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Lasst uns in Frieden (34): Na Sdarowje!

Russischer Wodka wird jetzt noch mythologischer

  • Von Christof Meueler
  • Lesedauer: 3 Min.

Wodka ist ein mythologisches Getränk. Wird einem meistens angeboten, wenn man sowieso schon knülle ist, zumindest hierzulande, nachts am Tresen, eiskalt und runter damit. Na ja. In Russland soll es ganz anders sein - und auch der Wodka selbst: viel besser und klarer, um nicht zu sagen: gesünder. Man könne davon Glas für Glas trinken, und der nächste Morgen sei trotzdem ein guter, so geht die Kunde.

Russischer Wodka wird jetzt noch viel mythologischer. Am Freitag verbot die EU den Import: Wodka, Holz und Kohle aus Russland sind nicht mehr erwünscht. Das ist die Reaktion auf das Blutbad von Butscha. Zumindest beim Wodka gibt es viele Alternativen: aus Schweden, aus Polen oder aus Bulgarien. Und der Wodka, der so heißt wie der letzte Generalsekretär der KPdSU, kommt aus Deutschland.

Mir persönlich wurde Wodka schon verleidet, als es noch die Sowjetunion gab, gerade so. 1987 fuhren zwei Freunde und ich mit dem VW Käfer durch Spanien nach Portugal. In der Regel schliefen wir auf Campingplätzen. Die größeren hatten eine Bar. Bekifft und blöd landeten wir gegen 21 Uhr in einer solchen, irgendwo hinter Madrid, und sahen, wie sich ein Typ eine Mischung aus Bier und Martini bestellte.

Das wollten wir auch gerne haben, bekamen es - und es schmeckte überhaupt nicht. Insbesondere der Geschmack des süßen spanischen Biers machte uns zu schaffen. Also bestellten wir Bier mit Wodka drin. Wir meinten, das wäre cooler. Doch das war noch schlimmer: Nun war es der Wodka, der uns zu schaffen machte - durch das süße Bier hindurch wirkte er noch süßlicher, um nicht zu sagen: gemeiner. Der Barkeeper schien uns auch irgendwie komisch anzuschauen. Und genau deshalb bestellten wir das dasselbe noch mal. Oh nein. Danach konnten wir nicht mehr laufen, nur krabbeln. Und kotzen. Der schlimmste Alkohol meines Lebens.

Später erfuhr ich, dass diese sehr spezielle Kombination auch »U-Boot« genannt wird: Man versenkt ein Schnapsglas in einem Bierglas. Ich glaube, es waren Russen, die mir das verrieten. »Auf Wiedersehen unter dem Tisch« heißt ja auch einer ihrer berühmten Trinksprüche.

Also, wenn Sie mich fragen - ich hasse Wodka. Aber ich bin dagegen, ihn zu verbieten. Schon der letzte Generalsekretär der KPdSU hatte das vergeblich versucht. Schon damals wäre ihm beinahe die Sowjetunion um die Ohren geflogen. Aber wer interessiert sich hier schon für die russische Innenpolitik?

Und hier der Vorschlag eines Internationalisten: Die Leute, die Wodka mögen, sollen sich treffen und auf den Frieden für den Frieden trinken. Meinetwegen aus Wassergläsern, wenn’s denn hilft. Auf Wiedersehen unter dem Tisch! Dann ist Ruhe.

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