Sehen wir uns wirklich in Havanna?

nd-Leserrundreise durch Kuba

  • Von Waltraud Hagen
  • Lesedauer: 4 Min.
Eine Straße in Havanna. Dort kann man den November anders erleben.
Eine Straße in Havanna. Dort kann man den November anders erleben.

Die Titel-Frage habe ich Ihnen, den Leserinnen und Lesern von nd.Aktuell schon einmal gestellt. Dann kam die Corona-Pandemie.

Inzwischen sieht es gut aus: Wir können wieder reisen und Kuba kann uns wieder empfangen. Angefügt sei gleich: Von den 11,3 Millionen Kubanern sind rund 10 Millionen komplett geimpft. Und zwar mit von der kubanischen Pharmaindustrie entwickelten Impfstoffen.

Der Reise steht also nichts mehr im Weg. Wir haben sie für November geplant. Damit können Sie den hier schon kalten und dunklen Tagen entkommen und dort in Kuba eine Sonne genießen, die nicht mehr brennt und Temperaturen, die wärmen, ohne Schweiß zu treiben.

Als Kolumbus die Insel entdeckte, soll er gesagt haben: »Die schönste, die Menschenaugen je gesehen«. Das war 1492. Als ich das erste Mal nach Kuba kam, war es vor allem die Revolution, die mich beeindruckte, dieses große Vorhaben à la Robin Hood. Das war 1971. Beides, die Schönheit und das gesellschaftliche System, macht den großen Reiz dieser Insel aus, die weltweit so ein Begriff ist …

Weiße Strände, blaues Meer, Palmen überall … das verbindet sich ganz selbstverständlich mit Kuba, oder? Vielleicht denken Sie aber auch zuerst an Stichworte wie Rum, Zigarren, Zuckerrohr? Bei Musik könnten Ihnen Rumba, Son, Salsa und der romantische Bolero einfallen. Und in der Architektur dürften es Festungen sein, die berühmten Halbbogen-Fenster oder Havannas Uferpromenade Malecón und der weite Platz der Revolution, legendärer Ort der Kundgebungen mit Fidel Castro.

Das sind so traditionelle Mosaiksteinchen. Sie vor Ort zu erleben und ganz nach eigener Wahrnehmung und Empfindung zu einem Bild zusammenzusetzen, das wäre Ihr Spiel und Ihr geistiger Gewinn bei unserer Reise.

Wir fahren von Westen nach Osten, von Pinar del Rio, der Tabakprovinz, bis nach Santiago de Cuba. Daß kubanische Zigarren etwas Besonderes sind, ist eine Binsenweisheit, auch dass ihre Einfuhr in die USA seit 60 Jahren verboten ist, hat sich wohl herum gesprochen. Aber wussten Sie, dass Präsident Kennedy, einen Tag bevor er das Importverbot kubanischer Produkte unterschrieb, einen Mitarbeiter losschickte, um in Washington alle noch vorhandenen kubanischen Zigarren für ihn aufzukaufen? Tabakbauern und Zigarrendreher erzählen gern davon.

Kubaner haben ein gutes Talent, Leben und Dinge auf den Punkt zu bringen. Ein Halbsatz, ein Witz, man versteht sich in Andeutungen: ping pong – es geht hin und her. Der Besucher guckt verwundert zu, erahnt die Situation. Das Lachen steckt an.

Und diese Improvisationsgabe! Wenn der Fahrer eines amerikanischen Schlittens aus den 50iger Jahren erzählt, dass sein Auto mit einem Motor von Toyota oder Fiat fährt, das es ein Bremssystem, Scheinwerfer oder Scheibenwischer von sonst woher hat, funkeln seine Augen vor Vergnügen. Man staunt, was möglich ist. Und ist gleichzeitig betroffen, dass es nötig ist: bei 60 Jahren Blockade durch die USA.

Der Magnet unserer Tour ist natürlich Havanna, die 500jährige Stadt. Sie hat manchen Beinamen: Schlüssel zur Neuen Welt, später Perle der Antillen, auch Stadt der Paläste, der Säulen oder eben der Festungen, die so märchenhaft wirken, dass – wie der Schriftsteller Alejo Carpentier erzählte – eine amerikanische Studentin, die sich per Schiff näherte, mit dem Finger auf El Morro und La Cabaña, die Festungen am Hafen, deutete und fragte: »Sind das echte Burgen«?

Cienfuegos ist die Stadt der gewaltigen Tonkrüge, Santa Clara verbindet man mit Che Guevara und Santiago de Cuba gilt als Wiege der Revolution. Trinidad, eine wunderschöne Kolonialstadt, erzählt von Zuckerrohr und Kunsthandwerk. Aber auch vom Sinn der malerischen Fenstergitter: dahinter beobachteten streng behütete Mädchen die auf der Straße flanierenden Bewerber, denen als höchste Annäherung ein durch das Gitter geworfenes Briefchen zustand.

Sie erleben Städte und Dörfer, Nationalparks, Landschaften, Museen und Menschen, hören Geschichten, Legenden und Episoden. Und hinter allem lugt die Große Geschichte vor: Kolonialzeit, US-Vorherrschaft, Revolution. Bis hin zu den aktuellen »Anpassungen des sozialistischen Modells«; die durchaus Reformen sind – obwohl man sie in Cuba nicht so nennt. Aber das ist wieder eine andere, eine zusätzliche Geschichte, für – wenn Sie mögen – 16 gemeinsame Tage.

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