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  • FC Bayern in der Basketball Euroleague

Stolze Münchner scheitern am FC Barcelona

Das knappe Aus in der Euroleague treibt Bayerns Basketballer zu neuen Zielen

Die Favoriten des FC Barcelona um Brandon Davies (l.) hatten gegen die Münchner mit Augustine Rubit große Probleme.
Die Favoriten des FC Barcelona um Brandon Davies (l.) hatten gegen die Münchner mit Augustine Rubit große Probleme.

Kurz war im vier­ten Vier­tel noch ein­mal Hoff­nung auf­ge­kom­men, dass die Sen­sa­ti­on viel­leicht doch glückt. Am Ende aber senk­ten sich die Bli­cke – bei den Bas­ket­bal­lern des FC Bay­ern genau­so wie bei ihrem Anhang beim Public Viewing in einem Club im Münch­ner Glo­cken­bach­vier­tel. In die zunächst gro­ße Ent­täu­schung über die 72:81-Niederlage beim Titel­fa­vo­ri­ten FC Bar­ce­lo­na und den ver­pass­ten erst­ma­li­gen Ein­zug eines deut­schen Ver­eins ins Final Four der Euro­league misch­te sich hier wie dort aller­dings bald das Gefühl, auch viel erreicht zu haben. Das Team des FC Bay­ern in Bar­ce­lo­nas Hal­le Palau Blau­gra­na, direkt neben dem berühm­ten Fuß­ball­sta­di­on Camp Nou gele­gen, sprach jeden­falls viel von Stolz, den Haupt­run­den­ge­win­ner über­haupt in die­ser mit 2:3 ver­lo­re­nen Vier­tel­fi­nal­se­rie in das fünf­te und alles ent­schei­den­de Spiel gezwun­gen und ihn dort erneut stark her­aus­ge­for­dert zu haben.

»Ich war noch nie so stolz auf mei­ne Spie­ler wie heu­te«, sag­te Mün­chens Trai­ner Andrea Trinchie­ri: »Wir könn­ten jetzt stun­den­lang über Feh­ler spre­chen, doch sie haben heu­te Abend wie­der drei unglaub­li­che Vier­tel hin­ge­legt und sind dabei über unser Limit gegan­gen – so weit, wie es eben ging.« Bay­erns Geschäfts­füh­rer Mar­co Pesic lob­te die »groß­ar­ti­ge Leis­tung in der ers­ten Halb­zeit« und befand trotz aller Ent­täu­schung über das Aus: »Man kann nur gro­ßen Respekt haben vor den Jungs.« Und Ogn­jen Jar­amaz, mit 17 Punk­ten zweit­bes­ter Wer­fer der Münch­ner hin­ter Othel­lo Hun­ter mit 18 Punk­ten, erkann­te: »Das drit­te Vier­tel war der Knackpunkt.«

In der Tat hat­ten die Münch­ner das Spiel im drit­ten Abschnitt ver­lo­ren, den Bar­ce­lo­na mit sei­ner gan­zen Klas­se 29:15 klar domi­nier­te. In allen ande­ren Vier­teln aber waren die Bay­ern dem Top­fa­vo­ri­ten min­des­tens eben­bür­tig gewe­sen. Und das, obwohl ihnen die ver­letz­ten Leis­tungs­trä­ger Corey Wal­den und Dar­run Hil­li­ard fehl­ten. Nach einem ver­patz­ten Start ins Spiel hat­ten die Münch­ner mit einem 11:0‑Lauf von 4:9 auf 15:9 gestellt. Das ers­te Vier­tel gewan­nen sie mit 19:18, das zwei­te mit 18:13. Und auch im mit nur einem Punkt ver­lo­re­nen Schluss­vier­tel boten sie Bar­ça noch ein­mal Paro­li. Doch den Rück­stand durch das deut­lich ver­lo­re­ne drit­te Vier­tel konn­ten sie nicht mehr aufholen.

