Werbung

Verbeamtung allein reicht nicht

Der Lehrerberuf muss wieder attraktiver gemacht werden, findet Rainer Rutz

  • Rainer Rutz
  • Lesedauer: 2 Min.

An diesem Donnerstag ist es also so weit: Nach gut zwei Jahrzehnten werden in Berlin erstmals wieder neu eingestellte Lehrkräfte verbeamtet. Natürlich ist hierfür ein »Festakt« angesetzt. Kurz bevor sich die Landespolitik in die Sommerpause verabschiedet, können die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey und ihre Bildungssenatorin Astrid-Sabine Busse (beide SPD) so noch einmal glänzen: Seht her, wir haben im Wahlkampf gesagt, wir kehren zur Verbeamtung der Lehrkräfte zurück – und schon, nur sechs Monate nach Amtsantritt, läuft das Großprojekt auf Hochtouren! Für schöne Bilder ist gesorgt.

Am eigentlichen Problem dürfte sich dadurch alsbald nichts ändern. Der Lehrkräftemangel in Berlin ist erschreckend groß und dabei wird es bleiben, mindestens mittelfristig. Die Rückkehr zur Verbeamtung wird einen nicht unbedeutenden Teil der bereits in Berlin arbeitenden Lehrerinnen und Lehrer gewiss freuen. Dass der Schritt dafür sorgt, dass nun massenhaft zusätzliche Lehrkräfte in die Stadt strömen beziehungsweise der Nachwuchs sich davon abhalten lässt, nach einem hiesigen Lehramtsstudium das Weite zu suchen, darf bezweifelt werden.

Denn die Arbeit an Berlins Schulen ist allzu häufig vor allem eines: extrem kräftezehrend. Der hohe Anteil an Lehrkräften, die in Teilzeit arbeiten, kommt schließlich nicht von ungefähr. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat daher recht, wenn sie Bildungssenatorin Busse nun dringend auffordert, die Arbeitsbedingungen in den Schulen selbst zu verbessern. Dazu gehört eben zum Beispiel die Entlastung der Lehrkräfte von administrativem Ballast durch die Einstellung zusätzlichen nichtpädagogischen Schulpersonals. Pädagoginnen und Pädagogen (Mathematiklehrerinnen und -lehrer vielleicht ausgenommen) sind nun mal keine Fachkräfte für Buchhaltung. Und das ist, wie auch die GEW feststellt, tatsächlich nur eine von mehreren Stellschrauben, um den Arbeitsplatz Schule attraktiver zu machen.

Man muss Berlins Bildungssenatorin zugute halten, dass sie das Ausmaß des im kommenden Schuljahr zu erwartenden Lehrkräftemangels vor Kurzem erstmals transparent gemacht hat. Umso wichtiger ist es nun, die Ursachen hierfür zu bekämpfen. Mit schönen Bildern vom Verbeamtungsfestakt ist es definitiv nicht getan.

Werde Mitglied der nd.Genossenschaft!
Seit dem 1. Januar 2022 wird das »nd« als unabhängige linke Zeitung herausgeben, welche der Belegschaft und den Leser*innen gehört. Sei dabei und unterstütze als Genossenschaftsmitglied Medienvielfalt und sichtbare linke Positionen. Jetzt die Beitrittserklärung ausfüllen.
Mehr Infos auf www.dasnd.de/genossenschaft

Linken, unabhängigen Journalismus stärken!

Mehr und mehr Menschen lesen digital und sehr gern kostenfrei. Wir stehen mit unserem freiwilligen Bezahlmodell dafür ein, dass uns auch diejenigen lesen können, deren Einkommen für ein Abonnement nicht ausreicht. Damit wir weiterhin Journalismus mit dem Anspruch machen können, marginalisierte Stimmen zu Wort kommen zu lassen, Themen zu recherchieren, die in den großen bürgerlichen Medien nicht vor- oder zu kurz kommen, und aktuelle Themen aus linker Perspektive zu beleuchten, brauchen wir eure Unterstützung.

Hilf mit bei einer solidarischen Finanzierung und unterstütze das »nd« mit einem Beitrag deiner Wahl.

Unterstützen über:
  • PayPal