Emotionaler Abgang

Die Talkmasterin Ellen DeGeneres hört nach 19 Jahren auf

Oft zu Scherzen aufgelegt: Ellen DeGeneres.
Oft zu Scherzen aufgelegt: Ellen DeGeneres.

Die Liste der Gäste wirkt, als hätte kaum jemand eine Einladung von ihr ausgeschlagen: 19 Jahre lang empfing Ellen DeGeneres in der nach ihr benannten Talkshow führende Figuren der US-amerikanischen linksliberalen Entertainment-Branche und Politik.

Sogar ihre Konkurrentin Oprah Winfrey nahm gerne auf einem der beiden weißen Clubsessel vor Palmenhintergrund Platz, um mit DeGeneres über ihr Leben und ihre Karriere zu plaudern. Dabei mussten sich die Gäste durchaus vor der mittlerweile 64-Jährigen mit dem blonden Kurzhaarschnitt in Acht nehmen: Zur Show gehörten Streiche, mit denen DeGeneres ihnen oft einen gehörigen Schrecken einjagte. Auch vor dem Studiopublikum und ihrem eigenen Personal machte die närrische Talkmasterin nicht Halt. Doch damit ist es jetzt vorbei: Am 26. Mai wurde die letzte Sendung ausgestrahlt. DeGeneres und ihre Gäste zeigten sich darin emotional über das Ende.

Vorausgegangen war eine schwierige Zeit. Denn offenbar ging es hinter den Kulissen oft überhaupt nicht heiter zu. 2020 wurden Vorwürfe von Mitarbeitenden der Show laut, das Arbeitsklima sei vergiftet. Den zwei Produzenten und dem Co-Produzenten der Show wurde sexuelles Fehlverhalten, Rassismus und Mobbing zur Last gelegt. Auch DeGeneres selbst ging es an den Kragen: Ehemalige Gäste und Mitarbeitende beschrieben sie als unerträglich. Freundlich sei sie nur vor der Kamera gewesen. Die Einschaltquoten sanken. Von dieser Krise hat sich die Show nicht erholt, sodass sie nun eingestellt wird.

Die »Ellen DeGeneres-Show« zeigt, wie rasant sich die amerikanische Gesellschaft in den letzten zwei Dekaden verändert hat: So durfte DeGeneres, als die Show 2003 anlief, nicht das Wort »gay«, eine Bezeichnung für homosexuell, vor dem Fernsehpublikum verwenden. Dabei ist die Entertainerin selbst lesbisch und ihr Lebensweg von den Reaktionen auf ihre sexuelle Ausrichtung geprägt. Die 1958 im konservativen Südstaat Louisiana geborene DeGeneres wurde 19-jährig von ihrem Vater rausgeschmissen, nachdem sie sich als homosexuell geoutet hatte. 1997 outete sich ihre Figur in der nach ihr benannten Sitcom »Ellen«, zeitgleich bekannte sich auch DeGeneres selbst zu ihrer Homosexualität. Danach brach ihre Karriere ein – die amerikanische Gesellschaft war offenbar noch zu verklemmt. Erst 2001 gelang DeGeneres ein Comeback mit der Sitcom »The Ellen Show«, zwei Jahre später startete sie ihre Talkshow »The Ellen DeGeneres Show«. Heute gilt DeGeneres als Ikone der amerikanischen LGBTIQ-Bewegung.

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