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Bezirke müssen mehr tun

Obdachlosigkeit muss in Berlin ein vorrangiges Thema sein, findet Claudia Krieg.

  • Claudia Krieg
  • Lesedauer: 2 Min.

Die ehemalige Berliner Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) hat sich eine Stadtgesellschaft gewünscht, in der gemeinschaftlich für ein Ende von Wohnungs- und Obdachlosigkeit eingetreten wird. Die Strategiekonferenz Wohnungslosigkeit hat sich inzwischen einigermaßen etabliert als Ort der Vernetzung von Betroffenen, Sozialträgern, zivilgesellschaftlichen Vereinen und sozialpolitischen Akteuren. Die Corona-Pandemie hat erheblichen Druck ausgeübt und es konnten Notunterkünfte eröffnet werden, die 24 Stunden an sieben Tage in der Woche geöffnet waren. Es war also möglich, Geld zu beschaffen, um die Situation für Obdachlose an der einen oder anderen Stelle zu verbessern. Auch die Gesamtstädtische Steuerung zur Unterbringung wurde auf den Weg gebracht. Zugleich gibt es auf EU-Ebene die klare Zielvorgabe, Obdachlosigkeit zu beenden. Natürlich kann man sich in den Berliner Bezirken sagen: Was die da auf EU- oder Landesebene beschließen oder fordern, hat mit uns nichts zu tun. Wir haben unsere eigenen Probleme – und die lösen wir auch auf unsere Art und Weise.

Allerdings handelt es sich bei Obdach- und Wohnungslosigkeit, so wie auch Jens Aldag von der Berliner Kältehilfe sagt, um »höchste Not«. Jeder Tag und jede Nacht ohne Zuhause sind einer und eine zu viel. Dass es zahlreiche Menschen gibt, die erklären, sie zögen das Dasein auf der Straße den Unterkünften im Regelsystem vor, ändert das nicht. Denn da geht es meist weniger darum, das Leben in einer Wohnung abzulehnen. Vielmehr will man sich nicht auf ein Hilfesystem stützen, das zum Teil hohe Ansprüche stellt, dafür dass es nur einen Teil der Not lindern kann. Verletzliche Menschen spüren zudem sehr schnell, wenn man sie von oben herab behandelt. Hilfe kann nur annehmen, wem mit Respekt begegnet wird. Denn den haben Menschen, die sich unter derart harten Umständen am Leben erhalten müssen, als erstes verdient. Was viele Menschen, die sich praktisch gegen Obdachlosigkeit engagieren, wissen, muss auch in den Behörden und zwar in allen endlich ankommen. Die Zeit drängt, nicht nur angesichts des kommenden Winters.

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