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Ein echt günstiger Typ

Stadt und Land kann Baukosten mit Standardentwurf für Wohnhäuser deutlich drücken

Mit Typenhäusern könnten sich die Baukostensteigerungen in Grenzen halten. Allein: Das Interesse an den Planungsmodulen ist gering.
Mit Typenhäusern könnten sich die Baukostensteigerungen in Grenzen halten. Allein: Das Interesse an den Planungsmodulen ist gering.

»Wir haben das Typenhaus in Berlin inzwischen so oft ausgeschrieben, dass sich die Bauindustrie mittlerweile darauf einstellen konnte. Genau das erzeugt einen Preisvorteil«, sagt Ingo Malter, Geschäftsführer der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft Stadt und Land. Die Bauunternehmen »wissen genau, worauf sie sich einlassen und können die Risikoaufschläge minimieren«, sagt Malter.

Allein in Hellersdorf sind vom Typenhaus bereits in fünf Projekten rund 1000 Wohnungen in Typenhäusern im Bau oder fertiggestellt. Der Prototyp mit 165 Wohnungen steht seit 2019 in der Schkeuditzer Straße im Marzahn-Hellersdorfer Ortsteil. Nur 1900 Euro hat der Bau ohne Grundstückskosten pro Quadratmeter Wohnfläche gekostet. Zum Vergleich: Für alle Mitglieder des Verbands Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen wurden für das 1. Quartal 2018 durchschnittliche Baukosten von 2500 Euro pro Quadratmeter errechnet.

Die günstigen Baukosten sind nicht nur darauf zurückzuführen, dass die Firmen wissen, worauf sie sich einlassen. Sie liegen auch daran, dass 77 Prozent der gebauten Geschossfläche vermietbarer Wohnraum sind – ein hoher Wert. Nach Möglichkeit vermeidet die Stadt und Land auch die teure Unterkellerung der Gebäude.

Das Typenhaus ist nicht zu verwechseln mit einem Plattenbau. Stattdessen können einzelne Module, beispielsweise drei verschiedene Treppenhaustypen sowie Wohnungen mit einem bis zu fünf Zimmern kombiniert werden. Sämtliche Hausformen sind möglich – von der klassischen Blockrandbebauung über Zeilenbauten oder auch einzeln stehenden kleineren Blöcken.

Die Bauten sind auch nicht monotoner als das, was sonst so in der Stadt an Wohnbauten neu entsteht. Verschiedene Balkonmodule, Fensterformate und weitere Individualisierungen der Fassade sind möglich, denn es wird weiterhin klassisch gebaut – nur mit wesentlich geringerem Planungsaufwand. »Wenige Abweichungen in jeder Hinsicht vom Standard sind für die ausführende Branche smarter und damit kommen auch Kostenvorteile bei uns an«, sagte Stadt-und-Land-Geschäftsführer Ingo Malter im Jahr 2018 zu »nd«. Da stand der Prototyp kurz vor dem Baustart.

Inzwischen ist aus dem 2017 vorgestellten Typenhaus bei der Stadt und Land das Typenhaus Plus geworden – mit weiteren Optimierungen. Entwickelt worden ist es gemeinsam mit Mars Architekten, Arnold und Gladisch Architekten und der Märkische Ingenieur Bau GmbH in einem mehrstufigen Prozess. Die Wohnungsbaugesellschaft hat für den Bau Rahmenverträge mit drei Baufirmen geschlossen.

Die Planungsmodule des Typenhauses sind Open Source, also frei verfügbar. Doch weder andere Wohnungsunternehmen in Berlin noch im Rest der Republik haben bisher großes Interesse gezeigt. Vor dem Überfall Russlands auf die Ukraine habe es jedoch Anfragen aus beiden Ländern gegeben, heißt es von der Stadt und Land. Das Desinteresse der anderen Landeseigenen aus der Hauptstadt ist angesichts überschießender Baukosten erstaunlich. Denn während die Stadt und Land den Anstieg bei eigenen Projekten von rund 2100 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche im Jahr 2018 auf etwa 2450 Euro im Jahr 2021 im Zaum halten konnte, schossen sie im gleichen Zeitraum bei WBM und Gesobau auf über 3600 Euro nach oben – von rund 2400 beziehungsweise 2800 Euro. Auch die Howoge musste im vergangenen Jahr knapp 3400 Euro pro Quadratmeter anlegen – rund 400 Euro mehr als im Jahr 2018. Nur die Degewo kam mit etwas über 2600 Euro auf ein vergleichbares Niveau. Das ergibt die Antwort der Stadtentwicklungsverwaltung auf eine Anfrage des haushaltspolitischen Sprechers der Linksfraktion, Steffen Zillich.

In Treptow-Köpenick sollen über 500 weitere Wohnungen in vier Neubauprojekten entstehen. Zu den Projekten gehört auch ein Nachverdichtungsprojekt in Plänterwald, bei dem die Stadt und Land im Februar eine geschlossene Vereinbarung mit dem Bezirk aufkündigte und gegen die Absprachen auch einen grünen Innenhof an der Orionstraße bebauen wollte. Doch das ist nun vom Tisch. Das bezirkliche Umweltamt hatte kurzfristige Fehler im Naturschutzgutachten der Wohnungsbaugesellschaft gefunden. »Ich bedanke mich beim Amt für das genaue Hinsehen. Vermutlich ist dadurch nun die erneute Kehrtwende der Stadt und Land möglich geworden«, sagt der Linke-Bezirksverordnete Uwe Doering. Baustadträtin Claudia Leistner (Grüne) antwortete auf Nachfrage von Doering, dass es in Nachverhandlungen gelungen sei, den Innenhof freizuhalten. Er solle nun eine öffentliche Grünanlage werden. Der ursprünglich angestrebte Grundstückstausch werde nun doch vollzogen, als Kompromiss werde aber noch ein kleinerer Anbau an ein vorhandenes Gebäude erfolgen.

»Im nächsten Schritt wird es das Typenhaus Eco werden«, kündigt Ingo Malter zu dem Erfolgsmodell an. Dafür soll Holz der Hauptbaustoff für Fassaden und weitere Elemente werden. Rund 700 Wohnungen auf den Buckower Feldern am Südrand Neuköllns sollen in dem ökologischen Vorzeigequartier entstehen.

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