Unerwünschte Menschen

Lisa Ecke zu Bluttests auf Trisomie als Kassenleistung

Der Bluttest auf Trisomie als Kassenleistung vermittelt vor allem eines: Menschen mit Down-Syndrom sind unerwünscht.
Der Bluttest auf Trisomie als Kassenleistung vermittelt vor allem eines: Menschen mit Down-Syndrom sind unerwünscht.

Lebenswert ist, wer für die Leistungsgesellschaft als nützlich gilt. Das ist letztlich die Konsequenz aus dem vorgeburtlichem Bluttest auf Trisomie als Kassenleistung. Zwar wird der Test nur unter bestimmten Umständen gezahlt, doch die Vorgaben sind unklar. Natürlich ist es absurd, dass Mütter, die sich diesen Test nicht leisten können, bisher von der Krankenkasse eine Fruchtwasseruntersuchung auf Trisomie bezahlt bekamen. Mit dem Risiko von Fehlgeburten.

Aber der Bluttest als Kassenleistung vermittelt vor allem eines: Menschen mit Behinderung sind unerwünscht. Wer trotz Testmöglichkeit ein Kind mit Down-Syndrom hat, wird als unverantwortlicht gebrandmarkt. Wer Trisomie hat, ist künftig noch isolierter. In Ländern, in denen der Bluttest bereits Kassenleistung ist, gibt es immer weniger Menschen mit Trisomie 21. Das zeigt, wie behindertenfeindlich die Gesellschaft ist, wie gering die Unterstützung. Künftig könnte es viel mehr solcher Tests geben. Etwa auf Genom-Veränderungen, die im Verdacht stehen, zu Symptomen des autistischen Spektrums oder Schizophrenie zu führen. Der Anfang für die vorgeburtliche Selektierung ist nun gemacht.

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal