Wie kommt der Thunfisch in die Dose?

Dr Schmidt über bedrohte Thunfischarten, EU-Verordnungen und Katzenfutter

  • Von Christof Meueler
  • Lesedauer: 3 Min.
Wie kommt der Thunfisch in die Dose?

Wie kommt eigentlich der Thunfisch in die Dose, und vor allem warum? Müsste das nicht längst verboten sein? Man weiß doch, dass der Thunfisch schon fast als ausgerottet gilt.

Noch sind nicht alle Thunfischarten gleichermaßen bedroht. Aber vor allem die richtig großen Thunfischarten sind alle mehr oder minder weg vom Fenster.

Welche sind das?

Der Rote Thun oder der Blauflossen-Thun beispielsweise. Allerdings ist bei uns in der Regel gar kein Thun im engeren Sinne in der Dose, sondern der sogenannte Echte Bonito. Der gehört zwar zu den nächsten Thunfisch-Verwandten und ist mit bis zu 80 Zentimetern Länge auch nicht gerade klein, ist aber etwas anderes.

Der echte Thun ist größer?

Die meisten Arten – einige können mehrere Meter lang werden.

Und der Echte Bonito kommt nach irgendeiner EU-Verordnung als „Geht doch auch irgendwie als Thun» in die Dose?

Das ist wohl weniger eine EU-Verordnung als eine Marketingpraxis. In der Regel gibt es Fangquoten für die jeweiligen Arten. Der Punkt ist nur, dass diese Fangquoten das eine sind und die Realität etwas anderes. Ein echter, rarer Thunfisch kann so viel kosten wie ein Kleinwagen. Da findet sich immer jemand mit genügend krimineller Energie, den zu suchen, zu fangen und der gehobenen Gastronomie zu liefern, vorzugsweise nach Japan, das Land mit der ausgeprägtesten Fischkultur. Die leben damit vielleicht etwas gesünder als wir, aber für die Fische ist das nicht so gesund.

Die haben dort keinen Thunfisch?

Doch, aber anscheinend weniger, als sie essen.

Und kann man den Thunfisch nicht auch züchten?

Ja, das ist möglich – mit den Fischeiern wild lebender Tiere. Dumm ist nur, dass der Thunfisch bei den Fischen mit an der Spitze der Nahrungspyramide steht. Da kommt dann nicht mehr viel drüber, außer große Haie, die den einen oder anderen Thunfisch wegschnappen. Das heißt: Der Thunfisch selbst frisst schon ziemlich viele Fische weg. Für die Zucht brauchst du also jede Menge anderer Fische, um die an den Thun zu verfüttern. Das ist teuer, aufwendig und ganz gewiss nicht nachhaltig. Leider lässt sich so ein Raubfisch nicht so ohne Weiteres zum Veganer machen.

Eine andere Frage, die mich seit den Kochexperimenten in der Jugend bewegt: Wenn man Spaghetti mit Dosen-Thunfisch macht, warum riecht das wie Katzenfutter?

Möglicherweise wird Katzenfutter zum Teil auch aus Fischresten gemacht.

Vielleicht aus gefälschtem Thunfisch?

Ich denke, die spezielle Konsistenz des Fleisches solcher großen, muskulösen Fische dürfte wahrscheinlich kaum mit einem billigeren Fisch zu imitieren sein. Denn die Thunfische sind ja so schnell im Wasser, weil sie gigantische Muskelpakete sind.

Auf vielen Dosen prangt das Logo des Marine Stewardship Council, das nachhaltige Fischwirtschaft garantiert.

Ein großes Versprechen.

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal