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  • Al-Jazeera-Journalistin Schirin Abu Akleh

Tödlicher Schuss aus Präzisionsgewehr

Palästinenser werfen Israel Mord an Al-Jazeera-Journalistin vor

  • Von Cyrus Salimi-Asl
  • Lesedauer: 3 Min.
Palästinensische Kämpfer tragen die Leiche von Schirin Abu Akleh, Journalistin des TV-Senders Al-Jazeera. Sie wurde am 11. Mai erschossen, als sie über eine israelische Razzia in der besetzten Stadt Dschenin im Westjordanland berichtete.
Palästinensische Kämpfer tragen die Leiche von Schirin Abu Akleh, Journalistin des TV-Senders Al-Jazeera. Sie wurde am 11. Mai erschossen, als sie über eine israelische Razzia in der besetzten Stadt Dschenin im Westjordanland berichtete.

Der palästinensische Generalstaatsanwalt hat Israel dafür verantwortlich gemacht, die Journalistin Schirin Abu Akleh des TV-Senders Al-Jazeera gezielt getötet zu haben. Die Reporterin war am 11. Mai während eines israelischen Militäreinsatzes in Dschenin im nördlichen Westjordanland ums Leben gekommen. Generalstaatsanwalt Akram Al-Khatib sagte am Donnerstag vor Journalisten, eine Untersuchung der tödlichen Kugel habe ergeben, dass diese von einem Scharfschützen mit einem Präzisionsgewehr des US-Herstellers Ruger abgefeuert worden sei. Das Geschoss sei aus Richtung der israelischen Soldaten gekommen. Weitere Einschusslöcher in einem Baum zeigten, dass gezielt auf den oberen Körper der 51-Jährigen geschossen worden sei – »in der Absicht zu töten«, so Al-Khatib. Die erfahrene Journalistin hatte eine schusssichere Weste mit der Aufschrift »Presse« sowie einen Schutzhelm getragen. Die Kugel traf sie laut Al-Khatib genau unter dem Rand des Helms.

Bei dem Einsatz wurde ein weiterer Journalist verletzt, drei weitere Kugeln seien in einem Baum in der Nähe eingeschlagen, führte der Staatsanwalt aus. Alle fünf Projektile stammten demnach aus der selben Waffe. Nach Angaben eines Journalisten der Nachrichtenagentur AFP, der damals vor Ort war, hatte sich kein palästinensischer Kämpfer in der Nähe der Reportergruppe aufgehalten. Laut Al-Khatib stand 200 Meter entfernt ein Geländewagen der israelischen Armee. Die untersuchten Schüsse seien aus 170 bis 180 Meter Entfernung abgegeben worden.

»Die Gesamtheit der Fakten: Der Typ des Projektils, die Waffe, die Entfernung, die Tatsache, dass es keinerlei Sichthindernis gab und dass sie eine Presse-Weste trug (…) führt uns zu der Schlussfolgerung, dass Abu Akleh das Ziel eines Mordes war«, sagte der Generalstaatsanwalt. »Die einzige Quelle der Schüsse« sei die »israelische Besatzungsarmee« gewesen. Al-Khatib sprach von einem »Kriegsverbrechen und einer Verletzung internationalen Rechts«.

Al-Jazeera will sich wegen der Tötung von Schirin Abu Akleh an den Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag wenden. Der TV-Sender teilte am Donnerstag mit, dass ein Team aus Anwälten und internationalen Experten ein Dossier vorbereite für den IStGH. Darin sollen auch die israelische Bombardierung und »totale Zerstörung« des Al-Jazeera-Büros in Gaza im Mai 2021 behandelt werden, heißt es in einer Erklärung.

Der israelische Verteidigungsminister Benny Gantz wies die Anschuldigungen der palästinensischen Seite als Lüge zurück. Israel bedaure den Tod der Journalistin, die Armee untersuche den Vorfall. Nach deren Darstellung ist nicht eindeutig, von wo der tödliche Schuss kam; es habe Feuergefechte mit militanten Palästinensern in Dschenin gegeben. Israel hatte eine internationale Untersuchung von Abu Aklehs Tod abgelehnt. Die Palästinenserbehörde lehnte es ihrerseits ab, in dem Fall mit den israelischen Behörden zusammenzuarbeiten. Mit Agenturen

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