Vor dem Spiel hat­te Trinchie­ri von einer Rei­se in den »Rachen des Hais« gespro­chen, Pesic benutz­te die Meta­pher von einer vor­aus­sicht­li­chen »Wur­zel­be­hand­lung ohne Betäu­bung«. Doch dann waren es lan­ge Zeit die Münch­ner, die den Hai oder eben den Zahn­arzt quäl­ten. Weil es ein ins­ge­samt knap­pes Vier­tel­fi­na­laus war und die Sen­sa­ti­on im Bereich des Mög­li­chen lag, sag­te Pesic bei allem Lob für den Cha­rak­ter des Teams: »Wir sind rie­sig ent­täuscht, weil wir es schon wie­der nicht geschafft haben.« In der ver­gan­ge­nen Sai­son hat­ten die Münch­ner erst­mals und als ers­tes deut­sches Team die Play­offs der Euro­league erreicht. Damals schie­den sie bei Olim­pia Mai­land eben­falls nach einem 2:3 in der Best-of-5-Serie aus. Das ent­schei­den­de fünf­te Spiel hat­ten sie 89:92 ver­lo­ren. Nun war ihnen im Vier­tel­fi­na­le gegen Bar­ce­lo­na das nächs­te Novum gelun­gen, als sie das zwei­te Spiel bei den Kata­la­nen spek­ta­ku­lär 90:75 gewon­nen hat­ten. Es war ihr ers­ter Aus­wärts­sieg in den Play­offs der Euro­league gewesen.

Die Münch­ner schei­nen ihrem Ziel jedes Jahr ein Stück näher zu kom­men, ihrer Pla­nung sind sie dabei sogar vor­aus. Man habe in den ver­gan­ge­nen bei­den Jah­ren »über­per­formt«, hat­te Pesic schon vor dem fünf­ten Spiel in Bar­ce­lo­na gesagt. Ver­eins­prä­si­dent Her­bert Hai­ner hat­te es als »Wahn­sinn« bezeich­net, soll­te Trinchie­r­is Team das Final Four in Bel­grad vom 19. bis 21. Mai errei­chen. Das wur­de nun zwar ver­passt, aber die Bay­ern unter­mau­er­ten ihre Ambi­tio­nen, mit­tel- bis lang­fris­tig auch im Bas­ket­ball an Euro­pas Spit­ze zu kommen.

Wesent­lich dazu bei­tra­gen soll ihre neue Are­na, die im Herbst 2023 im Olym­pia­park eröff­net wer­den soll. Dort soll neben den Bas­ket­bal­lern der Bay­ern auch das Eis­ho­ckey­team des EHC Mün­chen spie­len und von den Vor­zü­gen der hoch­mo­der­nen Mehr­zweck­hal­le mit ihren 11 500 Zuschau­er­plät­zen pro­fi­tie­ren. Allein wegen der um rund 5000 Plät­ze höhe­ren Kapa­zi­tät im Ver­gleich zur jet­zi­gen Spiel­stät­te kön­ne man mit der neu­en Hal­le »eine gan­ze Men­ge mehr bewe­gen«, hat­te Bay­erns Ehren­prä­si­dent Uli Hoe­neß jüngst gesagt. »Ich erwar­te einen rich­ti­gen Schub, ganz abge­se­hen davon, dass du wirt­schaft­lich ganz ande­re Mög­lich­kei­ten hast.« Auch die Fuß­bal­ler hät­ten nach dem Umzug in die neue Are­na 2005 »einen Rie­sen­schritt gemacht«.

Ein sol­cher soll auch den Bas­ket­bal­lern gelin­gen. Sport­lich waren sie gegen Bar­ce­lo­na schon nah dran. »Sie haben eine unglaub­li­che Sai­son gespielt«, lob­te Trinchie­ri sei­ne Spie­ler. Been­det ist die­se Spiel­zeit für sie aber nur in der Euro­league. In der Bun­des­li­ga geht es schon am Frei­tag in Ulm wei­ter, ehe die wei­te­ren Haupt­run­den­spie­le gegen Göt­tin­gen am Sonn­tag und Alba Ber­lin am Diens­tag anste­hen. Danach fol­gen für die Bay­ern die Play­offs um den Meistertitel.

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