Missbrauchtes Gedenken

Wolfgang Hübner über Putins historischen Zynismus

  • Von Wolfgang Hübner
  • Lesedauer: 1 Min.
Wladimir Putin im Kreml in Moskau
Wladimir Putin im Kreml in Moskau

Es ist leider inzwischen üblich, dass um alle möglichen Daten und Themen, die mit dem Zweiten Weltkrieg und der Nazi-Diktatur zusammenhängen, politisch-historischer Streit entbrennt. Denn immer wieder und anscheinend immer häufiger sind Leute unterwegs, die diese finsteren Kapitel der Geschichte leugnen, umschreiben oder für ihre Zwecke benutzen wollen.

In diese Reihe hat sich mit der Begründung des Ukraine-Kriegs auch Wladimir Putin gestellt. Nach fast elf Wochen eines brutalen, zerstörerischen Kriegs gegen die Ukraine hat Russlands Präsident nun am Vorabend des russischen und ukrainischen Weltkriegsgedenkens seine eigene Propaganda noch einmal drastisch aufmunitioniert. Indem er seinen gegenwärtigen Krieg mit der Verteidigung der Sowjetunion gegen die deutsche Wehrmacht gleichsetzt, betreibt Putin grobe Geschichtsfälschung und benutzt die Millionen Toten der Roten Armee als virtuelle Marionetten seines militärischen Abenteuers. Er macht damit auch deutlich, dass er offenbar nicht daran denkt, diesen Krieg demnächst zu beenden.

Dass er ganz nebenbei der Ukraine ihr Existenzrecht abspricht und den Ukrainern zugleich eine »friedvolle und gerechte Zukunft« wünscht, ist an Zynismus kaum noch zu überbieten. Das alles ist kein Antifaschismus, wie Putin behauptet; das ist billiger und widerwärtiger Missbrauch einer opferreichen Geschichte.

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