Auf gewisse Weise konsequent

Typisch Sommer (2): Der Hamburger Royal TS – schmeckt so der Sommer?

Das Geheimnis des »TS«: Das »T« »steht für »Tomate«
Das Geheimnis des »TS«: Das »T« »steht für »Tomate«

Woran erkennt man, dass der Sommer tatsächlich begonnen hat? Daran, dass man mückenzerstochen morgens aufwacht, weil in der schlechtisolierten Dachgeschosswohnung Schlaf nur bei offenem Fenster möglich ist? Daran, dass sich unter den stechenden Chlorgeruch im Nichtschwimmerbecken des Freibads eine süßliche Urinnote mischt? Oder daran, dass die Zeitungen und Newsportale das Sommerloch mit Meldungen über Rekordstaus auf deutschen Autobahnen zu stopfen versuchen?

Alles richtig und doch zu ungenau! Den Sommer erkannte man früher daran, dass McDonald’s seinen Hamburger Royal TS auf den Markt brachte. Das TS suggerierte, man habe es mit dem Sportwagen unter den Fast-Food-Modellen zu tun. Oder noch besser: mit dem Cabrio – Verdeck runter, und los geht’s!

Die Wahrheit war natürlich viel banaler: Das «T» «steht für »Tomate« und das »S« für »Salat«. Die Tomaten kommen aus Holland und schmecken, nun ja, nass. Und der Salat ist Eisbergsalat, weil der besonders robust ist und selbst nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums noch schön im Mund knackt – was der Simulation von Frische zuträglich ist. Denn darum ging es: Man wollte den Eindruck vermitteln, dass dieser Burger eigens für die heiße Jahreszeit entwickelt worden war. Das musste man auch. Der »normale« Hamburger Royal war nämlich alles andere als sommerkompatibel.

Wie jeder »Pulp Fiction«-Fan weiß, beruht der europäische Hamburger Royal mit Käse auf dem amerikanischen »Quarterpounder with Cheese«. Doch genau da fangen die Probleme an: Ein Pfund wiegt nämlich in den USA nicht 500, sondern nur 453 Gramm. Ein Viertelpfünder bringt also – statt der vorgeschriebenen 125 – nur rund 113 Gramm auf die Waage. So kam es, dass der »Viertelpfünder« (wie er in der BRD der 70er Jahre noch hieß) in den »Hamburger Royal« umgetauft werden musste.

Er vereint »saftiges Rindfleisch« (McDonald’s), zwei Scheiben Schmelzkäse und reichlich Ketchup und Senf – ein mastiges Vergnügen. Die Wirkung des Hamburger Royal TS ist ähnlich. Ja, seine Kalorienzahl ist sogar noch höher, weil man Ketchup und Senf durch eine »milde Sandwichsauce« (McDonalds’s), also Mayonnaise, ersetzt hat. Aber das Mundgefühl ist ein anderes. »Kaiserlich-knackiger Salat und zwei noble Tomatenscheiben« (McDonald’s) vermitteln den Eindruck, man äße etwas Leichtes. Doch wer zwei Stück davon verspeist, weiß, wie sich Briketts im Magen anfühlen. So entpuppt sich das sommerliche Vergnügen als hohles Werbeversprechen. Was auf gewisse Weise konsequent ist. Denn auch der Sommer an sich hält ja selten, was man sich eingangs erhofft.

Der deutsche McDonald’s-Ableger hat den Hamburger Royal TS in den 90er Jahren übrigens zum Standardprodukt erhoben. Seitdem ist »majestätischer Genuss« (McDonald’s) ganzjährig möglich. Eine richtige Entscheidung. In Zeiten des Klimawandels ist der Sommer nicht länger an die Sommermonate gebunden.

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