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  • Wassermangel in Berlin

Aufruf zur Enthaltsamkeit

Eine neue Kampagne soll beim Kampf gegen den sich verschärfenden Wassermangel in Berlin helfen

  • Von Patrick Volknant
  • Lesedauer: 4 Min.
Um die Versorgung in der Hauptstadt zu sichern, müssen sich die Berliner Wasserbetriebe einiges einfallen lassen.
Um die Versorgung in der Hauptstadt zu sichern, müssen sich die Berliner Wasserbetriebe einiges einfallen lassen.

Die Hauptstadt versteppt jedes Jahr mehr, der Grundwasserpegel kennt im Prinzip nur einen Tendenz: fallend. Trotzdem belässt es Berlins Wirtschaftssenator Stephan Schwarz (parteilos, für SPD) vorerst bei guten Worten. »Neue Verbote sind kein Thema«, sagt Schwarz am Mittwoch auf der Jahrespressekonferenz der Berliner Wasserbetriebe (BWB). »Wir setzen hier auf Aufklärung.«

Mit einer neuen Kampagne wollen die Berliner Wasserbetriebe dafür sorgen, dass Berlinerinnen und Berliner sorgsamer mit ihrem Trinkwasser umgehen als bisher. »Wir müssen das intelligent machen«, sagt BWB-Finanzvorstand Frank Bruckmann. Er vertraue in dieser Hinsicht aber ganz auf den Ideenreichtum seines Unternehmens: »Da wird sich die Unternehmenskommunikation schon etwas Schlaues ausdenken.«

Nach der Corona-Pandemie bereiten sich die Berliner Wasserbetriebe laut Bruckmann wieder auf die Rückkehr in den Normalbetrieb vor. Ereignisse wie der historische Starkregen im Juli vergangenen Jahres oder die seit Ende Februar anhaltende Trockenheit hätten erneut gezeigt, »wie drastisch die Klimakrise auf unserem Breitengrad wirkt«.

Es ist dabei vor allem der sinkende Grundwasserspiegel, mit dem die Berliner Wasserbetriebe derzeit und wohl auch in Zukunft zu kämpfen haben. Nach Angaben der Wasserbetriebe sind - je nach Messstelle - die Grundwasserspiegel in den Berliner Brunnen in den vergangenen Jahren zwischen 20 und 50 Zentimeter gesunken. »Die Wasserknappheit ist mittlerweile gut sichtbar«, sagt Bruckmann. Die sichtbarsten Zeichen: tief stehende Seen, austrocknende Moore, eine Flora und Fauna an der Belastungsgrenze.

Hierzu trage die Wasserversorgung Berlins selbst bei, sagt Bruckmann: »Dieser Konflikt ist uns bewusst.« Eine erfolgreiche Lösung der Probleme erhofft er sich unter anderem durch eine engere Zusammenarbeit mit Wasserbetrieben im benachbarten Brandenburg. »Wassertropfen kennen keine Landesgrenzen«, sagt der Finanzvorstand.

Allein stemmen könnten die Wasserbetriebe die Herausforderungen jedenfalls nicht. Bruckmann appelliert dann auch an die Privathaushalte der Hauptstadt, Wasser zu sparen. Etwa, indem die Bewässerungsanlage im Garten während des Hochsommers besser abends als morgens angestellt wird. »Aus wasserwirtschaftlicher Sicht macht auch der Swimmingpool nicht so wirklich viel Sinn«, sagt der Finanzchef. Sanktionieren will er übermäßigen Wasserverbrauch jedoch genauso wenig wie der Wirtschaftssenator.

»Wir verbrauchen einfach viel zu viel Wasser«, sagt Manfred Krauß, Wasserexperte beim Umweltverband BUND Berlin. Zwar liege der Wasserverbrauch in der Hauptstadt pro Kopf nicht sonderlich höher als in anderen Gegenden Deutschlands, doch: »Die Frage ist, was die Landschaft hergibt.« Berlins Flüsse Havel und Spree seien in dem, was sie an Wasser führten, nicht mit anderen Gewässern wie etwa dem Rhein zu vergleichen.

Wie BWB-Manager Bruckmann blickt auch der Wasserexperte mit Sorge auf die kommenden warmen Jahreszeiten. »An manchen Tagen im Sommer steigt der Verbrauch aufs Doppelte an.« Verantwortlich hierfür seien eben auch die Bewässerungsanlagen und Swimmingpools in Berlins Eigenheimsiedlungen. Das sei zwar noch nicht so dramatisch wie auf dem Land, wo man »teilweise nicht hinterher damit kommt, genügend Wasser in die Rohre zu leiten, weil alle ihre Schwimmbäder auffüllen«. Aber dies wirke sich dennoch auch in der Hauptstadt aus.

Eine mögliche Lösung sieht Krauß in der Einführung eines neuen Preissystems: »Jeder, der mehr als ein bestimmtes Pensum verbraucht, würde dann deutlich höhere Preise zahlen.« Allein an die Einsicht der Menschen zu appellieren, halte er für nicht wirklich zielführend. Auch wenn es wehtue: »Irgendetwas muss passieren in dieser Hinsicht.«

Zudem macht sich Krauß für alternative Konzepte der Wassernutzung stark: »Es ist nicht notwendig, eine Toilettenspülung mit Trinkwasser zu betreiben.« Stattdessen könne bereits verschmutztes Wasser aus Privathaushalten, sogenanntes Grauwasser, in die Berliner Spülkästen geleitet werden. »Vor 20 Jahren wurde über so etwas noch gelacht, heute denkt man darüber nach«, sagt Krauß. Auch Heizkonzepte unter Einbezug warmen Abwassers könnten helfen: »Das sind Techniken, die alle vorhanden sind. Man würde zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.«

Neben dem Verbrauch in Privathaushalten gibt es weitere Faktoren, die nicht allein in den Händen der Berliner Wasserbetriebe liegen. So sorgen großflächige Versiegelungen in der Stadt dafür, dass Regenwasser in die Kanalisation geleitet wird, statt ins Grundwasser zu sickern. »Wir können es uns nicht leisten, die wertvolle Ressource Regen in den Kanal abzuleiten«, sagt Frank Bruckmann von den Wasserbetrieben. »Was wir dagegen tun können, das tun wir.« Bestehende Genehmigungen zur Einleitung von Regenwasser würden überprüft. Bereits 2018 habe man außerdem mit dem Land die Berliner Regenwasseragentur gegründet, die für einen bewussteren Umgang mit Regenwasser eintrete.

Zugleich macht der demografische Wandel den Wasserbetrieben zu schaffen: Mit der zunehmenden Alterung der Gesellschaft steigt auch der Verbrauch an Medikamenten - die so auch immer stärker ins Grundwasser gelangen. Hier setzt das Unternehmen vor allem auf technische Modernisierung. Die aber kostet: Für 2022 wollen die Wasserbetriebe die eigenfinanzierten Investitionen auf 478 Millionen Euro anheben. Das ist in etwa doppelt so viel wie noch 2016. Rund zwei Drittel der Gelder sollen in Projekte zur Ableitung und Reinigung des Abwassers fließen. Tatsächlich ist das aber erst der Anfang: Bis 2030 wollen die Wasserbetriebe laut Bruckmann nicht weniger als 5,3 Milliarden Euro investieren.

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