Vergeblicher Kursschwenk

Moritz Wichmann über Joe Bidens Besuch in Riad

  • Von Moritz Wichmann
  • Lesedauer: 1 Min.
Mohammed bin Salman, Kronprinz von Saudi-Arabien, winkt Journalisten zu.
Mohammed bin Salman, Kronprinz von Saudi-Arabien, winkt Journalisten zu.

Joe Biden, der Mann der sich noch im Präsidentschaftswahlkampf wütend über die Ermordung des Journalisten Jamal Khashoggi durch den Geheimdienst des saudi-arabischen Königshaus zeigte, will jetzt also »auch« über Menschenrechte sprechen. Das erklärte das Weiße Haus vor einer Reise nach Riad, wo der US-Präsident auch Prinz Mohammed bin Salman treffen wird, also den Mann, der vermutlich die Tötung von Khashoggi anordnete. Lange hatte Biden ein Treffen abgelehnt, wollte Menschenrechte ins Zentrum seiner Außenpolitik stellen, veranstaltete gar vollmundig »Demokratie-Gipfel«.

Nun sollen die Beziehungen mit Saudi-Arabien »normalisiert« werden. Man macht mehr Realpolitik. Ein Grund dafür: Der im eigenen Land laut Umfragen wenig beliebte Präsident will das Königshaus dazu bringen, mehr Öl zu fördern. Biden ist angesichts niedriger Zustimmungswerte, hoher Inflation und stark gestiegener Benzinpreise politisch verzweifelt. Auch wenn die Saudis laut Analysten-Einschätzungen ihre Produktion kaum kurzfristig erhöhen können, selbst wenn sie es wollten: Mit dem Treffen kann Biden zumindest zu Hause erklären, er tue irgendetwas.

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