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  • 49. GutsMuths-Rennsteiglauf

Start mit Härtetest am Birxsteig

Der erste »normale« Rennsteiglauf nach drei Jahren brachte den erhofften Erfolg – auch Team »nd« war dabei

  • Von Michael Müller, Schmiedefeld
  • Lesedauer: 3 Min.
Endlich wieder auf dem Rennsteig: Rund 11 000 waren diesmal dabei.
Endlich wieder auf dem Rennsteig: Rund 11 000 waren diesmal dabei.

Drei Jahre mussten die Rennsteigläufer sowie ihre abertausenden Fans entlang des Kammweges des Thüringer Waldes, im ganzen Land und darüber hinaus auf einen echten Neustart warten. 2019 war die 47. Auflage des Ereignisses noch gewohnt normal-grandios gewesen. Also mit rund 15 000 auf den Strecken sowie einen Tag lang Wettkampf-, Volksfest- und Partystimmung. Nummer 48 konnte nach Totalausfall und nochmaliger Verschiebung dann unter strengen Hygienevorschriften nur sehr eingeschränkt stattfinden. Nun aber am letzten Samstag die 49. Auflage, und das in altbekannter wie geliebter Spitzenform: sportlich und herzerfrischend, euphorisch und entspannt. Und, dies gleich vorweg, mit Aktiven und Publikum, mit Organisatoren und Wettermacher in Bestform.

In Oberhof, wo wie üblich der Halbmarathon (21,4 Kilometer) abgeht, begann alles mit einem Härteschock. Der Startschuss fiel erstmalig in der Thüringen Arena, also dort, wo sich ansonsten die Biathlonweltelite trifft. Und sofort nach ihm ging es den Birxsteig hoch: einen guten halben Kilometer von 774 Meter über Null durchgehend bergauf bis auf 839 Meter über Null. »Das war wie Rennsteiglauf in einer Nussschale«, stöhnte später am Ziel Jenny Weidlich aus Schwerin, die sich als »durchschnittlich eifrige Spaßläuferin« sieht und zum 14. Mal auf dem Rennsteig dabei war. Nadine Hübel, die Siegerin auf dieser Strecke, meinte später eher gelassen: »Ich war da vorher noch nie hoch gelaufen. Ist schon schwierig. Aber vor allem ist es toll, aus diesem Stadion zu starten.« Und Halbmarathonsieger Roman Freitag fand die Neuerung bestenfalls »richtig knackig zum Einrollen«, denn man habe anfangs »ja auch noch genügend Körner«.

Soviel zur sportlichen Spannweite und den daraus folgenden Sichten beim schönsten und härtesten Massencross Europas. Anna Hahner gewann zum zweiten Mal hintereinander auf der Marathondistanz (42,26 Kilometer). Den Lauf in Thüringen einst kennengelernt zu haben, hätte sich »ein bisschen angefühlt, wie frisch verliebt zu sein«, erzählte sie. Offensichtlich ist die Frische geblieben, und »ein Hattrick im nächsten Mai würde mich schon reizen«, sagte sie. Ruedi Becker, ihr Siegerpendant bei den Männern, hatte sich im Vorjahr erstmals »von der in der Laufszene längst legendären Atmosphäre« zum Rennsteiglauf locken lassen. Da die dann 2021 wegen Corona sehr eingeschränkt war, wollte er sich ein Jahr später »selbst entschädigen, am besten mit einem Sieg«. Mit dem es in einer »überwältigenden Atmosphäre« tatsächlich geklappt hat. Frank Merrbach, Erster beim Supermarathon (73,9 Kilometer), steigerte diesen Superlativ, am Ziel hoch euphorisiert, noch auf »bombastisch«. Und Tina Gebhardt sprach unmittelbar nach ihrem Erfolg am Ende des »langen Kanten«, völlig erschöpft, aber lächelnd, vom »schlimmsten, aber schönsten Tag meines Lebens«.

Tendenziell ähnlich geäußert haben dürften sich die allermeisten unter den rund 11 000 (in Vor-Corona-Hochzeiten bis zu 16 000), die in sechs unterschiedlichen Wettbewerben unterwegs waren. Von denen, die seit dem Auftakt 1973 (fast) immer dabei gewesen sind, bis zu ihren Nachfolgern, den Junior-Crossern (1,1 bis 7,2 Kilometer der 6- bis 17-Jährigen), sowie den längst hinzugekommenen Nordic Walkern und Wanderern. Natürlich herrschte auch im längst traditionellen Rennsteiglaufteam von »nd« Begeisterung. Dessen Ehrenkapitän war diesmal übrigens Rüdiger Helm, dreifacher Olympiasieger und zehnfacher Weltmeister im Kanurennsport (dazu ausführlich in »nd.Commune« am 28. Mai).

Jürgen Lange, Präsident des Rennsteiglaufvereins hob gegenüber »nd« vor allem die Tatsache hervor, dass das begeisternde wie beinharte »Erlebnis Rennsteiglauf« zum 49. Mal nun wieder in Normalform stattfinden konnte. Und zwar wie üblich dank des Elans und Engagements von Aktiven, Zuschauern und Organisatoren. »Insgesamt war es eine sehr gelungene Generalprobe für die 50. Auflage, also unser Riesenjubiläum im nächsten Jahr«, lautete seine erste Gesamteinschätzung.

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