Werbung

Covivio-Mieter schlagen Krach

Renditeorientiertes Immobilienunternehmen sieht sich heftigen Protesten ausgesetzt

  • Claudia Krieg
  • Lesedauer: 3 Min.

Am Mittwoch soll es laut vor der Weddinger Covivio-Niederlassung an der Ecke Kameruner und Lüderitzstraße werden: Vier Mieter*innen-Initiativen organisieren für 18 Uhr einen gemeinsamen Protest gegen den Immobilienkonzern, der in der Hauptstadt über 36 000 Wohnungen besitzt und damit zusammen mit Deutsche Wohnen einer der großen Player unter den Wohnungseigentümern ist. Größter Aktionär ist laut aktuellen Marktinformationen der italienische Multimilliardär Leonardo del Vecchio, der sein Vermögen im Brillengeschäft gemacht hatte. 

Am Alexanderplatz entsteht bereits seit einiger Zeit der Covivio-Doppelturm, ein 130-Meter-Hochhaus mit über 60 000 Quadratmetern auf 33 Etagen. Immer wieder sind alteingesessene Mieter*innen von Covivio auch von deren Verkäufen an andere Investoren betroffen – und damit einhergehend von Verdrängung mittels Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen.

Die Berliner Vernetzung der Covivio-Mieter*innen, das lokale Kiezteam der Kampagne Deutsche Wohnen & Co enteignen, der Zusammenschluss Mietenwahnsinn Nord sowie die Stadtteilorganisation Hände weg vom Wedding werfen dem Konzern vor, ähnlich zu agieren wie die Konzerne Vonovia beziehungsweise Deutsche Wohnen, Namensgeberin für die Initiative Volksentscheid zur Vergesellschaftung profitorientierter großer Wohnungskonzerne, Deutsche Wohnen und Co. enteignen. Auch bei Covivio gehe es darum, möglichst wenig für die Mieter*innen und den Erhalt der Wohnungen zu tun, aber möglichst viel Geld dabei zu verdienen.

Das sehen Mieter*innen auch so: »Genau wie meine Nachbarinnen und Nachbarn habe ich die Schnauze wirklich voll«, sagt Marina Kolperski, die seit Jahren Mieterin bei Covivio ist. »Wir zahlen immer höhere Mieten, Schäden werden nicht repariert, die Nebenkosten explodieren, und gleichzeitig bekommen die Eigentümer auf unsere Kosten Millionen-Dividenden ausgezahlt«, erklärt Kolperski in einer Mitteilung zur Protestveranstaltung. Auch wenn sich die Wut nicht gegen die Beschäftigten im Covivio-Büro richte, sondern »gegen die Verantwortlichen in der Covivio-Chefetage«, wird auch sie vor der Weddinger Niederlassung demonstrieren. 

Auch Edward O’Brien von Hände weg vom Wedding berichtet: »Die soziale Lage für die Menschen im Wedding wird immer schlimmer.« Armut und Zukunftsängste nähmen immer weiter zu.

Die Berliner*innen hätten sich beim Volksentscheid für die Vergesellschaftung der genannten und ähnlicher Konzerne ausgesprochen, sagt Julia Mayer vom hiesigen Kiezteam der Enteignungs-Kampagne. »Weil nur so das Recht auf gutes und bezahlbares Wohnen umgesetzt werden kann.« Doch trotz dieses demokratischen Votums versuche »die Regierung aus SPD, Grünen und Linkspartei die Vergesellschaftung zu verhindern«. Die von der Regierung eingesetzte Kommission diene nur der Verschleppung des Volksentscheids. Man fordere weiterhin dessen sofortige Umsetzung.

Enteignung selbst dürfte derzeit allein nicht ausreichen, um die aktuelle Notlage vieler Mieter*innen zu lindern, erklärt Moira Hazani von Mietenwahnsinn Nord. »Unsere Kosten für Strom und Heizung steigen rasant und treiben noch mehr Menschen in die Armut. Doch genauso rasant steigen auch die Profite der Energiekonzerne, die die Situation schamlos nutzen, um uns auszurauben.« Ein Mietenstopp müsse eingeführt und Stromsperren und Zwangsräumungen müssten umgehend verboten werden. 

Im Vorfeld der Debatte um das geplante Berliner Wohnungsbündnis hatte die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) von einem Mietenstopp abgeraten.

App »nd.Digital«

In der neuen App »nd.Digital« lesen Sie alle Ausgaben des »nd« ganz bequem online und offline. Die App ist frei von Werbung und ohne Tracking. Sie ist verfügbar für iOS (zum Download im Apple-Store), Android (zum Download im Google Play Store) und als Web-Version im Browser (zur Web-Version). Weitere Hinweise und FAQs auf dasnd.de/digital.

Linken, unabhängigen Journalismus stärken!

Mehr und mehr Menschen lesen digital und sehr gern kostenfrei. Wir stehen mit unserem freiwilligen Bezahlmodell dafür ein, dass uns auch diejenigen lesen können, deren Einkommen für ein Abonnement nicht ausreicht. Damit wir weiterhin Journalismus mit dem Anspruch machen können, marginalisierte Stimmen zu Wort kommen zu lassen, Themen zu recherchieren, die in den großen bürgerlichen Medien nicht vor- oder zu kurz kommen, und aktuelle Themen aus linker Perspektive zu beleuchten, brauchen wir eure Unterstützung.

Hilf mit bei einer solidarischen Finanzierung und unterstütze das »nd« mit einem Beitrag deiner Wahl.

Unterstützen über:
  • PayPal