der Studie zitiert. Auf Wünsche und Anregungen werde nur so reagiert, dass sinngemäß erwidert wird: »Wir wissen, dass sie es schwer haben, aber wir können leider nichts dagegen tun. Vielen Dank hierfür.«

Eigentlich sollte die Qualität in der Kindertagesbetreuung mit dem im Jahr 2019 in Kraft getretenen »Gute-Kita-Gesetz« verbessert werden. Die schwarz-rote Bundesregierung hatte dafür bis 2022 für die Länder insgesamt 5,5 Milliarden Euro vorgesehen. Dass das Geld bei Weitem nicht ausgereicht hat, wird durch die Studie deutlich. Zwar gab es laut Bundesregierung in den letzten Jahren einen Personalzuwachs im Bereich der Kinderbetreuung, doch auch die Anzahl der betreuten Kinder ist gestiegen. »Bedenkt man, was das pädagogische Fachpersonal an Kitas in Zeiten einer andauernden Corona-Pandemie bereits geleistet hat und infolge zusätzlicher Herausforderungen durch die bestmögliche Integration oftmals traumatisierter Kinder aus der Ukraine künftig leisten muss, verstärkt sich der Handlungsdruck massiv«, so Beckmann. »Die Politik muss ohne Wenn und Aber alles tun, was möglich ist, um diesen Zustand jetzt zu verbessern.«

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